Ein Diener seiner Herren. Werdegang eines österreichischen Geheimagenten.
Ein Diener seiner Herren. Werdegang eines österreichischen Geheimagenten.
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Druckkostenbeitrag D 3273Ein Diener seiner HerrenTibor FRANK09.10.2000 Das Buch handelt sich um die Enthüllung eines Agenten der österreichischen Geheimpolizei der Ära Bach, G. G. Zerffi (1820-1892). Laut maßgebender Meinungen ist die Biographie eine der ersten detaillierten und methodologisch meist originellen historischen Darstellungen des Polizeisystems des Freiherrn Alexander von Bach und stellt zu gleicher Zeit ein wichtiges Kapitel der Japanischen Geschichtsschreibung vor, wo Zerffis Bücher eine wesentliche Rolle gespielt haben. Vorliegende Arbeit stützt sich vor allem auf Gustav Zerffis ungemein verstreutes und äußerst schwer erreichbares Schriftenmaterial. Die Biographie erfaßt Zerffis eigene Schriften, erschlossen an erster Stelle in Budapest, Wien, Moskau, London, Bonn und Amsterdam, ferner seine Person betreffende -handschriftliche und gedruckte Quellen (vor allem in Wien), außerdem die erstaunlich vielen, in Druck erschienenen, meistens aber vollkommen unbekannten Arbeiten Zerffis. Nach 1849 war der äußerst "bewegliche" Zerffi bemüht, gleichzeitig zu allen bedeutenden Vertretern- der ungarischen Kossuth-Emigration Beziehungen aufzubauen. Er stand längere Zeit in direkter Verbindung auch mit Karl Marx und schloß sich zu Beginn der sechziger Jahre dem auch in London wirkenden liberal-bürgerlichen Deutschen Nationalverein, dem Kreis von Gottffied Kinkel, an und wurde vertrauter Mitarbeiter dieses Gegners von Marx. Gleichzeitig war der von finanziellen Sorgen bedrängte Journalist Zerffi, der stets darauf bedacht war, seine Beziehungen auszunutzen, vom Herbst 1849 bis Anfang 1865 ein gutbezahlter Mitarbeiter des hervorragend organisierten internationalen - Geheimdienstes der österreichischen Regierung. Seine Rund 2000 numerierten Geheimberichte informierten den jeweiligen Innen- oder Polizeiminister und somit auch die jeweiligen Regierungen, Ja sogar den Monarchen selbst, über Pläne und Aktionen der ungarischen und. der internationalen revolutionären Emigration. Zerffi war nicht nur ein eifriger Beobachter und Informator, sondern wurde, zu einem vielfach verwendbaren und bereitwilligen Werkzeug der von Wien aus gelenkten internationalen konterrevolutionären Maschinerie. Er erlernte und vervollkommnete in seinen fünfzehn Dienstjahren die österreichischen Agentenmethoden, deren Wesen dann bestand, sich in die Reihen der Revolutionäre einzuschleichen und die Emigration ,,von innen her" zielbewußt zu zersetzen. Vorliegende Arbeit enthüllt und beschreibt, soweit es die Quellen ermöglichen, eine Reihe von typischen Methoden des österreichischen Geheimdienstes. In seiner letzten Lebensphase wurde Zerffi ein wohlbekannter Historiker und Kunsthistoriker in London. Seine Arbeit - ein allgemeines europäisches historiographisches Handbuch - wurde für die nach der Meiji-Revolution (1868) neu erstandene Japanische Geschichtsschreibung erfaßt. Das Werk erschien auch 1879 in London unter dem Titel The Science of History und erhob den Autor zu einem heute noch angesehenen Begründer der Japanischen Geschichtsschreibung. Seine Wahl zum Vorsitzenden des Vorstandes der Royal Historical Society im Jahre 1880 hat er sicher zum Teil dieser Tatsache zu verdanken. Die Analyse der Lautbahn eines regelrechten Chanidleons bietet neue sozialpsychologische Erkenntnisse der Autokratie und trägt zur Untersuchung ihres Wirkens bei.
- Tibor Frank, Forschungsstelle Josefsplatz , assoziierte:r Forschungspartner:in