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Spurensicherung und Lebenslinien der Landler

Spurensicherung und Lebenslinien der Landler

Franz Grieshofer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3306
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 05.03.2001
  • Projektende 05.03.2011
  • Bewilligungssumme 32.884 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Abstract

Über 250 Jahre lebten die Landler unbeachtet in ihren Dörfern in Rumänien. Erst die fluchtartige Auswanderung der Deutschen (Sachsen) nach dem Sturz Ceausescus aus Siebenbürgen rückte das Schicksal der Landler in den Vordergrund. Die im l8. Jahrhundert in zwei Wellen aus religiösen Gründen unter unmenschlichen Bedingungen nach Siebenbürgen deportierten Protestanten aus Oberösterreich, Kärnten und -der Steiermark hatten in der neuen Umgebung nicht nur ihren Glauben, sondern auch ihre eigene Kultur und somit ihre Identität bis zuletzt bewahren können. Diesem Phänomen versuchen die Beiträge dieses Bandes nachzuspüren. Wie aus der Einleitung hervorgeht, das die Genese und Bedeutung des Werkes umreißt, konnte in einem ersten Pilotprojekt Ende 1990 ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam die drei Landlerdörfer zu intensiven Aufnahmen besuchen. Daraus erwuchs das Forschungsprojekt "Spurensicherung und Lebenslinien der Landler". Das vorliegende Werk stellt im Wesentlichen das Ergebnis dieses Projektes dar. (Die Änderungen sind dem Begleitbrief zu entnehmen) Der Sammelband besteht aus 25 Beiträgen von 24 AutorInnen. Es handelt sich dabei einerseits um Wissenschaftler (innen) (Historiker, Sprachwissenschaftler, Soziologen, Volkskundler) und andererseits um Betroffene, die durch ihre Herkunft oder ihren Beruf (Pfarrer, Lehrer, Architekt, ..) prädestiniert sind, eine Innensicht der Kultur der Landler zu liefern. Der Sammelband gliedert sich in sechs Themengruppen, von denen die erste der Geschichte und Integration gewidmet ist. Die Beiträge geben Einblick in die Forschungsgeschichte und in die Geschichte der Transmigration bzw. der Integration in die drei Landlerdörfer (Mathias Beer), in die Urkundenlage (Liliana Popa), in das traurige Kapitel der Nachkriegsgeschichte (Georg u. Renate Weber) und schließlich in die Situation der Landlergemeinden nach 1989 (Martin Bottesch). Mit den Phänomenen der Selbstbehauptung und der Interethnik beschäftigen sich die Arbeiten der zweiten Gruppe. Martin Bottesch (Identität und Ethnizität der Landler. Zum Selbstverständnis der Landler) geht der Frage nach, seit wann die aus den unterschiedlichen Regionen Österreichs stammenden Zusiedler als Landler bezeichnet werden bzw seit wann sie sich selbst als Landler begreifen. Das wichtigste Identifikationsmittel bilden dabei die eigene Sprache (Wilfried Schabus: Die siebenbürgischen Landlerdiealekte), die Entwicklung einer eigenen Tracht (Irmgard Sedler: Siebenbürgisches Kleidungsverhalten am Beispiel der Landlertracht) und spezielle Nahrungsgewohnheiten (Franz Grieshofer: Die Nahrung der Landler). Während sich die umfangreichen Arbeiten von W. Schabus und I. Sedler überaus differenziert mit den dörflichen Unterschieden zwischen den Landlern und den Sachsen beschäftigen, untersucht Mozes Heinschink das Verhältnis der Landler zu den Roma. Die dritte Themengruppe besteht aus Beiträgen zur Siedlung und Wirtschaft. Hermann Fabini liefert die Ortspläne der drei Landlergemeinden Neppendorf, Großau und Großpold und ausgewählte Beispiele von Hausaufnahmen. Emil Crisan beschäftigt sich hingegen mit dem äußeren Erscheinungsbild der Bauten. Zum Siedlungsbild von Großpold steuert Martin Bottesch die deutschen Flurnamen der Gemeinde samt einem entsprechenden Plan bei. Mit einem speziellen und für die Gegend typischen Zweig der Landwirtschaft, nämlich mit der Weinwirtschaft und deren Terminologie, beschäftigt sich Werner Sedler. Valer Deleanu dokumentiert die traditionellen Transportmittel in den Landlergemeinden. Da die Traftsmigranten aus dem Salzkammergut keine Bauernwaren, konnten sie sich in der neuen Heimat als Handwerker (vorwiegend als Zimmerleute) einen guten Namen machen (Renate Bauinger- Liebhart: Handwerker in Neppendorf). Am Beispiel von Andreas Riegler zeigt Christa Wandschneider die unternehmerischen Fähigkeiten der Landler auf. In das kirchliche und gesellschaftliche Leben, dem der vierte Themenkreis gewidmet ist, geben vorwiegend Persönlichkeiten Einblick, die dieses selbst maßgeblich prägten. Mathias Stieger: Großau - erlebte und gelebte Gemeinschaft; Wolfgang H. Rehner: Kirche und traditionelle Lebensformen in Großpold-, Karl-Heinrich Galter: Religiöse Lesestoffe der Landler in Neppendorf und Erwin Köber: Musik und Musikgeschehen im Lebensvollzug der Neppendorfer. Johanna Bottesch redigierte die "Piringer-Texte", eine Sammlung von Berichten Jugendlicher zu speziellen Themen aus dem Dorfleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hanni Markel beschäftigt sich mit der Tradition des Erzählens in Großpold und Erika Kovanetz liefert eine Dokumentation über die Kinderreime der Landler. Das mit Biographie und Schicksal betitelte Kapitel bringt einen Beitrag von Inge Sift über Dr. Helmut Klima und sein Archiv zur Landlerdokumentation und authentische Berichte über -die Deportation bzw. über die Flucht (- versuche) zur Ceausescu-Zeit. In einem abschließenden Beitrag unter dem Titel Begegnung und Auftrag schildert Lore-Lotte Hassfurther, die Initiatorin der "Spurensucht", ihre Fahrten zu den Landlern und die daraus erwachsene Idee zur Landlerdokumentation. Alle diese Arbeiten gehen in ihren Ergebnissen über den bisherigen Forschungsstand hinaus bzw. greifen Themen auf, die bisher nicht behandelt wurden. Vieles wurde sozusagen in letzter Minute aufgezeichnet. Heute ist es nämlich kaum mehr möglich, den Dialekt, Kinderreime, Flurnamen, das Kleiderverhalten oder die Nahrungsgewohnheiten, das religiöse wie gesellschaftliche Leben in situ von denen zu erfragen, deren Alltag sie einst prägten. Der umfangreiche Sammelband lädt zur selektiven Lektüre ein. Die aus den Landlergemeinden stammenden Personen finden hier ihre ehemalige, nun schon fast gänzlich verschwundene Welt dargestellt, meist aber mit mehr Abstand und auf einer höheren Ebene reflektiert, als sie es gewöhnt waren. Dem Wissenschaftler bieten die Beiträge außer fundierten Betrachtungen und Quellenhinweisen auch Ansatzpunkte für weitere Forschungen.

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