H.I.F. Biber: Rosenkranz-Sonaten (DTÖ 153)
H.I.F. Biber: Rosenkranz-Sonaten (DTÖ 153)
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Die Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber zählen zu den bedeutendsten Sammlungen von Instrumentalmusik des österreichischen Hochbarock. Das thematische Konzept Ist durch die sogenannten 15 Geheimnisse des Rosenkranzes vorgegeben (daher auch die Bezeichnung der Sammlung), wobei die emotionellen Stimmungen der einzelnen Teile des Rosenkranzes wesentlich durch die Stimmung, das Umstimmen der Violine ausgedrückt werden. Diese Technik der Skordatur erfreute sich im 17. Jahrhundert großer Beliebtheit, wurde jedoch von Biber, wie die Herausgeberin in einer umfassenden Publikation darlegen konnte, in eben den vorliegenden , Rosenkranz-Sonaten zu einem Höhepunkt gebracht. Die Edition der Sonaten wird im Anhang durch die einer anonymen Ballett-Sammlung aus dem erzbischöflichen Archiv in Kremsier ergänzt. Auch diese bislang unbekannten und nicht edierten Balletti für Violine solo weisen Skordatur auf und Spielmerkmale, die eine Autorschaft Bibers mehr als nahelegen (Biber diente, bevor er nach Salzburg ging, in der Kapelle von Fürstbischof Carl Liechtenstein-Castelcorn); sie können durchaus als Vorstudien zu den Rosenkranz-Sonaten gesehen werden. Da die Skordatur als Griffschrift notiert ist, d.h. als würde man mit Normalstimmung spielen, und aufgrund der komplizierten "Verstimmungs-Muster" selbst geübte Geiger - das. tatsächliche Klangbild nur schwer aus dem Notenbild nachvollziehen können, wurde der Edition in einer eigenen Zeile eine Übertragung in "Klangschrift" (im Kleinstich) hinzugefügt, um Praxis wie Wissenschaft eine Hilfestellung bei der Realisation dieser Musik zu geben. Unter Berücksichtigung der Diskussion, ob Generalbaß in einer wissenschaftlich-kritischen Edition auszusetzen sei oder nicht, wurde letztlich doch für die Aussetzung entschieden; mit Ingomar Rainer wurde bewußt ein Praktiker mit dieser heiklen Aufgabe betraut, der nicht nur in Alter Musik und historischer Aufführungspraxis versiert, sondern auch mit der oben erwähnten Diskussion vertraut ist. Schon 1905 hat die Gesellschaft zur Herausgabe , von Denkmälern der Tonkunst in Österreich , dieses Werk herausgegeben. Der Bearbeiter, Erwin Luntz, versuchte die Edition auf der Hohe des damaligen Wissens um die Technik der Skordatur, die als "Spielerei", als virtuose "Unterhal tung für die Sommerferien" für Geiger (Carl Flesch) abgetan wurde. Dementsprechend zahlreich sind die Fehler und Falschinterpretationen in dieser Ausgabe. Aufgrund der Forschungsergebnis se von Dagmar Glüxam und den Fund der Ballett-Sammlung in Kremsier war es nun unumgänglich geworden, diese wichtige Sammlung zur österreichischen Musikgeschichte, völlig neu herauszugeben. Daher kann dieser Band auch nicht als Revision des Bandes von 1905 gesehen werden, sondern ist aufgrund der zahlreichen neuen Erkenntnisse, der Übertragung der Violinstimme in "Klangnotation", die Ergänzung durch die bislang unpublizierten Balletti und das ausführliche Vorwort, in dem die Herausgeberin die geistesgeschichtlichen und musiktheoretischen Grundlagen zu diesem Werk dargestellt hat, ein eigenständiger Band innerhalb der Editionsreihe "Denkmäler der Tonkunst in Österreich".
- Universität Wien - 100%