Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
JAPAN,
SYNKRETISMUS,
YOSHIDA SHINTO,
RELIGION,
SHINTO
Abstract
Dieses Buch versteht sich als Beitrag zu einer der Grundfragen der japanischen Shinto-Forschung - zu der Frage
nach dem Selbstverständnis von "Shinto" als Religion: Ab wann und in welcher Form verstanden sich shintoistische
Priester als Vertreter eines eigenständigen, von anderen religiösen Glaubensrichtungen unabhängigen,
geschlossenen religiösen Systems?
Laut jüngeren Forschungen in Japan und im Westen entstand eine unabhängige Shinto-Theologie erst während des
japanischen Mittelalters (12.-16. Jh.). In diesem Prozeß kam dem Schreinpriester Yoshida Kanetomo (1435-1511)
eine zentrale Bedeutung zu. Er begründete den sogenannten Einen und Einzigen (Yuiitsu) Shinto, heute meist als
Yoshida Shinto bezeichnet, und propagierte damit erstmals in der Geschichte des Shinto eine Lehre, die sich
explizit vom Buddhismus abhob. Der kami-Glaube wurde zum "Weg" im Sinne einer moralisch-praktischen
Handlungsgrundlage erklärt. Zugleich wurde dieser Shinto weit zurück in die Vergangenheit projiziert und sogar als
die Grundlage aller anderen Religionen präsentiert. Auf diese Weise rechtfertigte der Yoshida Shinto seine
unübersehbaren Übereinstimmungen mit Buddhismus und Konfuzianismus. Aus heutiger Sicht stellt sich dieses
Verhältnis umgekehrt dar, es ist also der Yoshida Shinto, der sich in hohem Maße an indischen und chinesischen
Vorbildern orientierte. Unzweifelhaft hat er jedoch entscheidend dazu beigetragen, daß überhaupt ein Gegensatz
zwischen Buddhismus und einheimischer Religion erkannt und diskutiert wurde.
Das Buch ist die erste Monographie zum Yoshida Shinto in westlicher Sprache. Es enthält eine detaillierte Analyse
von Doktrin und Ritus dieser Religion, untersucht aber auch die biographischen und sozio-kulturellen Hintergründe
von Yoshida Kanetomo und seiner Familie. Sorgfältig annotierte Übersetzungen von drei Yoshida Texten sollen die
Überprüfung; der Ergebnisse ermöglichen und zudem weiterer Forschung dienlich sein.