Die Aehrenthals. Eine Familie in ihrer Korrespondenz 1872 - 1911
Die Aehrenthals. Eine Familie in ihrer Korrespondenz 1872 - 1911
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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AEHRENTHAL,
FAMILIENGESCHICHTE,
ÖSTERREICH-UNGARN,
ADEL,
BÖHMEN
Die Edition bietet eine Auswahl der privaten Korrespondenz der deutschböhmischen freiherrlichen Familie der Lexa von Aehrenthal aus den Jahren 1872 bis 1911 aus den Beständen des Aehrenthalschen Familienarchivs im tschechischen staatlichen Regionalarchiv Litomerice. Den Ausgangspunkt bildet der Beginn des Auslandsstudiums der beiden älteren Söhne Felix und Alois im Herbst 1872, womit durch die kontinuierliche Abwesenheit mehrerer Kinder vom Elternhaus eine weitgehend durchgehende Korrespondenz gegeben ist. Den Abschluss bildet der Tod der Mutter Maria Aehrenthal im Herbst 1911, womit der im Archiv erhaltene Briefwechsel abbricht. Die größte Zahl von aufgenommenen Briefen stammt von Alois Aehrenthal, der als Diplomat und später (ab 1906) Außenminister mit Ausnahme von Urlaubsaufenthalten permanent getrennt vom Elternhaus lebte. Seine Briefe - ergänzt durch die Schreiben seiner (seit 1902) Frau Paula - bieten eine hervorragende Quelle zum Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Gedankenwelt dieses bedeutenden Vertreters der österreichisch-ungarischen Außenpolitik, betrachtet aus einem persönlich-familiären Blickwinkel. Die Korrespondenz seiner Eltern und Geschwister erweitert und ergänzt diese Aspekte um Einblicke in die Lebenswelt des böhmischen Adels im späten 19. Jahrhundert, die Welt adeliger Offiziere, das Selbstverständnis einer deutsch geprägten böhmischen Oberschicht, und vieler weiterer Bereiche, jeweils gebrochen durch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel der Zeit. Die Edition spannt einen weiten Bogen - zeitlich vom Beginn der 1870er Jahre bis ins zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, inhaltlich vom Auslandsstudium junger adeliger Studenten in Bonn bis zum Leben der Familie des Außenministers am Wiener Ball(haus)platz. In diesem chronologischen und inhaltlichen Rahmen veränderten sich sowohl die agierenden Personen als auch das soziale Umfeld. Innerfamiliäre Probleme kreuzen sich mit gesellschaftlichen Vorgängen, ökonomischen Entwicklungen und politischen Veränderungen. In dieser Wechselwirkung von privater Korrespondenz und öffentlichem Leben liegt der Quellenwert der vorliegenden Edition. Die Auswahl der Briefe orientiert sich an diesem Gesichtspunkt. Berücksichtigt wurden jene Schreiben, die über die Schilderung persönlicher Eindrücke hinaus Rückschlüsse auf die Einstellung zu sozialen und politischen Entwicklungen ermöglichen, die familiäre Ereignisse in ihrem gesellschaftlichen Umfeld erkennen lassen oder in denen - anhand konkreter Anlassfälle - allgemeine Phänomene auf individueller Ebene erörtert und beurteilt werden. Nach Möglichkeit werden in der Korrespondenz thematisierte Bereiche in ihrer chronologischen Entwicklung erfasst und in ihrer unterschiedlichen Betrachtung durch verschiedene Familienmitglieder erschlossen, entweder durch die Aufnahme vollständiger Briefe oder die Zitierung von Briefpassagen in Fußnoten. Die Auswahl erfolgte ausschliesslich nach inhaltlichen Kriterien, eine Ausgewogenheit im Sinne einer gleichmäßigen Vertretung von Korrespondenten oder einer pro Jahr einheitlichen Zahl von aufgenommenen Briefen wurde nicht angestrebt. So bietet die Edition einen steten Wechsel von inhaltlich intensiven Perioden unterschiedlicher Länge, ausgelöst durch politische, gesellschaftliche, familiäre oder persönliche Entwicklungen und Ereignisse, mit Zeiträumen, aus denen nur wenige Schreiben Aufnahme fanden.
- Universität Salzburg - 100%