Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Abstract
Die Phase im Schaffen Wilhelm von Humboldts, in der er sich mit dem Baskischen beschäftigt, gilt allgemein als
jene Periode, in der er sich erstmals intensiv mit einer nicht-indogerrnanischen Sprache auseinandersetzt und damit
die Grundstrukturen seines linguistischen Vorhabens ausarbeitet, sie gilt also als die Phase der Herausbildung
seines sprachwissenschaftlichen Denkens. Der vorliegende Band vereinigt fünf Schriften aus seinem Nachlaß, die
bislang unveröffentlicht waren, weil unbekannt, bzw. im Falle Astarloas als verschollen galten. Neben den damals
gedruckten Schriften besitzen diesen Studien insofern besondere Bedeutung, als sie wesentlich sind für das
Verständnis des Humboldtschen Denkens. Der zweite Grund, der ihre Veröffentlichung wünschenswert macht, ist,
daß sie allesamt beitragen, die Geschichte der Baskologie zu vervollständigen.
Beispielhaft sei an Astarloa genannt, daß - abgesehen von seiner apologistischen Grundtendenz - er in der Lage ist,
eine grammatikalische Theorie zu formulieren, die weit in den Ansatz hineinreicht, der im 20. Jahrhundert als
Strukturalismus Schule gemacht hat. Er ist es auch, der erstmals systematisch vom lateinischen Vorbild der
Grammatikschreibung, den sogenannten "Artes", abgeht und damit zur damals neuartigen Erkenntnis von
Kategoriengefügen findet. Gerade die Auseinandersetzung mit diesen Schriften erlaubt es, Humboldt als Neuerer
der Wissenschaft zu entdecken, der allerdings nicht im luftleeren Raum geniale Intuitionen hatte, sondern - ohne
seiner Originalität das mindeste nehmen zu wollen - selbst in einem wissenschaftlichen Kontext stand.