Wissenschaftsdisziplinen
Rechtswissenschaften (100%)
Keywords
LANDRECHT,
RECHTSBUCH,
KAISER LUDWIG,
GEORGENBERG
Abstract
Die in der Abtei Fiecht/Georgenberg verwahrte Handschrift Ms. 201 bietet nach dem jetzigen Forschungsstand die
früheste Überlieferung des "Oberbayerischen Landrechtes" von 1346. Bekannt auch als Rechtsbuch Kaiser Ludwigs
des Bayern war es für die Rechtsbildung und die landesherrschaftliche Konsolidierung des Herzogtums Bayern und
des angrenzenden Tirol von großer Bedeutung. Zwar lassen sich zu diesem zentralen Gesetzestext mehrere
zeitgleiche Ausfertigungen nachweisen, doch bislang sah sich die Forschung vor allem mit der Frage nach den
Ursprüngen, Vorläufern und den damit verbundenen Überlieferungsproblemen konfrontiert. Seit nahezu 150 Jahren
verhinderte die Suche nach dem Alten Landrecht" eine adäquate Behandlung und jegliche weitere wissenschaftliche
Auswertung. Mit der als "Georgenberger Handschrift" vorgelegten Edition wird jetzt erstmals die Quelle ediert, die
einen Schlüssel zu den in Frage kommenden älteren Texten liefern kann.
Durch eine Analyse der bei der Anfertigung der Georgenberger Quelle nachvollziehbaren Schritte läßt sich diese
Handschrift als letzte "behördeninterne" Vorstufe des dann publizierten Gesetzeswerkes begreifen. Redaktionelle
Zusätze und Vermerke, Randnoten und Streichungen geben Hinweise über die mögliche Entstehung des Textes, der
sich durch seine Vielschichtigkeit auszeichnet und dessen letzte Redaktion wohl erst nach dem Eingreifen des
Herrschers selbst abgeschlossen werden konnte. Sicher dürfte sein, daß dieser Codex sich aus unterschiedlich
gestalteten Bausteinen zusammensetzt, wobei die Edition in ihrer Gestaltung versucht, über die in Frage
kommenden Vorlagen in einem nachgeordneten Katalog der Genese dieses Gesetzbuches auf die Spur zu kommen.
- Ingo Schwab, assoziierte:r Forschungspartner:in