Hof und Herrschaft
Hof und Herrschaft
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
HOF,
KAMMER,
RAT,
KANZLEI,
HOFMEISTER,
BEURKUNDUNGSPRAXIS
Das vorliegende Manuskript ist eine gemäß den Methoden der modernen Hof- und Residenzenforschung erarbeitete Strukturanalyse des spätmittelalterlichen Fürstenhofes und der Regierungspraxis der Habsburger. Im Unterschied etwa zum Bayern der Wittelsbacher oder zum spätmittelalterlichen Sachsen fehlen derartige Untersuchungen für die habsburgisch-österreichischen Länder bisher noch fast gänzlich. Ausgewählt wurde für die Analyse der Zeitabschnitt vom Tod Herzog Rudolfs IV. 1365 bis zum Jahr 1406, rund vier Jahrzehnte, die eine wichtige Übergangsphase in der spätmittelalterlichen Geschichte Österreichs darstellen und mit den dynastischen Teilungen auch strukturelle Wandlungsprozesse in Landesherrschaft und Verwaltung markieren. Weil noch kein gesamthabsburgisches. Regestenwerk, ja nicht einmal ansatzweise eine Sammlung der landesfürstlichen Urkunden für diesen Zeitraum zur Verfügung stand, bedurfte es umfangreicher Archivstudien in mehr als 70 in- und ausländischen Archiven, um die quellenmäßigen Voraussetzungen für die Untersuchung zu schaffen. Die vorliegende Studie bildet so gesehen nicht zuletzt für eine Weiterführung der "Regesta Habsburgica", die derzeit nur bis zum Jahr 1330 reichen, eine solide Grundlage (vgl. das im Anhang beigegebene ltinerar der Herzoge und die Liste der Schreiberhände der landesfürstlichen Urkunden). Nach einem einleitenden Abschnitt, der die Rahmenbedingungen und das. Profil der habsburgischen Politik im gewählten Zeitraum ausloten sollte, gilt der erste Hauptteil der Arbeit dem Hof in allen seinen komplexen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bezügen. Gegenüber westeuropäischen Fürstenhöfen der Zeit weist der habsburgische Herzogshof einen Entwicklungsrückstand auf, indem z. B. Hofordnungen oder Gagenlisten noch nicht existierten. Dieser Umstand erschwert naturgemäß die Erforschung von Umfang, Organisation und personeller Struktur der höfischen Gesellschaft. Dennoch konnten wichtige höfische Amtsträger, Hofmeister, Kammermeister, Räte, Kanzler und Protonotare in prosopographischen Skizzen erfaßt werden. Regionale und soziale Herkunft `der Räte, Bildung, Karriere und Konnubium wurden verfolgt und. nachgezeichnet. Dem niederen Hofpersonal sind Kapitel über Herolde und Türhüter gewidmet; der Hofkunst u. a. ein kurzer Abschnitt über den ersten nachweisbaren "Hofbaumeister" Michael. Das Itinerar der Herzoge ließ sich dank der großen Urkundendichte ziemlich lückenlos dokumentieren, während die Residenzfunktion Wiens exemplarisch anhand dreier Fragenkomplexe (Baugeschichte der Burg, fürstliche Grablege in St. Stephan, Entwicklung von Herren-. und Gesindeviertel) analysiert wurde. Den zweiten Teil der vorliegenden Arbeit nimmt eine auf diplomatisch- hilfswissenschaftliche Methoden gegründete kanzleigeschichtliche Studie ein. Aufgezeigt werden die Entwicklung neuer Urkunden- und Formulartypen wie der Litterae clausae, Aspekte der deutschen Urkundensprache, Funktion und Bedeutung der Kanzleivermerke im Rahmen des Beurkundungsprozesses und schließlich. die Einführung von Registern als Kriterium einer fortschrittlichen, rationalen Verwaltungspraxis.