Wissenschaftsdisziplinen
Rechtswissenschaften (100%)
Keywords
URBAR,
ZISTERZIENSERKLOSTER,
NIEDERÖSTERREICH,
GRUNDBÜCHER,
WIRTSCHAFTSGESCHICHTE,
ZWETTL
Abstract
Urbare sind systematische und übersichtliche Aufzeichnungen eines bestimmten Zeitraumes über den Besitz und die
damit verbundenen Einnahmen einer Grundherrschaft. Das Zisterzienserkloster Zwettl in Niederösterreich verwahrt
im Archiv eine Reihe von Urbaren und Grundbüchern. Das Urbar 1457, heute im NÖ Landesarchiv (KG Krems
275.1), dokumentiert mit mehr als 2200 Eintragungen in etwa 200 Orten den Besitzstand des Klosters und nennt
neben Besitzgröße und Grunddienst erstmals die Namen der Besitzer. Eine umfassende Auswertung, zuerst in
Tabellenform und dann als Übersicht, gestattet die Quantifizierung und Berechnung der jährlichen Einnahmen aus
dem Grundbesitz. Der Geldwert ihrer Naturalabgaben ist allerdings auf Grund fehlender Äquivalente nur schwer
abzuschätzen. Die urbarialen Einnahmen bedeuten aber nur einen Sollstand der zu erbingenden Leistungen, das
Rechnungsbuch des Abtes Wolfgang II. Örtl (1495 - 1508) macht die tatsächliche jährliche Gesamtgebarung des
Stiftes ersichtlich. Die im Urbar festgehaltenen Dienste der etwa 1800 bäuerlichen Untertanen allein hätten nicht
gereicht, in den schwierigen Zeiten des 15. Jahrhunderts (Krieg, Inflation) den Weiterbestand des Klosters zu
sichern und am Beginn der Neuzeit den materiellen Aufschwung zu einer florierenden Grundherrschaft zu
ermöglichen. Mit der vorliegenden Arbeit wurde erstmals untersucht, wie lang die im Urbar 1457 genannten Orte
im Besitz des Klosters waren. 1530 mußte zur Bezahlung von Steuern an den Landesfürsten der vierte Teil des
gesamten Besitzes verkauft werden. Die Abgabe der Grundbücher und Akten nach dem Ende der Grundherrschaft
an die neuen Gerichte, die Erfassung der Amtsbezirke, der Mühlen und der Wüstungen, die Behandlung der
Münzen und Maße dieser Zeit waren weitere Themen und bilden den ersten Band dieser Arbeit, die Edition des
Urbartextes mit den Ort- und Namenindices den zweiten und die Tabellen den dritten Band.