Feuchtersleben, Sämtliche Werke und Briefe, Band VI., Teil 1 und 2
Feuchtersleben, Sämtliche Werke und Briefe, Band VI., Teil 1 und 2
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Der vorliegende Band ediert die Briefe sowie sämtliche autobiographischen Schriften und Tagebuch- Aufzeichnungen Ernst Freiherrn von Feuchterslebens (1806-1849) aus den Jahren 1824 bis 1849. Dem Textteil steht ein umfangreicher Apparatteil gegenüber, der die Texte im Sinne eines fortlaufend begleitenden Kommentars erläutert. Neben dem Verzeichnis von Oberlieferung und Lesarten (Varianten) werden zu jedem Briefempfänger Kurzbiographien angeboten, hinzu kommen Personen-, Sach- und Worterklärungen. Dabei wird das Wirken Feuchterslebens in der Reform des öffentlichen Unterrichtswesens sowie der historische Kontext durch Beifügung zumeist unbekannter Dokumente aus amtlichen österreichischen Archiven neu beleuchtet. Den Hauptteil des Bandes füllen insgesamt 247 Briefe (inkl. 4 "Erklärungen" bzw. "Erwiderungen"). Als Ergebnis einer langwierigen Dokumentation (mit Redaktionsschluß Juli 1999), wurden 209 Handschriften aus den Beständen von 25 in- und ausländischen Archiven und Bibliotheken aufgenommen. Von den Briefen dieses Bandes sind 160 ungedruckt. Die aufgefundenen 83 Briefdrucke sind größtenteils an schwer zugänglichen Orten, und oft nur auszugsweise und in fragwürdiger Qualität, publiziert worden. Daher wird die vorliegende Edition in Anspruch nehmen dürfen, an die zwei Drittel ihres Briefbestandes als `unbekannte` Texte der Vormärzforschung zugänglich zu machen. Die Briefe richten sich an 86 verschiedene namentlich bekannte oder erschlossene Adressaten (Personen und Institutionen), vermehrt um weitere 6 unsichere oder unbekannte Adressaten. Dabei konnte eine Vielzahl zuvor unbekannter Adressaten erschlossen, in vielen Fällen fehlende Datierungen eingesetzt oder archivalische Fehldatierungen korrigiert werden. Der zeitliche Gesichtkreis umfaßt mit den Jahren 1824 bis 1849 die Epoche des österreichischen Vormärz, der Revolution und der wiedereinsetzenden Reaktion. Der erste Brief ergeht im Sommer 1824 an den Vater, Ernst Karl Friedrich Freiherrn von Feuchtersleben, an Johann Otto Prechtler ergeht am 27. April 1849 der letzte überlieferte Brief, in dem Feuchtersleben unmittelbar vor dem Ausbruch seiner tödlichen Krankheit "die Heilkraft der Dichtung" beschwört. Mit der Briefedition werden der Vormärzforschung zahlreiche unbekannte Brief- und Kontext-Dokumente angeboten. Sie vermitteln Einblicke in die Kommunikation "Gleichgesinnter", in die zentralen, kulturtragenden Wiener Gelehrten- und Künstlerkreise, an denen F. regsamen Anteil nahm: vom Schubertkreis über die ihm nachfolgende, sogenannte "Stern-Gesellschaft", bis hin zur vorrevolutionären Künstlervereinigung -"Concordia". Neben zahlreichen Briefen an fast alle federführenden Redakteure der Wiener Publizistik sind hier vor allem Moritz von Schwind, Eduard von Bauernfeld, Franz von Schober, Ignaz Castelli und Johann Otto Prechtler als Briefempfänger zu benennen. Die enge Ausrichtung des Wiener Dichterkreises zur Schwäbischen Schule bezeugen Briefe an Gustav Schwab, Karl Mayer sowie an den Stuttgarter Klassiker-Verleger Johann Georg Cotta und dessen Zeitschriften. Die intensive Goethe-Rezeption manifestiert sich in verschiedenartiger Weise in Briefen Feuchterslebens an Franz Romeo Seligmann (Erscheinen der "Ausgabe letzter Hand"), an Franz von Schober und Carl Gustav Carus (Goethes "Faust"), an den Goethefreund Joseph Stanislaus Zauper, in späteren Jahren auch in Briefen an Ottilie von Goethe, die ihn mit der Herausgabe der Tagebücher Goethes, "des Vaters", betrauen wollte. Aus Feuchterslebens medizinischem Wirkungsbereich, vom Sekretär der Gesellschaft der Ärzte bis zum Dekan und Vize-Direktor der medizinisch-chirurgischen Studien resultieren eine Anzahl brieflicher Stellungnahmen zu medizinischer Fachliteratur der Zeit, aber auch zu aktuellen ärztlichen Zeitproblemen wie etwa dem Ausbruch der Cholera Anfang der 30er Jahre. Einen eigenen, höchst dramatischen Bereich des Schicksals der Reformbestrebungen im Ministerium des öffentlichen Unterrichts belegen Briefe an den Ministerialrat Edlen von Bergenstamm und an Anton Freiherrn von Doblhoff-Dier, an Joseph Alexander von Helfert und Grafen Stadion. Sie geben Einblick in die Beweg- und Hintergründe, die Feuchterslebens Berufung und seine Enthebung als leidenschaftlichen Unterrichtsreformer begleiten. Einen `verschollenen` Status könnte man auch den im zweiten und dritten Teil des Bandes edierten ,autobiographischen Schriften` und `Tagebuchblättern` (mit Aufzeichnungen zu den Märztagen der 1848er- Revolution) zumessen, insofern die historische, von Hebbel besorgte Nachlaßausgabe, die den einzigen Textzeugen der Tagebuchblätter stellt, nur mehr in wenigen Bibliotheken zu finden ist.