Späthellenistisch-römische Keramik und Kleinfunde
Späthellenistisch-römische Keramik und Kleinfunde
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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EPHESOS,
KERAMIK,
SPÄTER HELLENISMUS,
RÖMISCHE KAISERZEIT,
EASTERN SIGILATA B
Die Publikation umfasst die Vorlage des gesamten Fundmaterials eines am Staatsmarkt von Ephesos ausgehobenen Brunnens. Inkludiert sind neben der Gefäßkeramik auch die Lampen, die Gläser, die Kleinfunde aus Metall und Bein und die Terrakotten. Die Brunnenfüllung konnte in fünf chronologisch divergierende Gruppen unterteilt werden, die ihrerseits wiederum kleinere Unterteilungen aufweisen. Die absolutchronologische Einordnung basiert auf den beigefundenen Münzen und den Sigillaten, insbesondere den italischen Importen. Der Schwerpunkt des Fundmaterials liegt im späten 1. Jh. v. Chr. und im 1. Jh. n. Chr. (Füllungen A-D). Danach (wohl um etwa 120 n. Chr.) wurde der Brunnen verschlossen und erst wieder im 6. Jh. weiter aufgefüllt (Füllung E). Nach einer Beschreibung der Fundumstände und der Fundgruppen wird das vorgelegte Material gattungsspezifisch diskutiert. Die Einordnung erfolgt anhand der Vergleichsliteratur, die Neuerungen, die sich durch die Brunnenstratigraphie ergeben werden explizit hervorgehoben und diskutiert. Erstmals kann für Ephesos eine chronologische Abfolge des Keramikspektrums im 1. Jh. n. Chr. geboten werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf Fundgattungen, die bislang aus Ephesos kaum publiziert vorliegen, wie die Küchen- und Gebrauchskeramik, die Amphoren oder die Lampen. In die Diskussion wurden auch Fragen zur Lokal- und Regionalproduktion und ihrem Verhältnis zu den Importwaren miteinbezogen. Ein besonderer Wert der Arbeit liegt auch darin, daß zahlreiche, zum Teil noch unpublizierte Literatur in türkischer Sprache in die Argumentation miteinbezogen werden konnte. Ein, der Arbeit angeschlossenes türkisches Resümee dient einer verstärkten Rezeption in der Türkei. Die Aufarbeitung der hier vorgelegten Fundkomplexe erlaubt einen Überblick über die Formenentwicklung vom späten Hellenismus bis in die frühe römische Kaiserzeit. Es wird deutlich, daß die hellenistischen Produktionsserien noch im 1. Viertel des 1. Jh. n. Chr. in Gebrauch waren, bevor sie von römischen Produkten abgelöst wurden. Bereits im 2. Viertel des 1. Jh. n. Chr. hatte sich eine starke lokale bzw. regionale Produktion von Feinwaren entwickelt, wogegen die westlichen Importe zu dieser Zeit stark abnahmen. Ein deutlicher Anstieg an verschiedenen Formen und Produktionsserien konnte auch für die flavische Epoche nachgewiesen werden. Die Vorlage des Fundmaterials aus dem Brunnen vom Staatsmarkt in Ephesos ist eine wertvolle Ergänzung zu den bereits erschienenen Materialvorlagen von V. Mitsopoulos-Leon (FiE IX/2) und V. Gassner (FiE XIII/1/1), deren kontextuelle Schwerpunkte im Hellenismus lagen.
- Recep Meric, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in