Das Hanghaus 2 in Ephesos
Das Hanghaus 2 in Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Klassische Archäologie,
Römischer Wohnbau,
Epigraphik,
Bauforschung,
Römische Wandmalerei,
Keramikforschung
Mit dem Faszikel VIII,6 der FiE wird der erste Teilband der Publikation des Hanghaus 2 in Ephesos vorgelegt. Nach einer allgemeiner Einführung in den Gesamtbau wird einleitend ein Abriß der Forschungsgeschichte gegeben. Für die von 1962 bis 1985 von Hermann Vetters ausgegrabene insula war zunächst analog zur Datierung des Hanghaus 1 eine Nutzungsdauer vom 1. - 7. Jh. n. Chr. angenommen worden. Der Befund der Wohneinheit 4 ist in drei Teile gegliedert, dreizehn Spezialisten zeichnen neben der Herausgeberin für die Texte verantwortlich: Im Abschnitt zum Baubefund werden die Materialien und Bautechnik, die Baubeschreibung, und die Rekonstruktion der Bauphasen vorgelegt. Der Abschnitt zur Ausstattung behandelt die Wandmalerei, Graffiti, Marmorausstattungen, Mosaikböden, Architekturteile und Brunnen etc. Der Abschnitt zum archäologischen Befund und den Funden wertet das stratigraphisch geborgene Fundinventar, d.h. Skulpturen, Keramik, Münzen, Glas, Funde aus Metall und Bein, Terrakotten und Marmorgeräte aus. Abschließend werden die Funktionen der einzelnen Räume erläutert und die Ergebnisse der Publikation zusammengefaßt und ausgewertet. Ein umfangreicher Tafelteil enthält die verzerrungsfreie Dokumentation aller Wände, Bauphasenpläne und 3D-Modelle und die Funde. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in einer umfassenden Vorlage des Baubefundes, einer Analyse der Bauphasen und der Zuordnung der Ausstattungen zu diesen Phasen. Mit der Auswertung und Zusammenführung der Funde zum Zerstörungshorizont und zu den ermittelten Bauphasen konnte ein absolutchronologisches Datierungsgerüst ermittelt werden. Als Ergebnis können vier Bauphasen festgehalten werden: In Bauphase I (Anfang 1. Jh. n. Chr.) wurde die WE 4 als Peristylhofhaus errichtet. Sie war zunächst wesentlich größer und reichte um 7.5 m weiter nach Norden. In Bauphase II (Anfang 2. Jh. n. Chr.) wurde sie durch den Bau des Marmorsaales 31 in der WE 6 erstmals verkleinert. Ihr repräsentativer Peristyl-hof war in dieser Phase mit der rotgrundigen Malerei mit den Bildnissen des Sokrates und der Urania und den Achilleus-Szenen sowie einem zentral angeordneten Wasserspiel mir Skulp- turenschmuck ausgestattet. In Bauphase III (Mitte des 2. Jh. n. Chr.) wurde sie durch den Einbau der Basilika 8 in der WE 6 nochmals verkleinert. Diese Baumaßnahme führte zur Anlage eines Pfeilerhofes mit teils geschlossenen Wandflächen, der Hof wurde mit einer in Ephesos einmaligen Gartenmalerei dekoriert, die gemeinsam mit dem bestehenden Wasser-becken ein stimmungsvolles Ambiente für ein Sommertriklinium abgab. In Bauphase IV (~ 230 n. Chr.) wurden - vermutlich nach einer Zerstörung - nahezu alle Räume neu dekoriert, in einer letzten Zwischenbauphase IV` wurden die Wandflächen im Hof 21 geschlossen. Der Nachweis von zwei Obergeschossen in der WE 4 mit gleichwertigen bzw. höherwertigen Repräsentationsräumen und keineswegs Privaträumen für Familie und Personal, verändert die bisherigen Vorstellungen zum Wohnbau. Die erarbeitete neue Chronologie, mit der zweifelsfrei nachgewiesen wird, daß das Hanghaus 2 bereits bei Erdbeben im 3. Viertel des 3. Jhs. n. Chr. so zerstört wurde, daß weitestgehend die Nutzung zum Wohnen endete, konnte in der WE 4 nachhaltig untermauert werden. Die Auswertung der Graffiti, die neben Haushaltsabrechnungen gewissermaßen das Gästebuch des Hauses überliefern, und insbesondere auch des gesamten Fundinventars geben tiefe Einblicke in die Wohnkultur des Ostens.