Das Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, an der Schnittstelle von Frauen- und Geschlechtergeschichte, von
Sozialgeschichte und Religionsgeschichte, sowohl die "irdische" als auch die religiöse Dimension des Sozialraums
Frauenkloster und der Lebensform der Nonne zu diskutieren. Den zeitlichen Rahmen und politischen Hintergrund
bilden die Regierungen Maria Theresias und Josephs II., mit ihrer immer klosterfeindlicher werdenden
Kirchenpolitik.
Als sozialgeschichtliche Basis wurde die personelle Zusammensetzung des Konvents sowie der durch geistliche
und weltliche Aufgaben (Schulen) und Pflichten geprägte Klosteralltag rekonstruiert. Ordnung, Norm, Kontrolle
und Disziplin stellen die bestimmenden äußeren Rahmenbedingungen des Zusammenlebens in
Ordensgemeinschaften dar, gleichzeitig sind sie in einer verinnerlichten Form Leitmotive des geistlichen Lebens.
Handlungsspielräume, soziale Verflechtungen und Machtverhältnisse, Bündnisse und Konflikte innerhalb des
Konvents konnten zumindest in Ansätzen nachgezeichnet werden. Die "ideale Nonne" ist ein theoretisches
Konstrukt männlicher Theologen, das von den betroffenen Frauen kritiklos angenommen, aber in der alltäglichen
Praxis so adaptiert wurde, dass theologische Vorgaben erfüllt wurden, aber auch das "irdische" Leben erträglich
blieb. In der alltäglichen Praxis wurden die Klausurbestimmungen so gehandhabt, dass scheinbar so
widersprüchliche Aspekte wie die buchtstabengetreue Einhaltung kirchlicher Normen, ökonomische
Notwendigkeiten, soziale Bedürfnisse und das gesellschaftliche Prestige des Hauses miteinander vereinbart wurden
und dennoch intensive und erstaunlich vielfältige Sozialkontakte nach außen möglich blieben.
Naturgemäß wird das Leben von Religiosen, sowohl in seiner Sinngebung als auch in der alltäglichen
Lebenspraxis, durch die Religion bestimmt. Die Frömmigkeit der Ursulinen war jesuitisch geprägt. Besonders unter
Joseph II. verschlechterten sich das öffentliche "Image" und die ökonomischen Verhältnisse der Klöster dramatisch,
was auch maßgeblich zu einer schweren Krise im Gemeinschaftsleben des Konvents beitrug.