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Formen der Anrede im byzantinischen Brief vom 6. bis zum 12. Jahrhundert

Formen der Anrede im byzantinischen Brief vom 6. bis zum 12. Jahrhundert

Michael Grünbart (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3676
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 04.10.2004
  • Projektende 14.06.2005
  • Bewilligungssumme 8.009 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Byzantinische Literatur, Byzantinische Epistolographie, Anredewesen, Byzantinische Rhetorik

Abstract

In der vorliegenden Studie werden erstmalig die Anredeformen in der byzantinischen Epistolographie vom sechsten bis zum zwölften Jahrhundert systematisch behandelt. Die Arbeit schließt an die Untersuchungen von Lucilla Dinneen (Titles of Address in Christian Greek Epistolography to 527 A.D. [Washington DC 1929]) bzw. von Henrik Zilliacus (Untersuchungen zu den abstrakten Anredeformen und Höflichkeitstiteln im Griechischen. Helsingfors 1949) an. Aus über 3600 Briefen von 100 Epistolographen wurden etwa 5500 Anredeformen exzerpiert und in einem alphabetischen Katalogteil aufgelistet, wodurch zugleich die Bandbreite des Anredevokabulars sichtbar wird. Direkte und indirekte Anredeformen bilden ein wichtiges formales Gestaltungselement eines byzantinischen Briefes - etwa 60% der Schreiben aus dem untersuchten Zeitraum enthalten dieses. Die Wahl der Anredeformen kann auch Rückschlüsse auf das Verhältnis zwischen Adressaten und Adressanten geben. Stehen die Korrespondenten in einem engen freundschaftlichen oder in einem sachlichen, distanzierteren Verhältnis? Besonders deutlich kann dies in einigen wenigen erhalten gebliebenen Briefwechsel analysiert werden. Bei der Wahl des Anredevokabulars sind verschiedene Bereiche festzustellen: Teilweise gehen sie auf die klassisch antike Literatur zurück (z.B. Homer, Plato), teilweise kommen sie aus dem biblischen (besonders Neues Testament) sowie dem byzantinischen Sprachgebrauch (z. B. Titel, Epitheta). Obwohl es kaum zeitgenössische theoretische Hinweise auf die Verwendung von Anredeformen gibt, ermöglicht die Menge des Materials eine teilweise Rekonstruktion des Anredesystems. Es kann gezeigt werden, dass bestimmte Anredewörter für bestimmte gesellschaftliche Gruppen relevant bzw. reserviert waren (Anredeformen für den Kaiser und seine Familie, weltliche und geistliche Personen). Das ist für prosopographische Fragen von Interesse, da es damit möglich wird, die Position anonymer Personen genauer zu bestimmen.

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