Protokolle des Ministerrates der Regierung Ramek, Band 4
Protokolle des Ministerrates der Regierung Ramek, Band 4
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Aktenedition,
Österreichische Geschichte,
Zeitgeschichte,
Politische Geschichte,
Elitenforschung
Rudolf Ramek gehört zu jenen Politikern der Ersten Republik, die sich noch immer einer endgültigen Beurteilung entziehen. Die Edition der Ministerratsprotokolle leistet nun jene Grundlagenforschung, die es ermöglicht, den historischen Stellenwert seiner Regierungszeit bewerten zu können. Folgende Schlagworte sind mit der Regierung Ramek verbunden: Verwaltungs- und Verfassungsreform; Kompetenztrennung und Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern; Ende der Völkerbundkontrolle; Ausbau der Handelsbeziehungen; die Beamtenfrage, die letztlich zum Ende der Regierung führte. Die Ministerratsprotokolle geben einen tiefen Einblick in das politische Klima der Zwanzigerjahre. Im Besonderen muss das Verhältnis der politischen Parteien zueinander neu bewertet werden. Die Diskussionen im Ministerrat, die nur im Stenogramm überliefert sind und nun transkribiert vorliegen, zeigen ein enges Verhältnis der Regierungsparteien zu der in Opposition befindlichen Sozialdemokratischen Partei. Nur dadurch lässt sich der politische Alltag im Spannungsfeld Regierung-Parlament-Opposition nachvollziehen. Es zeigt sich dabei deutlich, dass alle wichtigen innen- und außenpolitischen Regierungsentscheidungen nur nach Rücksprache mit der Opposition erfolgten. Durch die Bearbeitung des Bandes ist ersichtlich, dass das Verhältnis zwischen bürgerlichen Regierungsparteien und sozialdemokratischer Oppositionspartei zu dieser Zeit noch konstruktiv und intakt war. Es wird Aufgabe der Gesamtedition der Ministerratsprotokolle der Ersten Republik sein zu zeigen, ab wann sich diese Zusammenarbeit verändert hat und schließlich in Bürgerkrieg und autoritärem Ständestaat endete. Die Ministerratsprotokolle weisen ein breites Spektrum auf: Probleme der Außen-, Innen- und Wirtschaftspolitik wurden in zum Teil sehr offener Form behandelt. Interessensgegensätze oder -übereinstimmungen zwischen den Mitgliedern der Regierung und der Diskussionsstand zu einzelnen Problemen können an Hand der Protokolle verfolgt werden. Die Ministerratsprotokolle verdeutlichen die Haltung, Einstellungen und Zielvorstellungen der verschiedenen österreichischen Regierungen bei politischen Entscheidungsprozessen, die auf anderen Ebenen oft nur schwer beziehungsweise gar nicht nachzuvollziehen sind. Der "Output" der Edition ist so zu beschreiben, dass sie den Gang zur Quelle erleichtert, weitere Forschungsmöglichkeiten aufzeigt und so den Anstoß zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt.