Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Apostel Paul,
Corinthian Correspondance,
Papyri,
New Testament,
Hellenism,
Social History
Der 2. Band der Reihe "Papyrologische Kommentare zum Neuen Testament" (hg. von Peter Arzt-Grabner, Amphilochios Papathomas und Mauro Pesce; Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen) unter dem Titel "1. Korinther" ist das Gemeinschaftswerk von einer Autorin und drei Autoren (Peter Arzt-Grabner, Ruth Elisabeth Kritzer, Amphilochios Papathomas und Franz Winter), die alle an Forschungsprojekten mitgearbeitet haben, die vom FWF finanziert wurden. Dieser Kommentar zum 1. Korintherbrief des Paulus ist der erste, in dem dokumentarische Papyri und Ostraka gesichtet, ausgewertet und kommentiert werden, um so auf den Hintergrund der Papyri die Sprache, die Textsorten, die Themen sowie die zeitgeschichtliche und soziale Situation des 1. Korintherbriefes eingehend zu beleuchten und - teilweise neu - zu kommentieren. Sowohl im Sinne der Aufgabenstellung als auch hinsichtlich der Ergebnisse stellen die "Papyrologischen Kommentare zum Neuen Testament" als keine Alternative zu bibelwissenschaftlichen Kommentaren im traditionellen Sinn dar, wohl aber eine wichtige Ergänzung. Insgesamt wird dabei deutlich, wie sehr Paulus in der alltäglichen Sprachwelt seiner Umgebung beheimatet ist. Im Besonderen zeigt sich z.B., welche brieflichen Formeln er im Einklang mit dem allgemeinen hellenistischen Formular verwendet und wo und warum er sich davon individuell abhebt, aber auch wie sehr er mit den rechtlichen, sozialen und politischen Verhältnissen vertraut war (z.B. im Zusammenhang mit Ehe und Ehescheidung, Einladungen zu Kultmählern, antiken Vereinsstrukturen oder der Sklaverei). Da für die Forschung wesentlichsten Ergebnisse betreffen einzelne Formeln (z.B. die Danksagung als Beginn des Briefcorpus), die Ausgangssituationen und Anlässe des Briefes (bei den "Nachrichten der Leute der Chloe" z.B. handelte es sich offenbar um ein offizielles Schreiben einiger Gemeindemitglieder; Einladungen zu Kultmählern wurden auch von Mitgliedern der christlichen Gemeinde im Sinne nachbarschaftlicher oder freundschaftlicher Beziehungen nach wie vor wahrgenommen u.ä.) sowie zahlreiche Begriffe und Wendungen, deren Sinnzusammenhänge auf dem Hintergrund der dokumentarischen Papyri und Ostraka deutlicher werden. Auf diese Weise werden auch die Anordnungen und Ratschläge des Paulus in den Kontext seiner Zeit gestellt.