Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
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Tibet,
Buddhismuskunde,
Asienwissenschaft,
Sozialanthropologie
Die vorliegende Veröffentlichung ist das Ergebnis einer historisch-philologischen und sozialanthropologischen Studie zu Geschichte und Kult des Tempels von Khra-`brug ("Donnerfalke"). Es ist die erste Arbeit zu diesem bedeutenden Schrein und Pilgerort, den die tibetische Tradition den ältesten (buddhistischen) Tempel Tibets nennt. Der Tempel im Herzen des Yar-lung Tales, des Ursprungslandes der tibetischen Könige im südlichen Zentraltibet, wurde im 7. Jahrhundet unter dem Großkönig Srong-btsan sgam-po (gest. 649 n.u.Z.) errichtet und ist chronologisch vermutlch der unmittelbare Vorläufer des unter dem selben König errichteten Tempelheiligtums von Lhasa, des Rasa`i `Phrul,snang alias Jo-khang, letzterer bekannt als das symbolische Zentrum des buddhistischen Tibet. Die Basis des Buches bilden mehrere Primärquellen zu Khra-`brug, die in Form einer umfassend annotierten Übersetzung vorgelegt werden. Das umfasst Auszüge aus älteren historiographischen Arbeiten sowie lokale Dokumente, darunter der lokale Tempelführer Khra`brug gnas bshad aus dem frühen 20. Jahrhundert, der die wichtigste Quelle bildet und im Buch auch als Faksimile erscheint. Extensive in situ Erhebungen aus dem Fundus der lokalen mündlichen Überlieferungen in Khra-`brug und Yar-lung lieferten darüber hinaus bedeutende Ergänzungen zu den Daten der Schriftquellen. Zusammen eröffnet uns das Quellenmaterial und ihre vergleichende Auswertung ein Tor in die faszinierende Welt der Geschichte dieses Tempels, in der wir heute die wesentlichen Angelpunkte von Politik, Religion und kultischen Traditionen in dem Zeitraum vom 7. bis zum 20. Jahrhundert überblicken können. Die Appendices des Buches beinhalten separate Studien zu verschiedenen Fragen der Tempelgeschichte, die zum Teil über Khra-`brug hinausgehen, wie eine umfassende Besprechung der überlieferten Listen zu den ersten Tempel des Reiches, eine Studie zu dem älteren lokalhistorischen Kontext des Tempelumlandes, zur Überlieferung und Geschichte der primären Schutzgötter und nicht zuletzt den verschiedenen (zu einem gewissen Teil heute noch lebendigen oder revitalisierten) Manifestationen des Tempelkultes, der seine bestimmende Form zur Zeit des Fünften Dalai Lama erhielt, als Khra-`brug ein Staatstempel der Lhasa Zentralregierung wurde. Eine architektonische Dokumentation, mehrere kartographische Arbeiten basierend auf Satellitenaufnahmen, eine photographische Dokumentation von über 190 Bildern (darunter auch seltene alte Aufnahmen aus den 1940iger bis 60iger Jahren) und nicht zulezt eine beigelegte DVD (mit rezenten Filmaufnahmen vom Tempel und seines wichtigsten Jahresfestes) machen das Buch auch für den interessierten Laien zugänglich. Der Index erfasst alle tibetischen und Sansktit Namen (Personen und Orte) und die in den übersetzten Quellen genannten Texte.
- Per Kjeld Sorensen, Universität Leipzig , assoziierte:r Forschungspartner:in