Katalog der mittelalterlichen Handschriften
Katalog der mittelalterlichen Handschriften
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Graz,
Franciscans,
Medieval manuscripts,
Catalogue
Die Zentralbibliothek der Wiener Franziskanerprovinz in Graz wurde in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Ziel gegründet, die Buchbestände aller Konvente der Provinz bis zum Jahre 1700 an einem Ort zu sammeln. Im Grazer Kloster sind nun Handschriften bis zum Ende des 16. Jahrhunderts aus folgenden nach 1945 bestehenden Häusern der Wiener Provinz verwahrt: Graz, Maria Lankowitz, Maria Lanzendorf, St. Pölten und Wien. Dort wurden auch Manuskripte der säkularisierten Franziskanerklöster in Eggenburg, Klosterneuburg und aus dem Klarissenkloster in Graz verwahrt. Eine eigene Handschriftengruppe bilden großformatige Psalterien, Antiphonarien und Gradualien aus der Zeit um 1492 und 1517/18, die früher zum Teil im Franziskanerkloster Ljubljana verwendet wurden. Daneben finden sich auch Handschriften nichtfranziskanischer Herkunft, z. B. aus dem Grazer Jesuitenkolleg und aus dem Wiener Dominikanerkonvent. Insgesamt haben sich aus dem Zeitraum vom 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nur 41 Handschriften und vier Drucke mit umfangreicheren handschriftlichen Adligaten erhalten. Die geringe Zahl erklärt sich aus dem relativ späten Datum der Ankunft der Observanten in Österreich und auch durch Verluste im Verlaufe des Türkenkriegs von 1529, der Reformation im 16. Jahrhundert und zuletzt durch die Folgen der Klostersäkularisation unter Kaiser Josef II. Liturgische Handschriften der Franziskanerobservanten und Klarissen bilden die umfangreichste Gruppe. Daneben ist eine Gruppe von fünf deutsch- bzw. gemischtsprachigen Codices aus dem 15. und 16. Jahrhundert erwähnenswert. Erwähnenswert ist auch eine medizinische Sammelhandschrift mit einem Regimen pestilentiae des Leibarztes Kaiser Friedrichs III. Iacobus Iohannes de Castrobarco und ein Codex mit antihussitischen Texten. Die gotische Buchillumination ist mit Beispielen aus der Zeit um 1430, 1460, 1492 und 1517 vertreten, die sich alle in den bayerisch-österreichischen Raum lokalisieren lassen.
- Otto Kresten, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in