Erzherzog Carl von Österreich. Geistigkeit und Relilgiosität
Erzherzog Carl von Österreich. Geistigkeit und Relilgiosität
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Charles Archduke,
Revolution,
Pietas Austriaca,
Religiosity History 1750 - 1830,
Josephinism
Erzherzog Carl von Österreich (1771-1847), der drittgeborene Sohn Kaiser Leopolds II. und jüngere Bruder Kaiser Franz` Il. (I.), gilt als einer der wichtigsten strategischen Gegenspieler Napoleon Bonapartes, vor all bekannt durch seinen Sieg von Aspern 1809. Doch fehlt bislang eine vertiefte, insbesondere kulturgeschicht fundierte Biographie, wie die methodische Standortbestimmung und kritische Literaturübersicht (Kapitel I) ergibt. Die in dieser Monographie vorgestellte Forschung des Autors eröffnet daher einen neuen, geistesgeschichtlichen Zugang zu der Persönlichkeit dieses außergewöhnlichen Habsburgers, indem sie sein Persönlichkeitsentwicklung und sein intellektuelles Profil (Erster Hauptteil, Kap. II-III) sowie im besondere seine religiöse Gedankenwelt (Zweiter Hauptteil, Kap. IV-V) in den Blick nimmt. Hierbei wird als Quellengrundlage die umfangreiche Edition der "Ausgewählten Schriften" Carls einer systematischen Anal unterzogen: Die Grundlinien seines Denkens (Kap. IH) lassen sich wie folgt zusammenfassen: Aufgewachsen und fest verwurzelt im aufklärerischen Paradigma von Vernunft, Planbarkeit und Fortschritt, reflektierte Carl eingehend die Zäsur der Französischen Revolution anhand der Fragehorizonte von Erkenntnis-, Gesellschafts- und Kriegstheorie sowie historischer Analyse, politischer Logik und Menschenbild, um die strukturellen Umbrüche neuartigen Phänomene und Ambivalenzen der Revolution zu ergründen, u. a. Volksherrschaft, Nationalstaatlichkeit, Volks- bzw. totaler Krieg oder Genie-Kult. Als führender Praktiker versuchte er mit fundierten Programm einer umfassenden Staatsreform (1801-1805, 1806-1809), josephinische Prinzipien von Etatisierung und maßvoller gesellschaftlicher Liberalisierung konzeptionell wiederzubeleben. Freilich scheint er an der Übermacht der restaurativen Kräfte - nicht zuletzt Metternichs -, so daß er als einer der letzten maßgeblichen Exponenten der aufgeklärten Reformära in Österreich anzusehen ist. Auch nach seinem Rück ins Privatleben 1809 (und dem politischen Ende Napoleons 1815) bezog er weiterhin mit seinem unabhängig und zeitkritischen Urteil Stellung zu den gesellschaftlichen Grundfragen von politischer Vernunft, Fortschritt und Restauration, dies oftmals in erstaunlicher Weitsichtigkeit. Einen jetzt erstmals untersuchten Aspekt von Carls Wesenszügen bildet seine nicht minder aufschlußreich Spiritualität (Kap. V). Inmitten des Epochenüberganges von Spätaufklärung zu Romantik und früher Mode stehend, führte er in seinen geistlichen Meditationen die Religiosität seiner Dynastie, die sogenannte "Pieta Austriaca", in ihrer spezifisch aufgeklärten Form fort. Sein Beispiel erschließt auf diese Weise eine neue Perspektive auf das bisher wenig beachtete Weiterleben dieses eigenen, mit Kaiser Franz Stephan und Maria Theresia einsetzenden Traditionsstranges innerhalb der geschichtlich vielgestaltigen Habsburger-Frömmigkeit (Kap. IV). So ergibt sich im Resultat ein konturiertes Bild von Erzherzog Carl als einer herausragenden, intellektuell wie existentiell eigenständigen Persönlichkeit, die ihre rationale Grundposition inmitten der veränderten Problemstellungen des revolutionären Zeitalters verfocht und weiterzuentwickeln wußte (Kap. VI).
- Winfried Romberg, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in