Schreiben zw. Vormärz und Neoabsolutismus: Tschabuschnigg
Writint between Vormärz and Neoabsolutism: A.v. Tschabuschnigg
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Literature and history,
European Literary Reception,
Austrian politics and parliamentarism
A.v.Tschabuschnigg (1809, Klagenfurt-1877, Wien) zählt bekanntlich nicht zum Kreis der prominenten Schriftsteller seiner Zeit. Er verdient jedoch aufgrund seiner Karriere zwischen Literatur, Politik und Staatsdienst als auch seiner Kontakte zu interessanten Zeitgenossen (vor 1848) und seines Interesses für die zeitgenöss. europäischen Literatur Beachtung, haben diese doch letztlich ein umfangreiches und in sich differenziertes literarisches Werk zur Folge gehabt. Auch typologische Aspekte lassen sich gerade an seinem Werk herausarbeiten wie z.B. jener des komplexen Verhältnisses zwischen Autor und Öffentlichkeit vor und nach 1848, die Frage nach der Gewichtung der literarischen Rezeption für die eigene Produktion, der Präsenz von zeittypischen Gattungsformen (Reisebericht, Novelle, Roman) sowie die Relation von innovativen und konservativen Ansätzen in seinem Denken und Schreiben. Ohne Zweifel war A.v.T. einer der ersten Autoren, der den sozialen, politischen und kulturellen Wandel (Kapitalisierung der Gesellschaft, Industrialisierung, Standeskonflikte, Utopien und Karrierebrüche, Nationale Frage, Emanzipationsdiskurse) mit Interesse registrierte und sukzessive ins Zentrum seiner Erzählprosa rückte. Auch aus heutigem Blickwinkel betrachtet zählt z.B. sein Roman Die Industriellen (1854, 2. Aufl. 1872) zu den ungewöhnlichsten und kühnsten Textzeugnissen seiner Zeit, vergleichbar etwa mit Dickens Hard Times. Selbst jene Romane (v.a. der Spätphase), die eine Affinität zum trivialen Gesellschafts- bzw. Unterhaltungsroman verraten, erweisen sich bei genauer Lektüre als komplexer und in ihrer Kritik zeitdominanter sozialer Muster subversiver als es der an sich konservative Habitus des Autors vermuten ließe. Dem Autor steht schließlich der Beamte, der Politiker und Minister Tschabuschnigg gegenüber bzw. zur Seite. Auch hinsichtlich dieser Identitäten gehen die Einschätzungen, die der vorliegende Band versammelt, auseinander: vom visionären Reformpolitiker zum loyal-angepassten k.k. Hofrat mit reformorientierten Ideen bis hin zum konservativen Bewahrer des zu verwaltenden Systems und Erbes. Der vorliegende Band (basierend auf eine Arbeitstagung und weiterführende Forschungen) versucht, Schlaglichter auf diese facettenreiche Gestalt zu werfen, sie neu zu positionieren sowie bislang schwer zugängliche und unveröffentlichte Texte und Materialien (aus dem Nachlaß) der Forschung zur Verfügung zu stellen.
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