Staat im Früh- und Hochmittelalter
State in the early and High Middle Ages
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Early and High Middle Ages,
Kingship,
Ethnogenesis,
Formation Of States,
Symbolic communication,
Religous And Political Community
Der Band ist das Ergebnis der Diskussionen einer internationalen Projektgruppe zum mittelalterlichen Staat, die sich zum Ziel gesetzt hat, die teils beschränkten nationalen Forschungstraditionen zu überschreiten. Er zielt weniger auf das terminologische Problem, ob der Begriff Staat` überhaupt für die frühmittelalterlichen Königreiche anwendbar ist, sondern fragt danach, wie politische Integration gelingen konnte und wie in der Interkation von Monarchie und Aristokratie, christlichen und weltlichen Institutionen, Königtum und Volk überregionale Gemeinschaften Gestalt gewannen. Die Beiträge beschäftigen sich anhand von Fallstudien sowohl mit den Vorstellungen vom Staat als auch den unterschiedlichen Wirkungsweisen öffentlicher` Herrschaft. Meist wurde in der Debatte über den Staat im frühen und hohen Mittelalter von einem modernen Staatsbegriff ausgegangen, der für das frühere Mittelalter aber inadäquat war. Vor allem in der deutschen Mediävistik ist seit den 1930er Jahren früh- und hochmittelalterliche Staatlichkeit sehr skeptisch beurteilt worden. Der Zusammenhalt der Reiche dieser Zeit wurde in persönlichen Herrschaftsverhältnissen gesucht, sei es (wie in der älteren Forschung) durch eine moralisch ausgestaltete Beziehung zwischen Herrn und Gefolgsmann, sei es (wie in letzter Zeit) durch Rituale und symbolische Kommunikation, die eine direkte Kontrolle über die Mächtigen ersetzen mußten. Das hat zu einem eher archaischen Bild von früh- und hochmittelalterlicher Herrschaft ohne Staat` geführt. Die Aufsätze dieses Bandes schließen in vielem an diese Bemühungen an, doch werden in ihnen Formen staatlichen Zusammenhalts und ein abstraktes Bewußtsein vom Gemeinwesen in einem wesentlich weiteren Rahmen betrachtet. Die Beiträge behandeln Vorstellungen von Herrschaft, die sich an das Regnum` knüpfen, und die Durchsetzungsmöglichkeiten des Königtums (Matthias Becher, Hans-Werner Goetz, Stefanie Dick und Ian Wood), den Karolingerhof als Knotenpunkt adeliger Karrieren (Stuart Airlie), die Rolle der Gentes als Faktor politischer Integration (Walter Pohl) sowie die Ecclesia als Inbegriff des politischen Gemeinwesens (Mayke de Jong) und die Rolle der Bischöfe beim Zusammenhalt des Reiches (Steffen Patzold). Damit wird die Debatte aus falschen Alternativen (Institution oder Personenverband, Regnum oder Ecclesia, Staat oder "Herrschaft ohne Staat") herausgeführt und kann sich daran orientieren, auf welche Weise im Frühmittelalter staatliche Integration gelingen konnte.