Forschungen im Vicus Ost von Mautern-Favianis
Research in the vicus Mautern-Favianis
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Roman vicus Favianis,
Material culture,
Ecology,
Building types,
Workshops
Der vorliegende Band der Limesforschungen hat die interdisziplinäre Bearbeitung großflächiger Grabungen 1997- 1999 des Österreichischen Archäologischen Instituts im Vicus Ost von Mautern a. d. Donau (Niederösterreich), dem römischen Favianis, zum Thema. Die archäologische Auswertung gibt erstmals einen Einblick in die Bauabfolge und materielle Kultur eines norischen Vicus von den Anfängen im Zuge der Errichtung des Kastells bis hin zur Aufgabe in der Spätantike. Dieser Einblick wird durch die vollständige Bearbeitung und Diskussion des gesamten Baubefunds und archäologischen Fundmaterials sowie kontextorientiert ausgewählter archäobotanischer bzw. archäozoologischer Funde gewährleistet. Diskutiert werden die Ausgestaltung des Vicus, dessen chronologische Entwicklung und Bevölkerungszahl sowie die Organisation des Vicusabschnitts, die Bebauungsstrukturen und Gebäudetypen. Ein Schwerpunkt liegt in der Thematisierung regionaler und überregionaler Bautypen, wobei der in Mautern frequenteste Haustyp - die Grubenhütte - hinsichtlich seiner Typologie, Funktionalität und Verbreitung vorgestellt wird. Die typochronologischen und chorologischen Gesichtspunkte signifikanter Fundkategorien der Fein-, Transport-, Gebrauchs-, Model- und Baukeramik sowie der Glas-, Metall- und Beinartefakte werden abgehandelt. Es erfolgt eine ausführliche Analyse der Werkstattbefunde von zwei Töpfereien. Dem folgen eine Diskussion des Abfallverhaltens der Betriebe und Schlußfolgerungen auf die Aktivitätszonen in den Arbeitsbereichen anhand der Streuungen von spezifischen Abwurfmustern. Auf die Frage nach den Lagerstätten der im Vicus Ost verarbeiteten Tone und auf eine Abgrenzung der lokalen Produkte von Importkeramik zielt die mineralogisch-petrographische Analyse ab. Die Quellen zur materiellen Kultur werden ausführlich diskutiert. In diesem Rahmen wird anhand der gesamten Funddaten sowie anhand der Beiträge aus den epigraphischen, archäobotanischen und archäozoologischen Nachbardisziplinen ein umfassendes Bild der sich stetig modifizierenden sozio-kulturellen und -ökonomischen Charakteristika von Bevölkerungsgruppen im Vicus von Mautern gezeichnet, deren Veränderungen durch Zu- und Abwanderung sowie durch diversifizierte Rahmenbedingungen drei Jahrhunderte hinweg beobachtbar sind.
- Stefan Groh, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in