Friedrich Cerha: Analysen - Essays - Reflexionen
Friedrich Cerha: Analysen - Essays - Reflexionen
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Analysis,
Modern Opera,
Music History,
New Music,
Modern Chamber Music,
Musical Aesthetics
Wie jedes Buch, so hat auch dieses seine Geschichte: am 27. 02. 2004 wurde im Wiener Konzerthaus Friedrich Cerhas Requiem für Chor und Orchester uraufgeführt, ein vielbeachtetes Ereignis, das sich nahtlos in bedeutende Erfolge des Komponisten einreihte und die Bedeutung Cerhas als international bekanntester österreichischer Komponist der älteren Generation untermauerte. Es bestätigte sich somit erneut das eigentümliche Spannungsverhältnis zwischen dem Nimbus als "Neutöner", als "Unangepasster", "Unbequemer", den Cerha im konservativen Wien fast zwangsläufig erworben hatte, und der Tatsache, dass sich Cerha nicht nur im kleinen Neue-Musik-Segment, sondern auch im öffentlichen Musikleben als fixe Größe zu etablieren vermochte. Diese "kompositorische Erfolgsstory" steht jedoch quer zur eher zögerlichen wissenschaftlichen Annäherung an seine Persönlichkeit und seine Werke. Immer noch scheint es, als scheue sich die Musikwissenschaft vor Cerhas schwer zu fassender Persönlichkeit. Erst neuerdings setzte eine intensivere Auseinandersetzung ein, die über Diplomarbeiten und Dissertationen in den Band "Friedrich Cerha. Schriften: ein Netzwerk" und in Nikolaus Urbaneks "Spiegel des Neuen - Musikästhetische Untersuchungen zum Werk Friedrich Cerhas" mündete. Vorläufiger Höhepunkt dieser spät initiierten "wissenschaftlichen Aufholphase" war ein Friedrich Cerha- Symposion unter internationaler Beteiligung, das am 26.-28. Februar 2004 rund um die erwähnte Uraufführung des Requiems gruppiert war, und das sich, angesichts des konsequenten Strebens des Komponisten nach Individualität abseits jeglicher Moden und Gemeinplätze, den Werken Cerhas aus den unterschiedlichsten Perspektiven widmete. Auf der Basis dieser bewusst vielschichtigen Auseinandersetzung mit Cerhas Euvre, das, wie es Peter Cosse treffend formulierte, im Spannungsfeld zwischen Unbotmäßigkeit und Althergebrachtem changiert, wurde die vorliegende Veröffentlichung Analysen - Essays - Reflexionen konzipiert. Mit wenigen Worten möchte ich die Zielsetzungen dieses Bandes andeuten: In den meisten Beiträgen werden musikästhetische und -historische Reflexionen mit analytischen Erläuterungen verknüpft. Dies geschieht zunächst in Bezug auf die musiktheatralischen Werke, in denen die Cerhas Weltbild prägende Spannun zwischen Einzelschicksal und Massenstruktur thematisiert wird. Nach diesem ausführlichen Exkurs in Cerhas Musiktheater finden als weitere Aspekte Cerhas Kammermusik, in der sich die Tendenz, die Vielfalt des heute Erlebbaren ins Musikalische zu transformieren, in einer nachvollziebaren Prozessualität äußert, und schließlich der andere Pol des Cerhaschen Spannungsfeldes, die Musik des Wieners Cerha, oder, nach Peter Cosse, das "Althergebrachte", Berücksichtigung. "Althergebrachtes" in anderem, weiterführenden Sinne vermitteln schließlich historische Reflexionen über Cerhas Auseinandersetzung mit der Alten Musik sowie - als "assoziatives Nachspüren der Aura des Vergangenen" - ein humoristischer Essay von Cerhas Kollegen und langjährigem Wegbegleiter Kurt Schwertsik zu den Ereignissen rund um die Gründung des Ensembles "die Reihe". Ziel der vorliegenden Veröffentlichung ist es, der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Schaffen Cerhas und mit der Neuen Musik neue Impulse zu geben.