Mitteleuropäische Schulen V (ca. 1410 - 1450) Band 1 und Band 2
Mitteleuropäische Schulen V (ca. 1410 - 1450) Band 1 und Band 2
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (80%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%)
Keywords
-
Cataloguing of Objects of Cultural Value,
Austria,
Middle Ages,
Gothic Period,
Illuminated Manuscripts,
Austrian National Library
Der Band "Mitteleuropäische Schulen V" der Reihe "Die Illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek" umfaßt alle Handschriften, die von dem Autorenteam - nach Durchsicht des gesamten Bestandes - als illuminiert eingestuft wurden und die in Wien und Niederösterreich zwischen 1410 und 1450 entstanden. Beschrieben wurden 179 Objekte; etwa ebenso viele bescheiden ausgestattete Handschriften wurden nicht beschrieben, sondern bloß aufgezählt. Dabei handelt es sich um eine wegen der Materialflut unbedingt notwendige Innovation dieses Bandes. Bei den katalogisierten Stücken wurde nochmals zwischen ausführlich beschriebenen Objekten (Vollbeschreibung) und solchen unterschieden, für die auch ein kürzerer Eintrag die notwendigen Informationen liefern kann. Diese Differenzierung hat sich schon bei dem Vorgängerband als sinnvoll erwiesen, um eine Balance zwischen detaillierter Beschreibung und Effektivität zu erlangen. Ein Team von Illuminatoren und ein Florator, der auch als Schreiber festgestellt werden konnte, bilden den Ausgangspunkt für den ersten Abschnitt des Kataloges. Martinus opifex, der Albrechtsminiator, Illuminator Michael und der Meister der Klosterneuburger Missalien sind gemeinsam für die Legenda aurea und ein großformatiges Gebetbuch verantwortlich, die für König Friedrich IV. (den späteren Kaiser Friedrich III.) angefertigt wurden (Kat. 1 bzw. 2). Der erste Abschnitt, der den Arbeiten der genannten Illuminatoren gewidmet ist, umfaßt 15 Codices. Besonders ist auf den Trojaroman des Martinus opifex (Kat. 15) hinzuweisen, dessen 332 Miniaturen das umfangreichste Bildprogramm enthält, das in diesem Katalogband vorgestellt wird. Die Miniaturenfolge des Albrechtsgebetsbuches (Kat. 13), das für Herzog Albrecht V. angefertigt wurde, ist eng mit der österreichischen Geschichte verbunden, entstanden bevor Albrecht kurzzeitig sowohl deutscher als auch böhmischer und ungarischer König wurde. Im zweiten Abschnitt ist neben interessanten Einzelstücken mit umfangreichen Bildprogrammen (z. B. Kat. 59 und 167) auf jene Gruppen besonders hinzuweisen, bei denen es gelang, mit Fleuronnée ausgestatte Handschriften zusammenzufassen. Dabei konnten mit kunsthistorischen Mitteln, Codices verbunden werden, die mit anderen Methoden nicht zusammengeführt hätten werden konnten. Die vorgestellten Gruppen zeigen zudem wie fruchtbar die vom Autorenteam exemplarisch vorgeführte Verbindung von Provenienzforschung und kunsthistorischen Methoden ist. Besonders sei auch auf die beiden Handschriften hingewiesen, deren künstlerischer Schmuck aus hervorragenden Einblattholzschnitten besteht (Kat. 16 und 79). Dabei wird ein Grenzgebiet der Handschriftenforschung betreten, bei dem Druckgraphik als Schmuck für mit der Hand geschriebene Codices dient. Diese beiden Stücke weisen auf die methodische Herausforderung voraus, die der Buchdruck mit beweglichen Lettern für die Katalogisierung der Bestände der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bieten wird. Neben der terminologisch möglichst treffenden und einheitlichen Beschreibung des Buchschmucks wurde - wie bisher - auf die interdisziplinarische Ausrichtung großer Wert gelegt. Illuminierte Handschriften überliefern Texte verschiedener Sprachen (lateinisch und deutsch), berühren verschiedene Fachgebiete, der sich in den spätmittelalterlichen Universitäten zunehmend ausdifferenzierten Wissenschaften, erfordern Kenntnisse auf Gebieten wie der Wasserzeichenkunde und der Einbandkunde aber auch Erfahrungen in Paläographie, Heraldik und anderen historischen Hilfswissenschaften. Ein Graduale (Kat. 23) wurde gemeinsam für diesen Katalog und ein musikwissenschaftliches Projekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beschrieben und so Doppelgleisigkeiten von vorne herein vermieden. Die Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek sind auf dem behandelten Gebiet bei weitem die umfassendsten. Trotzdem kann der vorgelegte Katalog eine wissenschaftliche Studie nicht ersetzen. Die Aufarbeitung der Primärquellen legt aber den Grundstein für die weitere Bearbeitung. Dies gilt für die Kunstgeschichte aber in demselben Maße auch für alle kulturhistorischen Arbeiten, die dringend verläßliche Grundlagen benötigen.