Wilhelm von Humboldt: Baskische Schriften, Band 2
Wilhelm von Humboldt: Baskische Schriften, Band 2
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Linguistics,
18th/19th Century,
History of Thought,
Basque,
Language and Anthropology
Der Band erscheint im Rahmen der Gesamtausgabe von Wilhelm von Humboldts "Schriften zur Sprachwissenschaft", herausgegeben von Kurt Mueller-Vollmer, mit Tilmann Borsche, Bernhard Hurch, Jürgen Trabant und Gordon Whittaker. (ges. ca. 21 Bände, bislang erschienen bzw. in Druck 6 Bände). Die weitere Editionsarbeit wird in einem Langzeitvorhaben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragen (durchgeführt unter der Schirmherrschaft der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin). Die Abteilung II (Baskische Schriften) wird vom Antragsteller herausgegeben, der dazu vom FWF geförderte Editionsprojekte abgeschlossen, sowie auch bereits den ersten Band (Titel: Schriften zur Anthropologie der Basken) ediert hat. Zu erwähnen ist auch ein im Rahmen des Grazer Projekts edierter Band von bislang unveröffentlichten baskischen Grammatiken anderer Autoren aus Humboldts handschriftlichem Nachlaß. Diese spielen für den vorliegenden Band als Arbeitsgrundlage auch eine wesentliche Rolle. Dieser zweite Band umfaßt zum überwiegenden Teil Schriften, die bislang im Original nicht veröffentlicht waren. Die einzig vorhandene von Albert Leitzmann in den Jahren 1903-1936 besorgte große Humboldt Edition (Gesammelte Schriften) verzichtete wissentlich auf die Veröffentlichung der fachwissenschaftlichen Texte Humboldts. Im Laufe des 2. Weltkriegs galten diese als verschollen, Mueller-Vollmer hat sie in Polen wieder aufgefunden und die vorliegende absolut notwendige Gesamtedition initiiert. Der Abteilung "Schriften zum Baskischen" kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die Jahre der Beschäftigung mit dem Baskischen auch als die Phase der Herausbildung des sprachwissenschaftlichen Denkens Humboldts gilt. Humboldt stellt sich hier erstmals der wissenschaftlichen Beschäftigung mit einer nicht-indogermanischen Sprache. Er geht dabei empirisch - auch bedingt durch seine Baskenreisen und seine Pariser Kontakte zu Basken - sehr weit ins Detail. Diese Beschäftigung eröffnet ihm die Erkenntnis über neue grammatische Kategorien, er formuliert hier erstmals Prinzipien wie Grammatikalisierung, er erkennt die typologischen Unterschiede anderer (hier agglutinierender) grammatischer Verfahren usw. Wichtig ist auch der bislang in der deutschsprachigen Humboldt-Rezeption vollkommen beiseite gelassene Einfluß baskischer Grammatiker auf Humboldts Denken (insbesondere P.P. Astarloas). Der Band vereinigt einige frühe Schriften und Skizzen, das legendäre Exzerpt des (verschollenen) Plan de lenguas von Astarloa, ein Werk, das Humboldt während seines Aufenthalts in Durango von diesem zum Lesen bekommen und exzerpiert hat; seine eigenen kleineren Grammatikstudien zum baskischen Axuliarsystem und dessen agglutinierenden Charakter anhand von Larramendi und Astarloa, aber auch die beiden besonders bedeutenden Grammatikskizzen, die im Zentrum seines großen Monographieprojekts zum Baskischen stehen sollten. Es sind zwei umfangreiche Fragmente, die sehr unterschiedliche grammatiktheoretische Prinzipien erkennen lassen. Besonderen Stellenwert die der Humboldtsche Beitrag zum Mithridates von Adelung / Vater (hier 1817; entstanden 1811), weil dieses Werk die deutschsprachige Linguistik und besonders die Baskischforschung des 19. Jahrhunderts maßgeblich beeinflußt hat. Die dazugehörigen Materialstudien (zu Leiçarragas Bibelübersetzung und zur Sprichwörtersammlung von Oihenart) integrieren dieses Bild. Der kurze einschlägige Quellenbeitrag von Adelung zum `Cantabrischen` wurde in die Edition aufgenommen, weil der Humboldtsche Text ohne ihn unverständlich bliebe. Die Abteilung Wortstudien bringt Studienarbeiten Humboldts, in denen er sich mit möglichen Zusammenhängen des Baskischen mit anderen Sprachen auseinandersetzt. Hier kristallisiert sich auch bereits jener Unterschied heraus, der später in die Literatur unter den Begriffen `historisch verwandt` und `elementar verwandt` eingehen sollte. Die Ausgabe wurde nach Prinzipien historisch-kritischer Editionen aufbereitet. Die Verzögerung der Editionsarbeiten ist durch die insgesamt 3-jährige Tätigkeit als Dekan bzw. Forschungsdekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz bedingt.
- Universität Graz - 100%