Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
Music History,
Austria,
Baroque,
Source Studies,
Vienna
Abstract
Der Thematische Katalog Mathias Öttl würdigt nach dem Erscheinen des Thematischen Katalogs Karlmann
Pachschmidt einen weiteren Komponisten aus dem österreichischen Spätbarock. Getauft am 21.2.1675 in Bodman
am Bodensee tauchte Öttl musikalisch erstmals am 31.7.1698 als Mitwirkender einer Jesuitendrama-Aufführung in
Wien auf. Tätigkeiten als "Tenorist" in St. Stephan, in der Hofmusikkapelle und bei den Wiener Schotten, ferner
als "Musicus" bzw. Kapellmeister Kaiserin Eleonoras, der Witwe nach Leopold I., sind weitere, im Katalog
biographisch beleuchtete Stationen seines Lebens. Auch bisher unbekannte Details aus Öttls Leben wurden
bekannt. Etwa, dass er an der Prager Aufführung der Oper Constanza et Fortezza von Johann Josef Fux teilnahm,
die aus Anlass der Krönung von Kaiser Karl VI. aufgeführt wurde, oder dass er in den Diensten der Reichsgräfin
Maria Karolina (genannt: Charlotte) von Fuchs-Mollard stand, die zuerst Erzieherin von Maria Theresia war und in
späteren Jahren deren enge Vertraute. Übrigens hat Öttl auch Maria Theresia und ihre Schwester Maria Anna
während ihrer Infantinnenzeit "instruiert", was immer die Quelle, aus der dieses Wort stammt, damit auch meinen
mag.
Die Untersuchung der in 37 Sammlungen aus sechs Ländern unter "Öttl" bzw. alternativ unter anderen
Komponistennamen vorgefundenen 66 Kompositionen, insbesondere deren Zuschreibung, war ein weiterer
Schwerpunkt der Arbeit, die auch neue Erkenntnisse über einige Sammlungen erbrachte.
Wie viele respektable Wiener Komponisten seiner Zeit aus dem Dunstkreis der Hofmusik ist Öttl heute vergessen.
Ist es wirklich fair, nur an die großen Namen aus der Hofmusikkapelle wie Fux, Caldara, etc. zu erinnern, und
andere Meister, deren Kompositionen ihren Weg nicht nur in Wiens Kirchen und Klöster, sondern selbst in die
Kronländer fanden, zu vergessen? Es darf zur Debatte gestellt werden, dass im Katalog enthaltene Analysen
mancher Werke, die bisher Komponisten mit größeren Namen zugeschrieben waren, Öttls Autorschaft
wahrscheinlich machten. Es ist zu hoffen, dass dies ein Anreiz ist, sich auch mit anderen Wiener Kleinmeistern der
fraglichen Periode intensiver zu beschäftigen.