Gründe, Werte, und Gruppenakteure
Reasons, Values, and Group Agents
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (90%); Politikwissenschaften (5%); Wirtschaftswissenschaften (5%)
Keywords
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Normativity,
Reasons For Action,
Prudential Value,
Group Agency,
Constitutivism
Wir sind Akteure: wir verfügen über die Fähigkeit zu handeln. Als Akteure sind wir allerdings auch Normen unterworfen. Einige dieser Normen sind sehr persönlich und betreffen unter Anderem, wofür wir gute Gründe haben oder was gut für uns ist. Andere Normen sind eher sozialer Natur, zum Beispiel Gesetze oder die Verpflichtungen durch Arbeitsverträge. Eine der grundlegendsten Aufgaben der Moralphilosophie ist es, zu erklären, warum Normen, denen wir unterliegen, überhaupt Gewicht haben. In diesem Projekt wird die Bedeutung von Normen für Akteure untersucht. Es umfasst drei Hauptphasen. Die erste konzentriert sich auf einige theoretische Überlegungen zu Normen und untersucht die Frage, ob Normen von uns Akteuren, oder von externen Faktoren abhängig sind. Meine Hypothese ist die erstere, und zwar aus zwei Gründen. Erstens scheint unsere moralische Praxis des Kritisieren, Tadelns und Lobens zu erfordern, dass wir erklären können, warum moralische Urteile für diejenigen gelten, über die wir sie fällen. Zweitens wirken Normen nicht entfremdend auf Akteure, wenn ihnen diese wirklich wichtig sind. Daraus folgen methodische Überlegungen für die weiteren Phasen. Die zweite Phase zielt darauf ab, Gründe und Werte zu erklären. Die zentrale Hypothese ist, dass beide auf dieselbe Art und Weise auf Wünsche von Akteuren zurückgeführt werden können, wobei wir von den Wünschen idealer Akteure ausgehen, die rational sind und angemessen auf Fakten reagieren. Folglich hängen die Gründe und Werte von Akteuren von den Wünschen ab, die sie idealerweise hätten. Diese Idee ist nicht neu, aber die Kombination mit den methodischen Überlegungen aus der ersten Phase des Projekts verspricht neue Antworten auf bekannte Einwände. In der dritten Phase werden die Überlegungen aus den vorangegangenen Phasen auf die Normen sozialer Gruppen angewandt, insbesondere auf die Normen, die organisierte Gruppen wie Länder und Unternehmen strukturieren, die normalerweise als Gruppenakteure betrachtet werden. Meine zentrale Hypothese besteht in einer Theorie von Gruppenakteuren, gemäß der Handlungen durch relevante, konventionell akzeptierte Normen für einzelne Gruppenmitglieder organisiert werden. Diese Theorie steht im Gegensatz zu den meisten Theorien in der Literatur: sowohl zu Theorien, die versuchen, Gruppenakteure durch die Handlungen einzelner Gruppenmitglieder zu erklären, als auch zu Theorien, die Gruppen als unabhängige Akteure mit Überzeugungen, Wünschen und ähnlichen Zuständen betrachten. Die meisten der ersteren Theorien entfremden die Gruppenmitglieder von den Gruppennormen, während die letzteren die Gründe oder Werte der Gruppe nicht gut erklären können. Daher führt meine Untersuchung von Gruppenhandlungen angesichts des Wesens der Normativität sowie von normativen Phänomenen wie Gründen und Werten zu unerwarteten Ergebnissen.
- Universität Wien - 100%
- Hans Bernhard Schmid, Universität Wien , Mentor:in