Governance der religiösen Diversität im postsozial. Albanien
Governance of Religious Diversity in Post-Socialist Albania
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Philosophie, Ethik, Religion (75%); Soziologie (15%)
Keywords
- Governance,
- Interreligious Dialogue,
- Minorities,
- Religious Diversity,
- Post-Socialist Albania,
- Southeast Europe
Das Forschungsprojekt untersucht, wie Menschen verschiedener Religionsgemeinschaften in Albanien miteinander ins Gespräch kommen und den Austausch zwischen ihnen aktiv mitgestalten. Im Mittelpunkt steht der interreligiöse Dialog also Begegnungen, bei denen Mitglieder verschiedener Religionen über gemeinsame Werte, friedliches Zusammenleben und gesellschaftliche Verantwortung sprechen. In vielen Ländern dient der interreligiöse Dialog dazu, Spannungen oder Konflikte zwischen Religionsgruppen zu überwinden. In Albanien ist das anders: Hier leben fünf Religionsgemeinschaften Islam, Orthodoxie, Katholizismus, der Bektaschi-Orden und die Evangelische Union, ein Zusammenschluss kleinerer protestantischer Kirchen traditionell weitgehend friedlich zusammen. Das Projekt untersucht, wie sich dieser Dialog in einem solchen Umfeld gestaltet. Der Schwerpunkt liegt auf der Rolle religiöser Minderheiten oft kleinere Gemeinschaften, die im Vergleich zu anderen Religionen weniger Privilegien und öffentliche Aufmerksamkeit haben. Drei Gruppen stehen dabei beispielhaft im Mittelpunkt, die jeweils ein besonderes Interesse am interreligiösen Austausch zeigen: die katholische Kirche, die trotz ihrer langen Tradition in Albanien eine zahlenmäßige Minderheit bildet, Sufi-Orden als Untergruppe im Islam sowie die Bah-Gemeinschaft als neue religiöse Gruppe. Untersucht wird, wie diese Gemeinschaften am Dialog teilnehmen und ob sie ähnliche Möglichkeiten zur Mitgestaltung haben wie größere Religionsgemeinschaften. Dabei geht das Projekt davon aus, dass religiöse Minderheiten je nach Geschichte und Struktur unterschiedliche Erfahrungen im interreligiösen Dialog machen: So könnte die gemeinsame Erfahrung der atheistischen Politik während der sozialistischen Zeit zu einem Gefühl von Solidarität zwischen Religionsgemeinschaften beigetragen haben. Neue religiöse Gemeinschaften stehen möglicherweise jedoch vor der Herausforderung, sich aufgrund ihrer begrenzten Sichtbarkeit und Ressourcen einzubringen, während der Dialog meist von etablierten Gemeinschaften geprägt ist. Auch religiöse Untergruppen werden vermutlich eher von größeren Gemeinschaften mit repräsentiert, statt selbst für sich zu sprechen. In Tirana, der Hauptstadt Albaniens, finden die meisten interreligiösen Veranstaltungen statt. Dort spricht die Forscherin mit Vertreter:innen verschiedener Religionen und Teilnehmenden solcher Treffen und beobachtet, wie Vertrauen und Verständnis entstehen und wo Unterschiede oder Ausschlüsse sichtbar werden. Das Projekt soll ein besseres Verständnis dafür schaffen, wie religiöse Vielfalt in Albanien gelebt wird und welche Bedeutung der interreligiöse Dialog für das Zusammenleben in einer sich wandelnden Gesellschaft hat. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Religionsgemeinschaften zu stärken, religiösen Minderheiten, die sich mehr Sichtbarkeit wünschen, eine Stimme zu geben und Vorurteile abzubauen in Albanien und darüber hinaus.
- Universität Graz - 100%
- Karsten Lehmann, nationale:r Kooperationspartner:in
- Florian Bieber, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Franz Winter, Universität Graz , Mentor:in
- Cecilie Endresen - Norwegen
- István Keul - Norwegen