Zeitgenössische Alters- und Care Narrative Post-Yugoslawiens
Contemporary Post-Yugoslav Narratives on Aging and Care
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Klinische Medizin (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
-
Narrative,
Age/ing,
Care,
Post-Yugoslav
Welche Geschichten erzählte die Literatur Jugoslawiens (19451991) über das Altern, das Altsein, die Alterspflege und den Lebensverlauf? Waren die als alt beschriebenen Charaktere meist weise, erfahren, würdig, ehrenwert oder eher schmutzig, hilflos, lästig, problematisch, eine Last? Was änderte sich, als Jugoslawien in den 1990er Jahren nicht nur als Staat mit Flagge, Nationalhymne und Reisepass, sondern auch als Ideal und Identifikationsmerkmal gewaltsam zerfiel? War die Art und Weise, wie die Literatur Geschichten über das Altern erzählte, einer der vielen Bereiche, die sich in diesem dynamischen letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auf dem Balkan radikal veränderten? Wenn ja, welche sozialen, politischen und kulturellen Hintergründe führten zu diesem Wandel? Warum wurde das Altern plötzlich anders wahrgenommen und in der Literatur anders erzählt? Gibt es wiederkehrende Themen oder Motive in verschiedenen Kunstformen beispielsweise im Vergleich zwischen Literatur und Film? Was kann uns Literatur über das Alter im Jugoslawien der 1990er Jahre über die evolvierenden Gesellschaften erzählen, über ihre kollektiven Narrativen, ihre politischen Agenden, ihre Zukunftsvorstellungen? Wie hat sich die Situation seitdem entwickelt? Wie erscheinen beispielsweise alte Menschen in der literarischen Vorstellung von Schriftsteller:innen, die in den 1990er Jahren aus Jugoslawien flohen oder vertrieben wurden und in der (unter anderem anglophonen) Diaspora Karriere machten wie A. Hemon oder V. Goldsworthy? Dieses Projekt legt nahe, dass tiefgreifende Neudefinitionen der sozialen Ordnung und der kollektiven Narrativen in den 1990er auch die Art und Weise grundlegend geprägt haben, wie Alter, Alterungsprozess und Alterspflege betrachtet, definiert, gehandhabt und erzählt werden. Das Projekt kombiniert literarische Analysen von Literatur mit semi-strukturierten narrativen Interviews mit Schriftsteller:innen über 65 Jahren aus der Yugosphere und analysiert ihre Interpretation des Alterns sowohl als Kunstschaffende als auch als Kunstkonsument:innen. Manche Autor:innen thematisieren Alter und Älterwerden explizit, bei anderen verändern sich Stil und Themen mit deren biologischen Alter, und bei wieder anderen beeinflussen ethnische Zugehörigkeit, Genre oder Muttersprache (manchmal eine Minderheitensprache in einem Nationalstaat) die komplexe Art und Weise, wie sie den chronologischen Lauf der Zeit beschreiben oder inszenieren. Das Projekt zielt zudem darauf ab, den überwiegenden Fokus der Aging Studies auf den Globalen Norden zu thematisieren und ihn durch eine fokussierte Untersuchung einer Peripherie und ihrer Literatur, der Yugosphere, zu diversifizieren. Es hinterfragt und entwickelt die akzeptierten Normen des Fachgebiets weiter (beispielsweise die Interpretationen dessen, was Altersdiskriminierung/agism ausmacht und wie wir sie definieren), indem es die Besonderheiten einer Region, wie sie in ihrer kulturellen Produktion verkörpert sind, aufzeigt.
- Universität Graz - 100%
- Florian Bieber, Universität Graz , Mentor:in
- Tatjana Petzer, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Robert Pichler, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ulf Brunnbauer, Universität Regensburg - Deutschland
- Ivana Ðuric Paunovic - Serbien
- Tanja Petrovic, Slovenian Academy of Sciences and Arts - Slowenien
- Ben Doyle - Vereinigtes Königreich