Neurobiologie der Angst bei Autismus-Spektrum-Störungen
Neurobiology of anxiety in autism spectrum disorders
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (70%)
Keywords
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Anxiety,
Insula,
Interneuron,
Functional Connectivity,
Autism
Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) treten häufigzusammenmitschweren Angstsymptomen auf. Aufgrund der erheblichen negativen psychischen und körperlichen Auswirkungen, die Angstsymptome auf Personen mit ASD haben, ist ein besseres Verständnis der speziellen Mechanismen von Angst bei ASD von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung maßgeschneiderter und effektiverer therapeutischer Interventionen für diese Patienten. Während die neuronalen Korrelate genereller Angst durch beträchtliche Forschungsanstrengungen gut untersucht sind, haben nur wenige Studien diese Korrelate bei ASD untersucht. Die derzeitige Ansicht ist, dass einige Aspekte der Angst bei ASD besondere klinische und neurobiologische Merkmale aufweisen. Eine der zuverlässigsten Anomalien neuronaler Korrelate, die sowohl bei ASD- als auch bei Angststörungspatienten beschrieben wurden, ist eine abweichende Aktivität innerhalb einer Reihe bestimmter Gehirnstrukturen, die mit funktionellen Bildgebungstechnologien des Gehirns gemessen wurde. Zu den am stärksten betroffenen Gehirnbereichen gehört der Inselkortex, von dem bekannt ist, dass er das dynamische Zusammenspiel von Gehirnnetzwerken orchestriert. Die neuralen Grundlagen und dabei insbesondere die zugrunde liegenden zellulären und molekularen Mechanismen dieser veränderten regionalen Aktivierung des Gehirns und der funktionellen Hirnnetzverbindungen bei Angstzuständen und ASD bleiben jedoch unbekannt. Wir gehen davon aus, dass eine Fehlleistung von wichtigen, regulierenden GABAergen Interneuronen, hauptsächlich im Inselkortex, zu funktionellen Beeinträchtigungen führt, die sich als Angst- und ASD-Kernsymptome manifestieren. Von besonderem Interesse sind eine bestimmte Klasse dieser Interneurone, die zusätzlich das Vasoaktive Intestinale Polypeptid (VIP) exprimieren, da ihre Störung während der frühen postnatalen Entwicklung eine tiefgreifende Dysregulation der kortikalen neuralen Aktivität und der sensorischen Verarbeitung verursacht. Darüber hinaus weisen unsere vorläufigen Daten darauf hinweisen, dass VIP-exprimierende Interneurone eine grundlegende Rolle beim Filtern von salienten Reizen spielen, um das Verhalten adaptiv zu formen. Wir werden unsere Hypothesen mittels genetisch veränderter präklinischer Modelle testen, die auf Hochrisiko-Autismus-Genen aufbauen, d. h. Genen, in denen über ASD- verursachende Mutationen bei Patienten berichtet wurden. Wichtig ist, dass diese Modelle durch angstähnliches Verhalten und/oder Beeinträchtigungen im negativen Valenzbereich gekennzeichnet sind. DiesesFG-Projekt istunseres Wissens nach das erste Forschungsprojekt, das sich mit der Kausalität von Angst bei ASD befasst. Möglich wird dies durch die spezifische Erfahrung und das hochgradig komplementäre Know-how der beteiligten Labore. Dieses Projekt nutzt einen multidisziplinären Ansatz und eine Reihe modernster Forschungsmethoden, umneurobiologische Korrelate und molekulare Mechanismen von Autismus-assoziierter Angst aufzuklären.
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Konsortiumsmitglied (01.04.2022 -)
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Konsortiumsmitglied (01.04.2022 -)
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Konsortiumsmitglied (01.04.2022 -)
- Medizinische Universität Innsbruck
- Markus Wöhr, Catholic University of Leuven - Belgien
- Michael Schmeißer, Johannes Gutenberg Universität Mainz - Deutschland
- Andreas Lüthi, Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research - Schweiz
- Andrew Holmes, National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 55 Zitationen
- 1 Publikationen
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2023
Titel Alleviating anxiety and taming trauma: Novel pharmacotherapeutics for anxiety disorders and posttraumatic stress disorder DOI 10.1016/j.neuropharm.2023.109418 Typ Journal Article Autor Singewald N Journal Neuropharmacology Seiten 109418 Link Publikation