Gemeinden und Bünde im vorrömischen Italien. Untersuchung zur Geschichte und zu den politischen Strukturen der oskisch-umbrischen Völkerschaften (5.-1. Jh.v.Chr.)
Communities and Leagues in pre-Roman Italy. History and Political Organisation of the Oscans and Umbrians (5th to 1st cnturies B.C.)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (85%); Rechtswissenschaften (15%)
Keywords
-
ANCIENT HISTORY,
ITALY,
INSTITUTIONS,
SAMNITES,
LEAGUES,
ITALIAN PEOPLES
Ziel meines zweijährigen Forschungsvorhabens ist es, eine umfassende und eingehende Studie zu den politischen Organisationsformen der Gemeinden und Bünde unter den Umbrern und den oskisch sprechenden Völkern (Kampaner, Samniten, Lukaner, Bruttier, Mamertiner, Marser, Sabiner, Paeligni, Marruciner, Vestini, Aequer, etc.) Zentral- und Süditaliens (von den Abruzzen bis zum nordöstlichen Sizilien) vom 5.-1.Jahrhundert v.Chr. vorzulegen. Die Arbeit soll als Habilitationsschrift an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz eingereicht werden. Bis heute wurde keine entsprechende Monographie zu diesem Thema geschrieben, da das Interesse der Forschung in Bezug auf die politischen Organisationsformen der Bevölkerung Altitaliens vor allem dem Etruskischen und dem Latinischen Bund galt. Daher muß der erste Schritt der Untersuchung eine Sammlung aller Quellen sein, die die politische Geschichte und die Verfassungssysteme der Umbrer und Osker betreffen und in der griechischen und lateinischen Literatur überliefert sind. Weiters ist eine genaue Untersuchung der epigraphischen Evidenz unabdingbar. Umbrische und oskische Inschriften berichten von Magistraten (meddices, maru, kenzsur, uhtur, etc.) oder Institutionen (z.B. die vereiia), wobei den Neufunden, wie z.B. der Bronzetafel aus Roccagloriosa in Campanien (August 1999) besondere Bedeutung zukommt. Nicht zuletzt gilt es, auch die numismatischen Quellen (z.B. "städtische" Münzen und Bundesprägungen) ebenso einzubeziehen, wie die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen (regionale und überregionale Heiligtümer, öffentliche Plätze und Gebäude für Versammlungen und politische Aktivitäten). Nachdem diese primären und sekundären Quellen analysiert und in einen näheren historischen Zusammenhang gestellt wurden, sollte es möglich sein, Antworten auf folgende Fragenkomplexe zu geben: Wann und wie formierten sich die italischen Bünde, wann und wie wurden sie wieder aufgelöst? Wie waren die Bünde strukturiert, welche Ämter, Organe und Versammlungen können festgemacht werden und können ihre Funktionen näher spezifiziert werden? Von größter Bedeutung wird auch die Analyse der Beteiligung der Mitglieds-"staaten" an den Bundesversammlungen sein (direkte und/oder repräsentative Vertretung?). Diese Untersuchungen können natürlich nur in engem Zusammenhang mit einer Untersuchung der einzelnen Verfassungen der Gemeinden vorgenommen werden. Nicht zuletzt soll ein Ausblick auf die Rolle gegeben werden, die die italischen Bünde in der Geschichte Altitaliens gespielt haben, wobei vor allem ihre Stellung als Feinde und Verbündete der aufkommenden Macht Roms erläutert werden wird. Forschungen in dem eben dargestellten Gebiet sind heute von großer Bedeutung für die Wissenschaft, da sich das Interesse sowohl der Forscher als auch der breiten Öffentlichkeit in den letzten Jahren vermehrt der Bevölkerung Altitaliens abseits der Etrusker und Römer zugewendet hat. Darüberhinaus wird die vorzulegende Monographie nicht nur eine intensive Studie der politischen Geschichte und Verfassungsgeschichte dieses Raumes darstellen, sondern auch einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über Themen des antiken und modernen Föderalismus leisten.
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