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Arcadia, ein Mythos der Neuzeit zwischen Renaissance und Aufklärung

Arcadia, a Myth of Modern Times between Renaissance and Enlightenment

Claudia-Elisabeth Schurr (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/H170
  • Förderprogramm Charlotte Bühler
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2001
  • Projektende 31.08.2003
  • Bewilligungssumme 77.033 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)

Keywords

    ARCADIA, SHAKESPEARE, METASTASIO, OPÉRA, ROMANCE, ENLIGHTENMENT

Abstract

Es handelt sich bei folgendem Projekt um eine komparatistische Studie über den Topos der Arcadia in Italien, England und Frankreich zwischen Renaissance und Aufklärung. Ich möchte zeigen, daß nicht nur der Inhalt arkadischer Werke `unmöglich` ist - `La convention pastorale est essentiellement absurde` -, sondern daß ebenso die Gattungsformen arkadischer Werke hybrid, für ihre Epoche jeweils neuartig und schwer klassifizierbar sind. Das trifft in gleicher Weise auf die italienische `tragicommedia pastorale` von Guarini, auf Shakespeares Spätwerk (Cymbeline, The Winter`s Tale und The Tempest), die französische `opera` von Lully-Quinault im 17. Jahrhundert und die Libretti Zenos und Metastasios im 18. Jahrhundert zu. Die Arcadia-Thematik scheint jeweils Pate zu stehen bei der Geburt eines neuen, dramatischen Genre, sei es bei der Tragikommödie oder bei den modernen, nationalen Operntypologien. Es gibt für die genannten Epochen jeweils arkadische Prosatexte wie Sannazzaros und Sidneys Arcadia oder D`Urfes Astree, die jeweils einen nationalen Code für diese imaginäre Welt festschreiben, der dann in das dramatische Genre einfließt. Das arka-dische Element nimmt innerhalb der dramatischen Gattung, in Abhängigkeit vom natio-nalen Kontext, vielerlei Gestalten und Färbungen an und reicht von Shakespeares Zaubereien bis zu Metastasios intuitiven Erkennungsszenen durch die Stimme des Blutes. Im 18. Jahrhundert gibt es kein arkadisches- `Prosahandbuch` mehr. Denn Arkadien ist zu einer literarischen Strömung, einer organisierten Akademie und einem Dichterbund geworden, der sich unter die Gesetze eines idealen Kunststaates stellt. Der Wunsch nach einer Einbürgerung Arkadiens in die normale Welt, wie es dem Gleichheitsprinzip der Aufklärer entspricht, scheint sich in Rousseaus Vision des `edlen Wilden` zu erfüllen. Abgesehen von Arkadiens Beziehung zur Gattungsgeschichte möchte ich seine Relevanz in feministischer Hinsicht studieren. Die Frau scheint in Arkadien einen besonderen Status zu besitzen und handelt im Namen eines gutwilligen `numen` der dem `numen` der klassischen Schicksalstragödie diametral entgegengesetzt ist. Ich möchte mit Hilfe der angezeigten Problematik ein Stück europäischer Geistesgeschichte neu schreiben, nämlich durch einen Brückenschlag zwischen Renaissance und Aufklärung mit Hilfe eines wichtigen Mythos der Neuzeit, mit Hilfe Arkadiens.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

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