Wissenschaftsdisziplinen
Rechtswissenschaften (100%)
Keywords
Parlamentsrecht,
Demokratische Kontrolle,
Parlamentarische Demokratie,
Rechtsvergleichung
Abstract
Dem Parlament, das in der repräsentativen Demokratie das Zentrum der Herrschaftslegitimation bildet, wird neben
der Gesetzgebungs- und der Wahlfunktion auch eine Kontrollfunktion zugesprochen, der insbesondere
Kontrollkompetenzen gegenüber der Regierung zugeordnet werden. Zielsetzung der Untersuchung ist es, die
Kontrollfunktion des Parlaments systematisch zu untersuchen und Schlussfolgerungen für die demokratischen
Systeme in Europa zu ziehen. Dabei wird ein rechtsvergleichender Ansatz gewählt, der ausgehend von den
Rechtsordnungen Österreichs, Deutschlands, Englands und der Europäischen Union zu einer Systematisierung und
Typisierung der Kontrollkompetenzen der Parlamente führen soll. Eine zentrale These der Untersuchung lautet,
dass sich die Kontrollfunktion des Parlaments in den untersuchten Rechtsordnungen ausgeweitet und intensiviert
und somit an Bedeutung gewonnen hat, während die Gesetzgebungsfunktion wegen der Verlagerung von
Gesetzgebungszuständigkeiten zu Lasten des Parlaments an Bedeutung verloren hat. Zudem wird angenommen,
dass sich die parlamentarische Kontrollfunktion gewandelt hat. "Klassische" parlamentarische
Kontrollkompetenzen, die in der Regel nachvollziehendem Charakter haben, wurden um Zuständigkeiten des
Parlaments zu einer mitwirkenden Kontrolle ergänzt, bei der das Parlament in den Entscheidungsprozesse
eingebunden und damit auch Mit-Träger der politischen Verantwortung wird. Diese näher zu untersuchenden
Veränderungen haben Einfluss auf das System der (Staats-)Organe untereinander, auf eine der Organstruktur
entsprechende Funktionszuweisung sowie auf die Art und Weise der Legitimationsvermittlung durch das
Parlament. Sie werfen daher Fragen im Hinblick auf das Prinzip der Gewaltenteilung sowie auf das
Demokratieprinzip auf, die aus der Perspektive der Allgemeinen Staatslehre näher beleuchtet werden.