Menschliches Verhalten und Maschinen-Simulation in Verarbeitung von (Mor)Phonotaktik
Human Behavior and Machine Simulation in the Processing of (Mor)Phonotactics
Bilaterale Ausschreibung: Frankreich
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Phonotactics,
Computational Modeling/Simulation,
Consonant Clusters,
French/German,
Acquisition/Production Analysis,
Morphonotactics
Phonotaktik umfasst die sequentielle Anordnung phonemischer Segmente in Morphemen, Silben und Wörtern und liegt einem weiten Bereich phonologischer Phänomene und ihrer Interaktion mit Grammatik zu Grunde, Ziel unseres Forschungsprojekts ist die Erforschung der psycholinguistischen und komputationellen Repräsentation der Phonotaktik im Französischen und Deutschen. Unsere Forschung wird sich auf das Zusammenspiel von Phonotaktik und Morphologie konzentrieren und die Repräsentationen der sprachlichen und komputationellen Verarbeitung von Konsonantengruppen untersuchen, und zwar nach ihrem Status als: a) ausschließlich phonotaktische Gruppen, d.h. die Konsonantengruppe kommt nur innerhalb von Morphemgrenzen vor (z.B. Stein); b) ausschließlich morphonotaktische Gruppen, d.h. die Konsonantengruppe kommt nur über Morphemgrenzen vor (z.B lach+st); c) beides trifft zu, wobei a) oder b) mehr oder weniger dominiert (z.B. dominant lob+st vs. Obst). Daher werden wir die verschiedenen kognitiven und komputationellen Repräsentationen und Prozesse für dieselben und für ähnliche Konsonantengruppen je nach ihrer Zugehörigkeit zu a) oder b) oder c) testen. Insbesondere nehmen wir an dass Morphemgrenzen beinhaltende Phonemsequenzen (morphonotaktische Gruppen) Sprechern funktionelle Evidenz` über die dort auftretende morphologische Operation verschaffen, worüber Dressler und MitarbeiterInnen ein Modell der Morphonotaktik und die Starke Morphonotaktische Hypothese` entwickelt haben, dass Phonotaktik und Morphologie einander in ausschließlich oder vorwiegend morphonotaktischen Sequenzen unterstützen, was Auswirkungen für Modularitätshypothesen hat. Die Kompetenzen der beiden Forschungsgruppen überlappen sich und ergänzen einander. Die französische Gruppe wird in der Modellierung, komputationellen Simulation und bei psycholinguistischen Experimenten führend sein, die österreichische Gruppe bei Erstspracherwerb, phonetischer Produktion und mikrodiachronem Sprachwandel (einschließlich corpuslinguistischer Differenzierung von Genres). Diese Synergien versprechen jede der beiden Gruppen innovativ zu bereichern.
Das bilaterale internationale Forschungsprojekt (ANR: Frankreich/FWF: Österreich) Be- SyMPHONic Menschliches Verhalten und Maschinen-Simulation in Verarbeitung von (Mor)Phonotaktik befasste sich mit dem humansprachlichen Verhalten in der Verarbeitung von (mor)phonotaktischen Konsonantenverbindungen, wie /st/ in morphonotaktisch lob+st (d.h. durch Morphologie entstanden) gegenüber phonotaktisch Obst (so schon im Lexikon ohne Einfluss der Morphologie), sowie deren komputationeller Simulation. Ziel unseres Projekts war die Erforschung der psycholinguistischen und komputationellen Repräsentation der (Mor)Phonotaktik im Französischen und Deutschen. Dabei hat sich für das österreichische Deutsch gezeigt, dass die von Wolfgang U. Dressler und KollegInnen aufgestellte Starke Morphonotaktische Hypothese, die besagt, dass morphonotaktische Konsonantenverbindun-gen aufgrund der morphologischen Information, die diese beinhalten, leichter erworben werden und sich beschleunigend auf die Sprachverarbeitung auswirken, für das Deutsche nur in sehr beschränkter Form bestätigt werden kann, sowohl was den Erstspracherwerb als auch die Sprachverarbeitung betrifft. Die österreichische Gruppe führte das Konzept des morphologischen Reichtums ein: morphonotaktische Verarbeitung ist im reichen deutschen Kompositionssystem erleichtert, im Gegensatz zum ärmeren Flexionssystem. Überdies wurden zwei neue wesentliche Faktoren für die Erleichterung der Verarbeitung herausgefunden und erstmalig eingeführt, Familiarität und Fremdheit. Es hat sich gezeigt, dass Wörter schneller verarbeitet und signifikant richtiger erkannt werden, je bekannter das Wort ist (im Speziellen bei der Komposition, z.B. Haus+tier) und je frequenter es ist (im Speziellen bei Ableitungen, z.B. Zauber+er). Haben Wörter Morphemgrenzen und sind sie überdies unbekannt und fremdartig, so verlangsamen sie die Verarbeitung signifikant und dies unabhängig davon, ob sie ebenfalls eine Konsonantenverbindung beinhalten. Bei den akustischen Analysen (mor-)phonotaktischer Konsonantencluster ergaben sich keine Unterschiede in der sprachlichen Realisierung von morphonotaktischen gegenüber phonotaktischen Konsonantenclustern, im Gegensatz zu Ergebnissen über Englisch. Unsere Forschung konzentrierte sich auf das Zusammenspiel von Phonotaktik und Morphologie und untersuchte die Repräsentationen der sprachlichen und komputationellen Verarbeitung von Konsonantenverbindungen, und zwar nach ihrem Status als: a) ausschließlich phonotaktische Gruppen, d.h. die Konsonantengruppe kommt nur innerhalb von Morphemgrenzen vor, wie z.B. [t] in Stein; b) ausschließlich morphonotaktische Gruppen, d.h. die Konsonantengruppe kommt nur uber Morphemgrenzen hinweg vor, wie z.B. [xst] in lach+st; c) beides trifft zu, wobei a) oder b) mehr oder weniger dominiert, wie z.B. [st] in dominant los+te vs. Kiste. Daher wurden die verschiedenen kognitiven und komputationellen Repräsentationen und Prozesse einerseits fur dieselben, andererseits fur ähnliche Konsonan-tengruppen je nach ihrer Zugehörigkeit zu a) oder b) oder c) getestet. Insbesondere sind wir davon ausgegangen, dass Morphemgrenzen beinhaltende Phonemsequenzen (morphonotaktische Gruppen) Sprechern funktionelle Evidenz uber die dort auftretende morphologische Operation verschaffen, und dass Phonotaktik und Morphologie einander in ausschließlich oder vorwiegend morphonotaktischen Sequenzen unterstutzen. Der österreichische Teilbereich des Projekts befasste sich vor allem mit Erstspracherwerb, sowie phonetischer Produktion, und Verarbeitungsexperimenten mit Erwachsenen in verschiedenen Bereichen der Wortbildungsmorphologie, mehr als in der zuvor vorrangig behandelten Flexionsmorphologie.
- Sylvia Moosmüller, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Barbara Köpke, Université de Toulouse - Le Mirail - Frankreich
- Basilio Calderone, Université de Toulouse - Le Mirail - Frankreich
- Fabio Montermini, Université de Toulouse - Le Mirail - Frankreich
- Franck Sajous, Université de Toulouse - Le Mirail - Frankreich
- Helene Giraudo, Université de Toulouse - Le Mirail - Frankreich
- Nabil Hathout, Université de Toulouse - Le Mirail - Frankreich
- Gary Libben, Brock University - Kanada
Research Output
- 106 Zitationen
- 2 Publikationen
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2016
Titel Increasing selectivity and coverage in LC-MS based metabolome analysis DOI 10.1016/j.trac.2016.06.011 Typ Journal Article Autor Ortmayr K Journal TrAC Trends in Analytical Chemistry Seiten 358-366 -
2015
Titel Inference of directional selection and mutation parameters assuming equilibrium DOI 10.1016/j.tpb.2015.10.003 Typ Journal Article Autor Vogl C Journal Theoretical Population Biology Seiten 71-82