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Landnutzungsverhalten und institutioneller Rahmen

Land use behavior under different institutional settings

Klaus Salhofer (ORCID: 0000-0002-4119-648X)
  • Grant-DOI 10.55776/I3505
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2017
  • Projektende 30.09.2021
  • Bewilligungssumme 285.688 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Agrarwissenschaften (60%); Soziologie (40%)

Keywords

    Land Ownership, Land Use Behavior, Environmental Efficiency, Soil Conservation, Human-Nature-Relationships, Agri-environmental Schemes

Abstract Endbericht

Ökonomen haben immer wieder gezeigt, dass unsichere Eigentumsverhältnisse zur einer ineffizienten Allokation von Ressourcen führen kann. Ein Beispiel dafür können gepachtete landwirtschaftliche Flächen sein. Wenn eine Landwirtin damit rechnen muss, dass ihr gepachteter Boden nur für einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung steht, dann wird sie vielleicht bei der Bewirtschaftung dieses Bodens weniger Sorgfalt waltet lassen als auf ihrem Eigentum. Sie würde dann beispielsweise erosionsanfälliger Pflanzensorten anbauen und kürzere oder keine Fruchtfolgen anwenden. Dies führt langfristig zur einer geringeren Bodenqualität und Ertragsfähigkeit. Wenn man bedenkt, dass die Pachtanteile bei landwirtschaftlichem Boden in den meisten Ländern der EU bereits sehr hoch sind und noch weiter steigen, erscheint es wichtig, den Einfluss der Besitzverhältnisse auf das Landnutzungsverhalten der Landwirte zu verstehen um, wenn nötig, entsprechende Gegenmaßnahmen zu setzen. Ein Instrument um mögliche negative Effekte der Landbewirtschaftung zu beseitigen oder abzuschwächen sind freiwillige Agrarumweltprogramme, die Landwirten einen monetären Anreiz für umweltfreundliche Produktionsverfahren bieten. Vor diesem Hintergrund versucht dieses Forschungsprojekt den Einfluss von Eigentumsrechten und Agrarumweltprogrammen (AUP) auf das Verhalten der Landwirte bezüglich des Bodenschutzes zu erforschen. Unter anderem stellen wir uns folgende Fragen: 1) Wie wirken sich die Eigentumsrechte und Vertragslaufzeit auf die angebaute Pflanzenart und die Fruchtfolge aus. 2.) Inwieweit spielt das Eigentumsverhältnis bei der Teilnahme an Agrarumweltprogrammen eine Rolle? 3.) Gibt es einen positiven oder einen negativen Zusammenhang zwischen der ökonomischen Effizienz und der Umwelteffizienz landwirtschaftlicher Betriebe und welche Rolle spielen dabei die Eigentumsverhältnisse? 4.) Wie hängt das tatsächliche Landnutzungsverhalten der Landwirte und die Teilnahme an Agrarumweltprogrammen von seinen Einstellungen insbesondere zur Natur ab? 5.) Können wir unterschiedliche Typen von Landwirten identifizieren, die man eventuell auf unterschiedliche Art und Weise zu umweltgerechteren Verhalten motivieren muss? Um diese Fragen zu beantworten greifen wir sowohl auf ökonomische als auch auf sozialpsychologische Theorien und Modelle zurück. Wir versuchen diese Methoden zu erweitern und auf die Entscheidungssituation relativ kleiner und teilweise im Nebenerwerb agierender Familienbetriebe, deren Handeln eng mit der Natur verknüpft ist, anzupassen. Der empirische Teil unserer Arbeit basiert auf einer sehr umfangreichen und außergewöhnlichen Datenbasis. Einerseits verwenden wir einen Datensatz, der für ganz Österreich über mehrere Jahre die Anbauentscheidung der Landwirte auf der Ebene der einzelnen Feldstücke nachvollziehen lässt. Andererseits verbinden wir ökonomischen Daten aus den Buchführungsergebnissen einzelner Betriebe mit Daten aus sozialpsychologisch motivierter Befragungen dieser Landwirte.

Ökonominnen argumentieren seit langem, dass unsichere Eigentumsrechte zu einer ineffizienten Allokation von Ressourcen führen. Ein Beispiel hierfür ist der Besitz landwirtschaftlicher Flächen. Wenn eine Landwirtin damit rechnet, dass ihr Pachtvertrag nach einer gewissen Zeit endet, wird sie bei der Bewirtschaftung dieser Flächen vielleicht weniger sorgsam vorgehen als mit ihrem Eigentum. Sie könnte zum Beispiel erosionsgefährdetere Pflanzen anbauen und kürzere Fruchtfolgen anwenden. Dies führt langfristig zu einer geringeren Bodenqualität und Erträgen. In diesem Zusammenhang wichtig ist, dass der Pachtanteil bei landwirtschaftlichen Flächen in den meisten EU-Ländern bereits sehr hoch ist und weiter zunimmt. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Forschungsprojekt den Einfluss von Pacht und Agrarumweltprogrammen auf das Bodenschutzverhalten österreichischer Landwirte. Zur Beantwortung der Forschungsfragen nutzen wir sowohl ökonomische als auch sozialpsychologische Theorien und Modelle. Wir analysieren große Datensätze, die Informationen auf der Ebene einzelner landwirtschaftlicher Betriebe und einzelner Feldstücke von Betrieben, sowie Umfragen und Interviews mit Landwirtinnen enthalten. Die wichtigsten Ergebnisse unserer Forschung sind: i) Pacht von Fläche ist wichtig für landwirtschaftliche Betriebe, um ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Betriebe mit höheren Pachtanteilen produzieren näher an ihren technischen Möglichkeiten und ihre Größe liegt näher an der wirtschaftlich optimalen Größe. Eine wichtige Voraussetzung scheint jedoch, dass die Pachtverträge gesichert und langfristig sind. ii) Unsere Ergebnisse bezüglich der Wirkung der Pacht von Flächen auf die Umweltleistung landwirtschaftlicher Betriebe sind gemischt. Auf der einen Seite stellen wir anhand eines großen Datensatzes mit Informationen auf Feldstückebene und qualitativen Interviews fest, dass die meisten österreichischen Landwirte bei der Entscheidung was sie anbauen, nicht zwischen gepachteten und eigenen Ackerflächen unterscheiden. Eine Umfrage bestätigt diesen Befund auch für eine Liste von 16 verschiedenen Bodenschutzmaßnahmen. Auf der anderen Seite finden wir auf der Grundlage von Daten auf Betriebsebene einen signifikant negativen Einfluss des Pachtanteils auf die Bodenschutzeffizienz der Betriebe und ein erhebliches Potenzial zur Verringerung des Bodenverlusts. Das Hauptreduktionspotential ergibt sich aus der Stilllegung erosionsgefährdeter Gebiete mit geringem Ertragspotential. iii) Basierend auf Interviews mit Landwirten identifizieren wir vier verschiedene Typen von Landwirten, deren Bodenmanagement durch unterschiedliche Aspekte motiviert ist. Dazu gehören die Sorge hinsichtlich der Umwelt, die Rentabilität des landwirtschaftlichen Betriebes, die Lebensmittelproduktion und die persönliche Freiheit. Aufbauend auf dieser Typologie der Landwirten zeigen wir, dass sich verschiedene Typen tatsächlich in ihrem Grad der Teilnahme an Agrarumweltprogrammen unterscheiden. Die Ergebnisse unserer Forschung verbessern unser Verständnis der Landnutzungsentscheidungen von Landwirtinnen und wie diese durch den institutionellen Rahmen beeinflusst werden. Damit trägt sie zu einer besseren Politik und zum langfristigen Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Oliver Mußhoff, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland
  • Martin Odening, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
  • Matthias Ritter, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
  • Tobia Lakes, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
  • Alfons Balmann, IAMO Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa - Deutschland
  • Daniel Müller, IAMO Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa - Deutschland
  • Vladislav Valentinov, IAMO Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa - Deutschland
  • Axel Werwatz, Technische Universität Berlin - Deutschland
  • Silke Hüttel, Universität Rostock - Deutschland

Research Output

  • 203 Zitationen
  • 16 Publikationen
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2022
    Titel Transient and Persistent Technical Efficiency and its Determinants: The Case of Crop Farms in Austria.
    Typ Journal Article
    Autor Addo
    Journal Applied Economics
  • 2022
    Titel Part-Time Farming and Scale Efficiency
    Typ Journal Article
    Autor Addo
    Journal German Journal of Agricultural Economics
    Seiten 16-35
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Land tenure, soil conservation, and farm performance: An eco-efficiency analysis of Austrian crop farms
    DOI 10.1016/j.ecolecon.2020.106861
    Typ Journal Article
    Autor Eder A
    Journal Ecological Economics
    Seiten 106861
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Part-Time Farming and Scale Efficiency
    DOI 10.30430/gjae.2022.0195
    Typ Journal Article
    Autor Addo F
    Journal German Journal of Agricultural Economics
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Transient and persistent technical efficiency and its determinants: the case of crop farms in Austria
    DOI 10.1080/00036846.2021.2000580
    Typ Journal Article
    Autor Addo F
    Journal Applied Economics
    Seiten 2916-2932
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Environmental efficiency measurement when producers control pollutants under heterogeneous conditions: a generalization of the materials balance approach
    DOI 10.1007/s11123-021-00623-y
    Typ Journal Article
    Autor Eder A
    Journal Journal of Productivity Analysis
    Seiten 157-176
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Why do they farm the(ir) land the way they do? Essays on the determinants of Austrian crop farmers' soil management
    Typ PhD Thesis
    Autor Heidrun Leonhardt
  • 2020
    Titel The plurality of farmers’ views on soil management calls for a policy mix
    DOI 10.1016/j.landusepol.2020.104876
    Typ Journal Article
    Autor Braito M
    Journal Land Use Policy
    Seiten 104876
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Assessing productivity and efficiency, and its determinants: A case of crop farms in Austria
    Typ PhD Thesis
    Autor Felicity Addo
  • 2021
    Titel Combining the best of two methodological worlds? Integrating Q methodology-based farmer archetypes in a quantitative model of agri-environmental scheme uptake
    DOI 10.1007/s10460-021-10242-w
    Typ Journal Article
    Autor Leonhardt H
    Journal Agriculture and Human Values
    Seiten 217-232
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Do farmers care about rented land? A multi-method study on land tenure and soil conservation
    DOI 10.1016/j.landusepol.2018.12.006
    Typ Journal Article
    Autor Leonhardt H
    Journal Land Use Policy
    Seiten 228-239
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Who participates in agri-environmental schemes?
    DOI 10.18452/22482
    Typ Other
    Autor Braito M
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Why do farmers care about rented land? Investigating the context of farmland tenure
    DOI 10.2489/jswc.2021.00191
    Typ Journal Article
    Autor Braito M
    Journal Journal of Soil and Water Conservation
  • 2023
    Titel Counterfactual evaluation of two Austrian agri-environmental schemes in 2014-2018
    DOI 10.1111/agec.12805
    Typ Journal Article
    Autor Leonhardt H
    Journal Agricultural Economics
  • 2018
    Titel Motivation Crowding and Participation in Agri-Environmental Schemes – The Case of the Austrian Öpul-Programme in Vineyards
    DOI 10.2478/euco-2018-0021
    Typ Journal Article
    Autor Kieninger P
    Journal European Countryside
    Seiten 355-376
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Regional differences in the capitalisation of first and second pillar payments of the CAP into land rental prices
    DOI 10.1093/erae/jbaa028
    Typ Journal Article
    Autor Salhofer K
    Journal European Review of Agricultural Economics
    Seiten 8-41
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2021
    Titel AGRANA Förderungspreis für Wissenschaft und Forschung
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2021
    Titel Förderpreis der Österreichischen Hagelversicherung
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2021
    Titel Best Poster Award at the Conference of the European Association of Agricultural Economists
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2019
    Titel Invited Plenary Speaker at the 165. EAAE Seminar on Agricultural Land Markets - Recent Developments, Efficiency and Regulation
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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