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Das Rätsel des bildhaften Denkens

The Puzzle of Imagistic Cognition

Christopher Paul Gauker (ORCID: 0000-0002-7940-2760)
  • Grant-DOI 10.55776/I3517
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2018
  • Projektende 30.09.2023
  • Bewilligungssumme 395.178 €
  • Projekt-Website

Bilaterale Ausschreibung: Belgien

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (70%); Psychologie (30%)

Keywords

    Cognition, Mental Imagery, Representation, Perception, Imagination, Philosophy Of Mind

Abstract Endbericht

Oftmals lösen wir praktische Probleme dadurch, dass wir uns die Bewegungen einzelner Gegenstände sowie deren Wechselwirkung zueinander vorstellen. So kann sich beispielsweise ein erfahrener Konstrukteur von Vogelhäusern ein Vogelhaus vorstellen, sich die benötigten Bauteile vorstellen und sich vorstellen, wie diese zusammengesetzt werden müssen. Die Rolle des bildhaften Denkens wird besonders sichtbar, wenn dieses versagt. Zum Beispiel könnten wir für die Verpackung eines Geschenks aus einem Bogen Papier ein Stück herausschneiden, das wir nach unserer bildhaften Vorstellung für groß genug halten, wobei sich dann herausstellt, dass wir es uns falsch vorgestellt haben und es zu klein ist. Überraschenderweise sind die Natur und das Ausmaß unserer Fähigkeit, Probleme durch bildhaftes Denken zu lösen, weder in der Philosophie noch in der Psychologie jemals intensiv erforscht worden. Doch angesichts des gegenwärtigen Interesses an vielen mit dieser Problematik eng zusammenhängenden Fragen ist die Zeit reif dafür, diese Frage aufzunehmen. Die thematisch verwandte Forschung schließt Folgendes ein: die Struktur und den Inhalt perzeptueller Repräsentationen, Szenariozerteilung, perzeptuelles Verfolgen, motorische Kontrolle, sowie die Vorstellung, die Kinder davon haben, wie sich Gegenstände verhalten. Unsere Methoden sind analytisch und integrierend. Ausgehend von der verwandten, bereits vorhandenen Forschung in der Philosophie und der Psychologie streben wir an, eine klare konzeptuelle Grundlage darzulegen. Insbesondere werden wir klar zwischen bildhaften Vorstellungen und diskursiven Repräsentationen, die satzähnliche Darstellungen sind, unterscheiden. Ferner soll das Verhältnis zwischen bildhaften Vorstellungen und deren Inhalten näher untersucht und definiert werden. Auf diesen Grundlagen aufbauend sollen schließlich die Prinzipien des bildhaften Denkens ausgearbeitet werden. Insofern als bildhaftes Denken einen großen Anteil der menschlichen Fähigkeit, Probleme zu lösen, ausmacht, verspricht ein zielgerichtetes Studium dieser Art des Denkens in vielen Bereichen neue Wege zu eröffnen, einschließlich menschlichen Schlussfolgerns, Spracherwerbs und Entwicklungs- und Komparativpsychologie.

Das Rätsel des bildhaften Denkens Bildhaftes Denken besteht aus dem Gebrauch von mentalen bildhaften Vorstellungen, um praktische Probleme zu lösen (z.B. um zu bestimmen, ob zwei Teile eines Apparats zusammenpassen). Bildhaftes Denken ist ein grundsätzlicher Bestandteil der Fähigkeit von Tieren ihre Umgebung zu navigieren, ist aber in der Psychologie nur wenig erforscht worden. Ziel dieses Projekts war es, die philosophischen Grundlagen bildhaften Denkens zu erläutern, um empirische Forschung zu fördern. Zu den grundlegenden Fragen gehören folgende: Was ist die Relation zwischen einer mentalen bildhaften Vorstellung und dem Sachverhalt in der Welt, den die Vorstellung darstellt? Was sind die Prinzipien, die die erfolgreiche Transformation von bildhaften Vorstellungen regulieren? Was ist der Unterschied zwischen mentalen bildhaften Vorstellungen und perzeptuellen Repräsentationen, und wie können erstere zweitere ergänzen und vervollständigen? Welche Rolle spielen episodische Erinnerungen bei der Erzeugung von mentalen bildhaften Vorstellungen? Wie generieren bildhafte Vorstellungen Gedanken mit propositionalem Inhalt (z.B. perzeptuelle Überzeugungen), und wie generieren Gedanken mit propositionalem Inhalt (z.B. Intentionen) bildhafte Vorstellungen (z.B. diejenige, die bei Körperbewegungen verwendet werden)? Welche Rolle spielen mentale bildhafte Vorstellungen im Gebrauch der Imagination im Allgemeinen? Das Projekt unterstützte Postdocs und einen Doktoranden bei der Forschung zu diesen Themen. Ziel war es, bahnbrechende Ergebnisse zu erzielen, die in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert und auf wissenschaftlichen Konferenzen präsentiert werden. Zudem organisierte das Projekt drei Tagungen in Salzburg, zu denen ausgezeichnete Wissenschaftler:innen aus den Bereichen Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften aus verschiedenen Teilen Europas und Nordamerikas anreisten, um Vorträge zu halten. Zwei von den Tagungen haben jeweils drei Tage gedauert und 12 Sprecher umgefasst, und eine Tagung hat einen Tag gedauert und fünf Sprecher umgefasst. Psycholog:innen und Neurowissenschaftler:innen, die an bildhaftem Denken arbeiten, wurden mit zentralen philosophischen Fragen konfrontiert, die sie früher nicht bedacht hatten, und Philosoph:innen haben entdeckt, dass ihre Arbeit durch psychologische und neurowissenschaftliche Experimente informiert werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Bence Nanay, Universiteit Antwerpen - Belgien

Research Output

  • 9 Zitationen
  • 6 Publikationen
  • 3 Disseminationen
Publikationen
  • 2024
    Titel What was that like? Intuitions and the epistemology of consciousness
    DOI 10.1080/0020174x.2024.2312212
    Typ Journal Article
    Autor Ashby B
    Journal Inquiry
  • 2020
    Titel On the Difference Between Realistic and Fantastic Imagining
    DOI 10.1007/s10670-020-00262-z
    Typ Journal Article
    Autor Gauker C
    Journal Erkenntnis
    Seiten 1563-1582
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Amodal Completion: Mental Imagery or 3D Modeling?
    DOI 10.1007/s13164-024-00740-1
    Typ Journal Article
    Autor Gauker C
    Journal Review of Philosophy and Psychology
  • 2022
    Titel Imagining the Actual vs. Possible Future
    DOI 10.4324/9781003153429-5
    Typ Book Chapter
    Autor Barner A
    Verlag Taylor & Francis
    Seiten 54-75
  • 2021
    Titel Imagination constrained, imagination constructed
    DOI 10.1080/0020174x.2021.1933748
    Typ Journal Article
    Autor Gauker C
    Journal Inquiry
    Seiten 485-512
    Link Publikation
  • 0
    Titel What was that like? Intuitions and the epistemology of consciousness
    Typ Journal Article
    Autor Ashby
    Journal Inquiry: An Interdisciplinary Journal of Philosophy
Disseminationen
  • 2022 Link
    Titel Reductive Explanations of Imagination
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Workshop on Imagistic Cognition
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Second Workshop on Imagistic Cognition
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link

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