SALBES - Szenarien für Agrikulturlandschaften
SALBES - Scenarios for Agricultural Landscapes
ERA-Net: Biodiversa
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Agrarwissenschaften (25%); Andere Naturwissenschaften (25%); Biologie (50%)
Keywords
-
Agricultural Landscapes,
Co-design of scenarios,
Ecosystem Services,
Biodiversity,
Governance,
Bio-Economic modelling
Europäische Kulturlandschaften unterliegen einem tiefgreifenden Wandel, der gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und insbesondere auf Biodiversität und Ökosystemleistungen hat. Derzeit sind keine Konzepte verfügbar, um die sogenannte ökologische Infrastruktur, die zum Schutz der biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen notwendig ist, landschaftsspezifisch zu erfassen und zu modellieren und die Resilienz der Ökosysteme unter Einflüssen des Globalen Wandels und einer veränderten Landnutzung zu erhalten. Die Hauptziele von SALBES sind i) Landnutzungstreiber zu identifizieren, ii) Landnutzungsentscheidungen als Folge Stakeholder-basierter Szenarien zu simulieren und iii) die Folgen für Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen zu analysieren. In enger Zusammenarbeit mit Stakeholdern soll auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen (vom Feld zur Landschaft) ein abgestimmtes Set ökonomischer und ökologischer Modelle gekoppelt und angewandt werden. Bestehende generische bio-ökonomische Betriebsmodelle simulieren zukünftige Landnutzungsszenarien auf Grundlage veränderter Rahmenbedingungen, darunter Klimawandel, Marktpreise, Politiken und Agrartechnologien. Darauf bauen Modelle zu Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen auf. Unterschiedliche Rahmenbedingungen sollen anhand von Modellregionen in vier europäischen Ländern repräsentiert werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Stakeholder-Initiativen, insbesondere in der Landwirtschaft, die bereits Schutzprogramme in den landwirtschaftlichen Produktionsprozess implementiert haben. Entscheidende Forschungsaktivitäten werden, unter der Mitwirkung von Interessengruppen, die derzeitige landwirtschaftliche Produktion und zukünftige Optionen analysieren, einschließlich Anpassungen an klimatische Veränderungen und den agrartechnologischen Fortschritt. Die Ergebnisse sollen das Potenzial, aber auch die Grenzen aufzeigen, inwieweit Landwirtschaft die Pflege und den Erhalt von ökologischer Infrastruktur in einer Landschaft leisten kann. Auf verschiedenen Ebenen - von den landwirtschaftlichen Betrieben bis hin zur Politik sollen die kosteneffizientesten Wege zur Schaffung und zum Erhalt von ökologischen Infrastrukturen erarbeitet werden. Der Ansatz, mittels Stakeholder-Beteiligung Modellkombinationen zu erarbeiten, stellt eine innovative wissenschaftliche Weiterentwicklung dar und soll eine Vielfalt von Biodiversitätsfaktoren und Ökosystemleistungen abdecken, die von landschaftsspezifischer Bedeutung sind. Vor allem die entsprechende Integration landwirtschaftlicher Produktionssysteme spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Die Identifikation von Zielen und Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern, zur Sicherung der nachhaltigen Entwicklung landwirtschaftlich geprägter Kulturlandschaften, ist auch von bedeutendem politischem Interesse. Der wissenschaftliche Schwerpunkt seitens des Projektteams der Universität Wien, wird dabei auf der Region Biosphärenpark Wienerwald liegen und im Speziellen folgende Forschungsfrage behandeln: Bewirtschaftungsformen der stadtnahen Agrarlandschaft und deren Einfluss auf die (aktuelle und zukünftige) Rolle artenreicher Wiesen als regionale Hotspots ästhetischer Wertes, Biodiversität und Erholung".
Die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und die Universität Wien (UNIVIE) waren Teil des internationalen Projektes SALBES (salbes.eu) gefördert im Rahmen des Biodiversa Calls BiodivScen (2017-2018). Ziel von SALBES war es, Beziehungen zwischen Landwirtschaft, Klimawandel und dem Schutz der Biodiversität aufzuzeigen. Als Grundlage wurden für vier europäische Fallstudien Szenarien entwickelt. Diese Szenarien beschreiben mögliche klimatische und sozio-ökonomische Rahmenbedingungen (z.B. Preisentwicklungen, Kaufverhalten, öffentliche Förderungen oder technologische Entwicklungen) der Landwirtschaft im Jahr 2050. Beispielsweise wird dargelegt, wie sich die Einstellung der Bevölkerung zu Umwelt und Naturschutz entwickeln könnte, was wiederum eine entscheidende Größe für die politischen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft darstellt. Die Szenarien wurden in integrativen Landnutzungsmodellen verwendet, um die ökologischen und ökonomischen Folgen möglicher zukünftiger Rahmenbedingungen in den jeweiligen Fallstudien zu bewerten. BOKU und UNIVIE bearbeiteten gemeinsam eine Fallstudie im Biosphärenpark Wienerwald. Es wurden mit Hilfe von Expert*innen fünf umfangreiche Szenarien für das österreichische Agrar- und Ernährungssystem erstellt (AT-Agri-SSPs). Jedes dieser Szenarien besteht aus rund 80 unterschiedlichen Elementen, die untereinander stimmig sind. In einem weiteren Schritt wurden die Szenarien auf die regionale Situation des Wienerwaldes übertragen. Mit einem integrativen Landnutzungsmodell berechneten die Forscher*innen die Folgen dieser Szenarien und jene des Klimawandels für ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe und die regionale Biodiversität. Die Modellergebnisse zeigen je nach Szenarienwahl beispielsweise Veränderungen der Erträge, veränderte Mengen an eingesetzten Düngemitteln und letztlich die Folgen für das landwirtschaftliche Einkommen. Der Verlust von Artenvielfalt ist unter anderem eine Folge des Verlustes naturnah bewirtschafteter Flächen. Die klimatische Situation des Wienerwaldes könnte im Jahr 2050 in etwa jener der heutigen Region um den Neusiedlersee oder Süd-West Ungarns entsprechen und 2080 heutigen Situationen in Regionen Kroatiens oder Serbiens. Der Klimawandel wird das Spektrum an landwirtschaftlichen Kulturen verändern. Beispielsweise dürfte die Sojabohne an Attraktivität gewinnen, Getreide eher verlieren. Die Grünlandnutzung wird durch höhere Wasserstressrisiken ohne weitere Anpassungsmaßnahmen an Ertragspotenzial verlieren. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass die Auswirkungen des Klimawandels für die Landwirtschaft bis 2050 möglicherweise geringer ausfallen, als die Folgen veränderter Agrarmärkte und -politiken. In jedem Fall werden die Entscheidungen von Landwirt*innen wie auch in der Vergangenheit maßgeblich für die Biodiversitätsentwicklung sein. Vor allem der Verlust oder Zuwachs von wichtigen naturnahen Lebensräumen in der Agrarlandschaft wie Hecken, Einzelbäumen und Rainen wird aktiv von Landwirt*innen gesteuert. Ergebnisse aus SALBES zeigen, dass der Erhalt bzw. die Zunahme von Grüner Infrastruktur und extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden eine wichtige Rolle für die Zukunft der Biodiversität in landwirtschaftlich geprägten Regionen wie jener des Wienerwaldes spielt. Szenarien und Modellergebnisse, wie in SALBES entwickelt, erlauben eine zielgerichtete Diskussion über die langfristige Entwicklung von Agrarlandschaften und können politische Entscheidungsprozesse unterstützen.
- Universität Wien - 100%
- Peter Zander, Leibniz Centre for Agricultural Landscape Research (ZALF) - Deutschland
- Fred Hattemann, Postdamer Institut für Klimaforschung - Deutschland
- Ulrich Stachow, Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF) e.V. - Deutschland
- Sepp Kalev, University of Tartu - Estland
- Felix Herzog, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART - Schweiz