Das KSZE-Folgetreffen in Wien (1986–1989)
The CSCE Follow-up Meeting in Vienna (1986–1989)
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
International History,
Cold War,
Human Rights,
European Security,
CSCE
Das Projekt thematisiert das Wiener KSZE-Nachfolgetreffen (1986-1989), dessen Untersuchung trotz zunehmenden Interesses am KSZE-Prozess ein Desiderat der zeitgeschichtlichen Forschung darstellt. In dessen Mittelpunkt stehen die humanitäre Dimension und der Sicherheitsaspekt als die beiden großen Verhandlungsfelder auf dem Treffen sowie die daran beteiligten staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure. Über beide Themen konnte am Ende weitgehend Einigkeit erzielt werden, so dass bereits Anfang 1989 das Ende des Ost-West-Konflikts greifbar erschien. Wie es dazu kam, wo dies auf eine gewisse Eigenlogik des KSZE-Prozesses und wo dies auf Einflüsse von außen zurückzuführen war, wird in dem Forschungsprojekt anhand von sechs eng aufeinander abgestimmten Einzelthemen untersucht. Das Ziel besteht darin, den KSZE-Prozess als dynamisches Element in der Endphase des Kalten Krieges genauer zu verorten und seine Bedeutung als entspannungspolitischen Faktor des Ost-West-Konflikts herauszuarbeiten.
Beim Ende des Kalten Krieges denken viele an den Fall der Berliner Mauer oder die Grenzöffnung zwischen Österreich und Ungarn. Nur selten wird in diesem Zusammenhang ein Prozess erwähnt, der mehr als zwei Jahrzehnte zuvor begonnen hatte: die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Sie bildete ein Kommunikationsforum über die Blockgrenzen des Kalten Krieges hinweg. Die 35 Teilnehmerstaaten verhandelten über die Gestaltung ihrer Beziehungen zueinander. Das dritte KSZE-Folgetreffen, welches von 1986 bis 1989 in Wien stattfand, gilt als zweiter Höhepunkt des KSZE-Prozesses nach dem Abschluss der ersten Konferenz 1975. Besonders in Bezug auf humanitäre Fragen konnten weitreichende Errungenschaften erzielt werden. Das Projekt ging der Frage nach, welche Faktoren und Akteursgruppen dafür von Bedeutung waren. Hierzu wurden Dokumente aus verschiedenen Archiven analysiert. Zusätzlich wurden Interviews mit Zeitzeuginnen bzw. Zeitzeugen geführt, die mediale Berichterstattung untersucht und Memoiren und Schriften von Diplomatinnen und Diplomaten einbezogen. Die Auswertung dieses Quellenkorpus zeigt verschiedene Aspekte auf, die zum Erfolg des Wiener Folgetreffens beitrugen. Zunächst beeinflussten verbesserte Ost-West-Beziehungen, besonders das Verhältnis der beiden Großmächte zueinander, die Verhandlungen. Außerdem nahmen Bürger- und Menschenrechtsorganisationen direkt und indirekt vermehrt Einfluss auf die Verhandlungen. Sie wandten sich in Briefen und persönlichen Gesprächen an Delegationen, erregten durch Diskussionsrunden und andere Veranstaltungen aber auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Eben diese Öffentlichkeit ist der dritte Faktor, der die Verhandlungen beeinflusste. Bei der Analyse der Entwicklung des Wiener Folgetreffens darf besonders ein Faktor nicht außer Acht gelassen werden: die Rolle Michail Gorbatschows als neuem Machthaber in der Sowjetunion. Er leitete bereits vor dem Wiener Folgetreffen eine neue Menschenrechtspolitik ein, welche Einfluss auf die Verhandlungen hatte. Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung des Wandels in einigen osteuropäischen Staaten für das Wiener Folgetreffen. Der Warschauer Pakt war nicht länger ein monolithischer Block, die Sowjetunion nicht sein Sprachrohr. Die einzelnen Staaten setzten sich im Verlauf der Verhandlungen verstärkt für ihre eigenen Interessen ein. Durch all diese Aspekte war es möglich, in Wien Themen zu verhandeln, die bei den vorausgegangenen Treffen noch tabu gewesen waren. Zu den wichtigsten Ergebnissen des Wiener Folgetreffens gehören Erleichterungen für Familienzusammenführungen, verbesserte Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten und Bestimmungen, welchen Menschenrechtsorganisationen mehr Handlungsfreiheiten einräumten. Das größte Novum war der sogenannte Wiener Mechanismus. Durch ihn konnte auch außerhalb von KSZE-Veranstaltungen auf Menschenrechtsverletzungen eingegangen und der Handlungsdruck auf den jeweiligen Staat erhöht werden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es ein Zusammenspiel vieler Faktoren war, welches dazu führte, dass das Wiener KSZE-Folgetreffen mit einem so umfassenden Schlussdokument abgeschlossen werden konnte.
- Universität Innsbruck - 100%
- Andreas Wirsching, IFZ - Institut f. Zeitgeschichte - Deutschland
- Hermann Wentker, IFZ - Institut für Zeitgeschichte München - Aussenstelle Berlin - Deutschland
- Matthias Peter, IFZ - Institut für Zeitgeschichte München - Aussenstelle Berlin - Deutschland
- Michael Gehler, Universität Hildesheim - Deutschland
- Christian Wenkel, Deutsches Historisches Institut in Paris - Frankreich
- Maximilian Graf, European University Institute - Italien
- Wanda Jarzabek, Polish Academy of Sciences - Polen
- Matthias Uhl, Deutsches Historisches Institut Moskau - Russland
- Jussi Hanhimäki, Graduate Institute Geneva - Schweiz
- Miroslav Kunstat, Charles University Prague - Tschechien
- Christian F. Ostermann, Woodrow Wilson Center - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 1 Zitationen
- 19 Publikationen
- 1 Weitere Förderungen
-
2020
Titel Cold War Studies Typ Other Autor Hechenblaikner N Link Publikation -
2024
Titel Diplomatie und ihre Einflüsse. Prägende Akteursgruppen für die Verhandlungen zur humanitären Dimension beim KSZE-Folgetreffen in Wien (1986-1989) Typ Journal Article Autor Hechenblaikner Journal Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften Seiten 154-173 Link Publikation -
2024
Titel "Das war damals eine Aufbruchsatmosphäre". Die Berichterstattung über das dritte KSZE-Folgetreffen in Wien (1986-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz 15. Österreichischer Zeitgeschichtetag -
2025
Titel Stimmen aus Wien. Das Wiener KSZE-Folgetreffen (1986-1989) in Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen; In: Diplomatie am Ende des Kalten Krieges. Erinnerungen an die dritte KSZE-Folgekonferenz in Wien 1986-1989 Typ Book Chapter Autor Habel K Verlag Georg Olms Verlag Seiten 11-47 Link Publikation -
2025
Titel Diplomatie am Ende des Kalten Krieges. Erinnerungen an die dritte KSZE-Folgekonferenz in Wien 1986-1989 Typ Book Autor Habel K editors Habel K, Hechenblaiker N, Kaiser J, Schrenk W Verlag Georg Olms Verlag Link Publikation -
2023
Titel Freiheit und Sicherheit. Die KSZE und das Ende des Kalten Krieges (1986-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N Link Publikation -
2023
Titel Die KSZE und der Umweltschutz. Korb II beim Wiener KSZE-Folgetreffen (1986-1989) aus der Perspektive der Ballkausplatzdiplomatie Typ Other Autor Laimer R Link Publikation -
2022
Titel Schlagzeile oder Randnotiz? Die humanitäre Dimension der Wiener KSZE-Folgekonferenz in österreichischen und bundesdeutschen Tageszeitungen Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz Freiheit und Sicherheit am Ende des Kalten Krieges (1986-1989) -
2022
Titel The importance of networks. Human Rights at the third CSCE Follow-up Meeting in Vienna (1986-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz Workshop Neutral States and Non-State actors and Geopolitics -
2022
Titel Die Überwindung der Teilung Europas. Das dritte KSZE-Folgetreffen in Wien (1968-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz Teilungen Europas - Ideen, Politik, Praktiken -
2022
Titel Die humanitäre Dimension des KSZE-Folgetreffens in Wien. Menschenreche am Ende des Kalten Krieges Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz 14. Österreichischer Zeitgeschichtetag -
2022
Titel Durchbruch bei den Menschenrechten? Die humanitäre Dimension des dritten KSZE-Folgetreffens in Wien (1986-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N -
2022
Titel Steter Tropfen höhlt den Stein? Verhandlungen zu kulturellen Kooperationen am Wiener Folgetreffen Typ Other Autor Brait A Konferenz Freiheit und Sicherheit am Ende des Kalten Krieges (1986-1989) -
2022
Titel Das "Stiefkind" der Wiener KSZE-Konferenz? Korb II aus der Perspektive der Ballhausplatzdiplomatie Typ Other Autor Laimer R Konferenz Freiheit und Sicherheit am Ende des Kalten Krieges (1986-1989) -
2024
Titel Die humanitäre Dimension des KSZE–Prozesses und das Ende des Kalten Krieges DOI 10.13173/9783447122269.015 Typ Book Chapter Autor Hechenblaikner N Verlag Harrassowitz Publishing House Seiten 15-26 -
2021
Titel Research with digitized historical newspaper in practice. Challenges, methods and collaboration Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz ONB Labs Symposium 2021 -
2021
Titel "Wir hoffen auf Ihre Hilfe!". Die humanitäre Dimension des dritten KSZE-Folgetreffens in Wien (1986-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz Workshop on Cold War Studies -
2021
Titel Breakthrough in Human Rights? The CSCE Follow-Up Meeting in Vienna, The CSCE Follow-up Meeting in Vienna (1986-1989) Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz Struggling for Human Rights and European Security at the End of the Cold War -
2021
Titel Durchbruch bei den Menschenrechte? Die Auswirkung des Wandels in Osteuropa auf das KSZE-Folgetreffen in Wien Typ Other Autor Hechenblaikner N Konferenz Forschungskolloquium der Stiftung Universität Hildesheim
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2024
Titel Freiheit und Sicherheit. Das Wiener KSZE-Folgetreffen Typ Capital/infrastructure (including equipment) Förderbeginn 2024 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)