Biodiversität: Ausbreitungsbarriere für Antibiotikaresistenz (ANTIVERSA)
Biodiversity: Barrier for Antibiotic Resistance (ANTIVERSA)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (95%); Geowissenschaften (5%)
Keywords
-
Biodiversity,
Ecological Barrier,
Emerging Contaminants,
Soil,
Waste Water,
Antimicrobial Resistance
Antibiotikaresistenzen (AR) stellen eine akute Bedrohung für die Gesundheit der Weltbevölkerung dar. Ohne Eindämmung der Ausbereitung von Resistenzen werden bis zum Jahr 2050 jährlich 10 Millionen Todesfälle prognostiziert, die direkt oder indirekt auf AR zurückzuführen sind. Koordinierte Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung der gegenwärtig kursierenden Antibiotikaresistenzgen-Seuche auf nationaler sowie internationaler Ebene sind daher unabdingbar. Antibiotikaresistenzen können über Umweltquellen (z.B. Böden, Oberflächengewässer, Abwässer) verbreitet und über die Lebens- und Futtermittelkette wieder in human- oder tierpathogene Bakterien eingebracht werden. Diese Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen über Ökosystemgrenzen hinweg sollte verhindert oder massiv reduziert werden. Im vorliegenden Projekt wird überprüft, ob eine gesunde natürliche Umwelt mit einer hohen Vielfalt an unterschiedlichen Bakterien-, Pilz-, Tier- und Pflanzenarten (= hohe Biodiversität) eine Ausbreitungsbarriere für Antibiotikaresistenzen darstellt. Stark anthropogen exponierte Ökosysteme wie z.B. intensiv genutzte landwirtschaftliche Nutzflächen (= Ackerböden mit niedriger Biodiversität) werden diesbezüglich mit natürlichen Ökosystemen und einer hohen Biodiversität (z.B. Waldböden, Naturschutzgebiete) auf ihre Widerstandskraft gegen die Einbringung, Verbreitung und Amplifikation von Antibiotikaresistenzen verglichen. Zu diesem Zweck werden entsprechende Bodenproben ins Labor verfrachtet und unter kontrollierten Bedingungen mit verschiedenen Agentien bearbeitet und mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen exponiert, die Auskunft darüber geben sollen, unter welchen Bedingungen ein Transfer von Antibiotikaresistenzgenen und oder deren Träger besonders leicht stattfinden oder eben verhindert werden kann. Hypothesen: Wir gehen davon aus, dass Häufigkeit und Vielfalt von Antibiotikaresistenzgenen und resistenten Bakterien invers mit der im Ökosystem anzutreffenden Biodiversität korreliert. Ein gesundes, hochbiodiverses Ökosystem sollte demnach eine Barrierefunktion gegen die Invasion von ARB und ARGs darstellen. Methoden: Zur Abklärung der Fragestellung werden folgende Methoden herangezogen: Für die Bestimmung der Biodiversität der untersuchten Boden- und Wasserproben werden vor allem molekulargenetische Techniken herangezogen. Die vorhandenen Bakterien-, Pilz- und Kleintierarten werden mittels Sequenzierung der 16S rRNA Gene mit neuen Verfahren (=Next Generation Sequencing) erfasst. Es kommen aber visuelle und mikroskopische Ansätze zur Anwendung. Antibiotikaresistenzgene werden mittels quantitativer real time PCR erfasst. Die Überwindung von Ökosystemgrenzen wird mittels markierten Krankheitserregern im geschlossenen Labor- und Glashaussystem überprüft Neuigkeitswert: Die Rolle, die die Biodiversität bei der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen spielt, ist zurzeit unklar. Angesichts der Umwälzungen im globalen Klima und der gegenwärtigen Antibiotikaresistenzkrise ist es jedoch von höchstem Interesse Mittel und Wege zu finden, um Risikomanagern Hilfestellung geben zu können, damit evidenzbasierte Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen via Umweltquellen gesetzt werden können. Dies wäre ein wesentlicher Fortschritt beim Schutz von Mensch, Tier und Pflanze gegen Infektionskrankheiten ausgelöst durch resistente Erreger.
ANTIVERSA (I 4374-B): Biodiversität als ökologische Barriere gegen die Ausbreitung von klinisch relevanten Antibiotikaresistenzen in der Umwelt Antimikrobielle Resistenzen (AMR) gehören global betrachtet zu den größten Bedrohungen für die individuelle und die Öffentliche Gesundheit. Eine Reduzierung der Ausbreitung von AMR über Ökosystemgrenzen hinweg ist ein Schlüsselelement bei der Bekämpfung von durch antibiotikaresistente Bakterien (ARB) verursachten Infektionskrankheiten. Im ANTIVERSA Projekt wurde ermittelt, ob eine hohe mikrobielle Diversität in Boden- und Wasserökosystemen eine ökologische Barriere gegen die Ausbreitung und Persistenz von ARB und assoziierten Antibiotikaresistenzgenen (ARGs) bilden kann und wie sich die künstliche Zufuhr von Ressourcen bzw. Umweltkontaminanten (Gülleausbringung, geklärtes Abwasser) und Klimaveränderung (Hitzestress) auf den Invasionsprozess auswirken. Im Rahmen des Projektes wurde die mikrobielle Biodiversität in verschiedenen Bodentypen und Wasserhabitaten untersucht und die natürlich vorkommenden ARG-Konzentrationen in diesen Ökosystemen bestimmt. In Böden korrelierte eine hohe Biodiversität signifikant negativ mit der relativen Häufigkeit der meisten getesteten ARGs (>85%). Auch die Konzentration der detektierten ARGs war niedriger in hoch diversen Systemen. Beides deutet auf einen Barriere-Effekt hin. Ähnliche Barriere-Effekte konnten in hoch-dynamischen und durchmischten Flüssen nicht beobachtet werden. Im Labor wurden Bodenmikrokosmen von anthropogen exponierten (Gülle- und nicht gedüngte Felder) und nicht exponierten Böden (Wälder) mit hoher oder niedriger Biodiversität und Wassermikrokosmen, die dieselben Eigenschaften aufwiesen, etabliert. Durch Spiken dieser Mikrokosmen mit ARB, die Plasmid-gebundene ARGs trugen, wurde der Erfolg einer AMR-Invasion beobachtet. Native Böden mit intakter Biodiversität reduzierten innerhalb kurzer Zeit die Konzentration der verabreichten ARB inkl. des Plasmids um den Faktor 1000-10000. Ein Plasmid-Transfer konnte über einen Zeitraum von sieben Monaten nicht beobachtet werden. In Böden mit niedriger Biodiversität konnte keine Reduktion des resistenten Spike-Stammes nachgewiesen werden. Zusätzlich durchgeführte Mikrokosmos-Experimente (Boden, Wasser) bestätigten, dass anthropogene Stressoren (Gülledüngung, Abwasser) oder Klimaveränderung (Hitzestress) die mikrobielle Biodiversität beeinflussen und so den Barriere-Effekt beeinträchtigen. Da AMR ein Problem von globaler Bedeutung ist, ist eine internationale Zusammenarbeit notwendig. Das ANTIVERSA-Konsortium bestand aus acht Partnern aus sieben Europäischen Ländern (AT, CH, DE, FR, IRL, PL, RO), was eine europaweite Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglichte. Der österreichische Projektbeitrag wurde von Arbeitsgruppen der AGES und der TU Wien geliefert. Wir konnten eindeutig demonstrieren, dass mikrobielle Biodiversität als Barriere gegen die Ausbreitung von AMR in der Umwelt wirkt. Die Erhaltung von hoch-diversen mikrobiellen Ökosystemen ist ausschlaggebend, um die Ausbreitung von AMR zu reduzieren und das Risiko einer Übertragung auf Menschen und Tiere zu vermindern. Die erzielten Ergebnisse erleichtern das AMR Umweltrisikoassessment und unterstützen die Ausarbeitung von evidenzbasierten Maßnahmen zur Reduzierung der AMR-Ausbreitung in der Umwelt und zum Schutz der Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze.
- Julia Vierheilig, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Norbert Kreuzinger, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Volker Kühn, Stadtentwaesserung Dresden - Deutschland
- Thomas Berendonk, Technische Universität Dresden - Deutschland
- Christophe Merlin, Université de Lorraine - Frankreich
- Fiona Walsh, Maynooth University - Irland
- Magdalena Popowska, University of Warsaw - Polen
- Cristian Coman, Institute of Biological Research Cluj - Rumänien
- Helmut Bürgmann, EAWAG-ETH - Schweiz
Research Output
- 84 Zitationen
- 4 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Methoden & Materialien
- 8 Disseminationen
- 2 Weitere Förderungen
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2023
Titel Microbiome diversity: A barrier to the environmental spread of antimicrobial resistance? DOI 10.34726/5347 Typ Other Autor Gionchetta G Link Publikation -
2023
Titel Microbiome diversity: A barrier to the environmental spread of antimicrobial resistance? DOI 10.1101/2023.03.30.534382 Typ Preprint Autor Klümper U Seiten 2023.03.30.534382 Link Publikation -
2024
Titel Environmental microbiome diversity and stability is a barrier to antimicrobial resistance gene accumulation DOI 10.1038/s42003-024-06338-8 Typ Journal Article Autor Klümper U Journal Communications Biology Seiten 706 Link Publikation -
2020
Titel Resilience of agricultural soils to antibiotic resistance genes introduced by agricultural management practices DOI 10.1016/j.scitotenv.2020.143699 Typ Journal Article Autor Radu E Journal Science of The Total Environment Seiten 143699 Link Publikation
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2022
Titel Close Collaboration with Austrian Ministries of Health and Agriculture Typ Participation in a guidance/advisory committee
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2021
Titel Design of artificial exposure units (AEU) for sampling microbial biofilms in river waters Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich
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2023
Link
Titel Interview for national news: APA (Gesunde Böden reduzieren Gefahr für Antibiotika-Resistenzen) Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
Titel Kinderuniversität: Sommer 2022 Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2022
Titel EFSA scientific network on emerging risks: Creating awareness for AMR in the environment Typ A formal working group, expert panel or dialogue -
2023
Link
Titel Interview for national news: FWF/SciLog (Biodiversity as a barrier for antimicrobial resistance) Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2022
Link
Titel Interview for national news: Der Standard (Je gesünder die Böden, desto weniger Antibiotika-Resistenzen) Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2023
Link
Titel Interview for national news: FWF/SciLog (Biodiverse Barrieren) Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2022
Link
Titel Interview for national news: Die Presse (Freie Bahn für resistente Mikroben?) Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
Titel AGES: 20th Anniversary: Feature film on AMR in the environment (Finalist: best 3 projects in Environmental Health over the last 20 years) Typ Participation in an activity, workshop or similar
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2024
Titel FFG-KIRAS Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2024 -
2020
Titel "One Health" European Joint Programme: FED-AMR Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2020