DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
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Neolithic,
Mediterranean archaeology,
Radiocarbon dating,
Bell Beakers,
Maritime connectivity
Während des 3. Jahrtausends v. Chr. waren die Menschen entlang der Küsten des zentralen und westlichen Mittelmeers durch ineinandergreifende maritime Netzwerke verbunden. Die Keramik dieser Netzwerke wird nach ihrer typischen Form als Glockenbecher bezeichnet. Glockenbecher werden von der Iberischen Halbinsel im Westen bis zur Küste Italiens im Osten gefunden, einschließlich der Balearen, Sardinien, Sizilien, Marokko sowie der algerischen Küste. Bislang haben wir Schwierigkeiten diese frühen maritimen Verbindungen zu verstehen, da sie zu wenige der Funde genau datieren können . Um das zu ändern, werden wir einen neuen Ansatz anwenden, der kleinste Reste des ehemaligen Inhalts der Gefäße datieren kann. Dafür werden Lipidmoleküle (Fett und Öl) aus der Keramik gewonnen, so dass wir sagen können, was in den Gefäßen aufbewahrt wurde: Fleisch oder Milchprodukte von Wiederkäuern (z.B. Rindern/Schafen/Ziegen/Hirschen) oder Nichtwiederkäuern (z.B. Schweinen). Besonders wichtig ist für uns dabei, dass die Rückstände mit einer neulich entwickelten Methode (CSRA) sehr genau datiert werden können, so dass man viel besser als bisher sagen kann, wann die Menschen die Gefäße benutzt haben. Zusätzlich zu dieser neuen Methode werden wir 260 Radiokohlenstoffdatierungen an anderem kurzlebigem Material wie Getreideresten und Tierknochen durchführen, so dass die Anzahl solcher Datierungen von Fundstellen mit Glockenbechern mehr als verdoppelt wird und wir die Entwicklungen in den einzelnen Regionen viel besser verstehen können. Mithilfe von computer-gestützten Simulationen werden wir die Verbreitung von Glockenbechern und anderen Funden mit den Radiokohlenstoffdatierungen in Verbindung setzen, um die Netzwerke rund um das Mittelmeer wie auch zwischen Europa und Afrika zu veranschaulichen. Wie hielten die Menschen der westlichen Mittelmeerwelt Kontakt miteinander, welche Regionen standen sich näher, wie schnell breiteten sich Ideen und Objekte aus? Die Ereignisse der letzten Jahre haben uns gezeigt, wie wichtig solche Erkenntnisse im Kontext der gegenwärtigen Migration, Globalisierung und kulturellen Interaktion sind. Wir werden unsere Ergebnisse nicht nur in wissenschaftlichen Büchern und Aufsätzen, sondern auch in Comics für Erwachsene, in öffentlichen Workshops und mehrsprachigen Lehrmitteln vorstellen, und wir wollen zeigen wie wichtig die Langlebigkeit und Bedeutung dieser Kommunikationsnetzwerke für das Entstehen der Hochkulturen des Mittelmeerraums waren.
- Lucy Cramp, Bristol University - Vereinigtes Königreich
- Mark G. Thomas, University College London - Vereinigtes Königreich
- Alexandra Bayliss, University of Bristol - Vereinigtes Königreich