Toxizität von organischen Arsenverbindungen
Toxicity of organic arsenic compounds
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (100%)
Keywords
-
Food safety,
Bioavailability,
Arsenosugars And Arsenolipids,
Cellular Toxicity,
Synthesis And Characterisation,
Risk Assessment
Anorganisches Arsen ist ein Humankanzerogen und das EFSA Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette schlussfolgerte in seinem aktuellen wissenschaftlichen Gutachten, dass Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Vorkommen von anorganischem Arsen in Lebensmitteln nicht ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus wurden mittels moderner Metallspeziationsanalytik kürzlich in marinen Lebensmitteln Arsenozucker und Arsenolipide identifiziert, für die es bislang keine toxikologischen Studien gibt. Im Gegensatz zu Arsenobetain, welches vom Menschen nicht metabolisiert wird, werden Arsenozucker und -lipide zu einer Vielzahl von Metaboliten verstoffwechselt und es wird spekuliert, dass einige der Metabolite hoch toxisch sind. In diesem Projekt werden wir diese organischen Arsenverbindungen synthetisieren und ihre zelluläre Bioverfügbarkeit, Biotransformation und Toxizität untersuchen. Insgesamt werden 8 Arsenozucker, 6 Arsenolipide und 14 Metabolite bezüglich ihrer zellulären Zytotoxizität, direkten und indirekten Genotoxizität sowie im Hinblick auf ihren Transport über ein zelluläres Dünndarmendothelmodel charakterisiert werden. Der kombinierte Einsatz von sensitiven Speziationstechniken und toxikologischen Testsystemen wird eine Korrelation der einzelnen Arsenspezies mit den entsprechenden toxischen Effekten ermöglichen. Insgesamt wird diese Studie eine wichtige Grundlage für die dringend erforderliche Risikoabschätzung für organisches Arsen in marinen Lebensmitteln sein und damit ein wichtiger Schritt in Richtung zukünftige Gesetzgebung.
Dieses Projekt hat gezeigt, dass einige natürlich in Nahrungsmitteln vorkommende Arsenverbindungen toxisch auf humane Blasen- und Leberzellen, sowie auf den Modellorganismus Fruchtfliege, wirken. Das Projekt war eine Zusammenarbeit zwischen der Universität Münster und der Universität Graz um die Toxizität von verschiedenen organischen Arsenverbindungen zu untersuchen, die natürlicherweise in Nahrungsmitteln, besonders in Meeresfrüchten wie Fisch und Algen, vorkommen. Obwohl die hohe Toxizität von anorganischen Arsenverbindungen gut bekannt ist, gibt es wenige Erkenntnisse zur Toxizität von organischen Arsenverbindungen. Die Gruppe der organischen Arsenverbindungen umfasst wasserlösliche und fettlösliche Verbindungen. In Graz haben wir 14 Arsenverbindungen chemisch synthetisiert, gereinigt und charakterisiert. Das toxische Potential dieser Verbindungen wurde sodann von unseren deutschen Partnern an menschlichen Blasen- und Leberzellen getestet. Die wasserlöslichen Verbindungen zeigten generell eine geringe Toxizität. Drei von sechs fettlöslichen Arsenverbindungen zeigten hohe Toxizität gegenüber den humanen Zellen. Ihre Toxizität war mit der von Arsenit vergleichbar, aber der Modus der toxischen Wirkung war ein anderer. Fraktionen dieser Zellexperimente wurden wieder nach Graz geschickt und es wurde untersucht, ob die Zellen die Arsenverbindungen biotransformiert hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Toxizität mit der Fettlöslichkeit der Verbindung, deren Vermögen die Zellmembran zu durchqueren und der Leichtigkeit, mit der die Verbindungen zu weniger polaren Produkten biotransformiert werden, zusammen hängt. Die Untersuchungen wurden auf den Modellorganismus Fruchtfliege ausgedehnt. Toxizität zeigt sich wiederum bei den drei gleichen fettlöslichen Arsenverbinden, besonders im Entwicklungsstadium der Fruchtfliege. Die fettlöslichen Arsenverbindungen wurden von der Fruchtfliege leicht akkumuliert und die in Münster durchgeführten Bildverfahren haben klar gezeigt, dass sich die Arsenverbindungen im Hirngewebe angesammelt hatten. Das bedeutet, dass diese Arsenverbindungen, im Gegensatz zu den anorganischen Arsenverbindungen, die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Die toxischen Konsequenzen dieser Eigenschaft müssen untersucht werden. Die Resultate dieses Projekts wurden auf mehreren wissenschaftlichen Konferenzen und auf einer öffentlichen Tagung der japanischen Food Safety Commission präsentiert. Die Resultate haben signifikante Auswirkungen auf die zukünftigen Grenzwerte von Arsen in Nahrungsmitteln.
- Universität Graz - 100%
- Tanja Schwerdtle, Universität Potsdam - Deutschland
Research Output
- 423 Zitationen
- 6 Publikationen
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2013
Titel In vitro toxicological characterization of two arsenosugars and their metabolites DOI 10.1002/mnfr.201200821 Typ Journal Article Autor Leffers L Journal Molecular Nutrition & Food Research Seiten 1270-1282 Link Publikation -
2013
Titel In vitro intestinal bioavailability of arsenosugar metabolites and presystemic metabolism of thio-dimethylarsinic acid in Caco-2 cells DOI 10.1039/c3mt00039g Typ Journal Article Autor Leffers L Journal Metallomics Seiten 1031-1042 Link Publikation -
2014
Titel Arsenic-containing hydrocarbons are toxic in the in vivo model Drosophila melanogaster† DOI 10.1039/c4mt00249k Typ Journal Article Autor Meyer S Journal Metallomics Seiten 2010-2014 Link Publikation -
2014
Titel In vitro toxicological characterisation of three arsenic-containing hydrocarbons DOI 10.1039/c4mt00061g Typ Journal Article Autor Meyer S Journal Metallomics Seiten 1023-1033 Link Publikation -
2014
Titel Synthesis and Characterization of Arsenolipids: Naturally Occurring Arsenic Compounds in Fish and Algae DOI 10.1021/om4011092 Typ Journal Article Autor Taleshi M Journal Organometallics Seiten 1397-1403 Link Publikation -
2015
Titel In vitro toxicological characterisation of arsenic-containing fatty acids and three of their metabolites DOI 10.1039/c5tx00122f Typ Journal Article Autor Meyer S Journal Toxicology Research Seiten 1289-1296 Link Publikation