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Cluster Life Cycles

Franz Tödtling (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/I582
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.10.2011
  • Projektende 31.12.2015
  • Bewilligungs­summe 237.657 €
  • Projekt-Website

weitere Initiativen: EUROCORES ECRP

Wissenschaftsdisziplinen

Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (50%); Wirtschaftswissenschaften (50%)

Keywords

  • Industrielle Cluster,
  • Entwicklungsphasen,
  • Cluster Evolution,
  • Clusterpolitik,
  • Europa
Abstract Zusammenfassung

Obwohl es bereits zahlreiche Studien zur Funktionsweise von Clustern gibt, fehlt bislang ein systematischer Vergleich zur Frage, wie Cluster entstehen und wie sich Cluster im Verlaufe ihres Lebenszyklus verändern und transformieren. Die Hauptzielsetzungen dieses kollaborativen Forschungsprojektes sind daher zu untersuchen, welche Faktoren und Prozesse für die Entwicklung und die Transformation von Clustern verantwortlich sind, und welche endogenen und exogenen Antriebskräfte in verschiedenen Phasen des Lebenszyklus von Clustern vorzufinden sind. Darüber hinaus sollen Schlussfolgerungen für die Politik erarbeitet werden, die geeignet sind die Entstehung neuer Cluster und die innovative Erneuerung existierender Cluster zu unterstützen. Das Forschungsprojekt beabsichtigt 20 Cluster, die sich in unterschiedlichen Phasen ihres Lebenszyklus und in 7 Ländern Europas befinden, zu untersuchen. Dies wird zu neuen theoretischen Einsichten hinsichtlich der Dynamik von Clusterentwicklung und -transformation führen, ein Aspekt, der zugunsten statischer Analysen oft vernachlässigt wurde. Insbesondere gilt es herauszuarbeiten, welche Rolle bestimmten Akteuren, Netzwerken und Institutionen in den verschiedenen Clusterphasen zukommt. Darüber hinaus sind Cluster in den letzten Jahren zentrale Politik-Instrumente geworden um Innovation und Wettbewerbsfähigkeit regionaler und nationaler Wirtschaften zu fördern. Um aber Politikmaßnahmen auf die jeweiligen Erfordernisse der Cluster abzustimmen, benötigen wir mehr Wissen über die Faktoren und Prozesse, die für die jeweiligen Entwicklungsphasen von Clustern relevant sind. Dies könnte zu besser angepassten Politikmaßnahmen führen, die dazu beitragen Cluster durch innovative Erneuerung vor dem Niedergang zu bewahren und Bedingungen für die Entstehung neuer Cluster zu schaffen. Für Österreich sollen drei Cluster, die sich in verschiedenen Phasen ihres Lebenszyklus befinden, untersucht werden. Die Umwelttechnikindustrie in Oberösterreich, ein wachsender Cluster in einer traditionellen Industrieregion; die "creative industries" in der Region Wien, einen wachsender Cluster in einer diversifizierten Agglomeration; und die Lebensmittel-Industrie in Niederösterreich, eine Industrie in der Reifephase, die in den letzten Jahren mit beträchtlichen Herausforderungen und Umstrukturierungen konfrontiert worden ist. Die Analyse der österreichischen Fälle wird sich auf die Evolution dieser drei unterschiedlich alten Cluster in den verschiedenen Regionen konzentrieren, und die Rolle der internen und externen Faktoren und Antriebskräfte herausarbeiten. Schließlich werden geeignete Politikmaßnahmen für die Erneuerung und Innovation von Clustern herausgearbeitet.

Cluster, also die räumliche Ballung von verflochtenen Unternehmen und Organisationen in einem bestimmten Wirtschaftsbereich (Porter 1998, 78), werden oftmals als Elemente für die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung von Regionen und Ländern gesehen. Es wurden bereits zahlreiche Studien zur Funktionsweise von Clustern durchgeführt, z.B. zu den bekannten Hochtechnologie-Clustern in Silicon Valley in den USA oder in Cambridge in England. Allerdings fehlt bislang eine systematische Untersuchung zur Frage, wie Cluster entstehen und wie sie sich im Verlaufe ihres Lebenszyklus verändern und transformieren. Die Hauptzielsetzungen dieses internationalen kollaborativen Forschungsprojektes waren es daher zu untersuchen, welche Faktoren und Prozesse für die Entwicklung und die Transformation von Clustern verantwortlich sind, und welche endogenen und exogenen Antriebskräfte in verschiedenen Phasen des Lebenszyklus von Clustern vorzufinden sind. Darüber hinaus war es ein Ziel Schlussfolgerungen für die Politik zu erarbeiten, die geeignet sind die Entstehung neuer Cluster und die innovative Erneuerung existierender Cluster zu unterstützen. Zu diesem Zweck hat das internationale Forschungsprojekt 19 Cluster, die sich in unterschiedlichen in Ländern Europas (Deutschland, Schweiz, Tschechien, Schweden, Norwegen und Österreich) und darüber hinaus befinden, untersucht. Für Österreich wurden drei Cluster in verschiedenen Phasen ihres Lebenszyklus untersucht: Die Umwelttechnikindustrie in Oberösterreich, ein wachsender Cluster in einer traditionellen Industrieregion; der Cluster Neue Medien in der Region Wien, der aus der Überlappung von Kreativwirtschaft und Informationstechnologien entstanden ist und einen stark wachsenden Cluster in einer Metropolitan-Region darstellt; und die Medizin-Technik Branche ebenfalls in Wien, ein Cluster, der zwar eine gute Wissensbasis in Wien aufweist, sich aber bisher nur mäßig entwickelt hat. Das Projekt hat zu neuen theoretischen Einsichten hinsichtlich der Dynamik von Clusterentwicklung und Clustertransformation geführt, ein Aspekt, der in bisherigen auf Porters Ansatz beruhenden Arbeiten, oft vernachlässigt wurde. Zwar wurden in diesen Arbeiten wichtige Ergebnisse über Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit herausgearbeitet, allerdings oft aus einer statischen Perspektive und zu sehr auf die jeweilige Region fokussiert. Im vorliegenden Projekt galt es daher herauszuarbeiten, welche Rolle internen und externen Akteuren, Netzwerken und Institutionen auf verschiedenen räumliche Ebenen (regional, national, international) in den verschiedenen Clusterphasen zukommt. Für die untersuchten Cluster in Österreich hat sich gezeigt, dass treibende Kräfte der Clusterentwicklung jeweils auf mehreren räumlichen Ebenen (regional, national, Europäisch und global) zu finden sind, und dass sich die Bedeutung dieser Faktoren zwischen frühen und späten Phasen der Clusterentwicklung stark unterscheidet. Die Muster und Veränderungen waren im Falle der untersuchten Cluster zum Teil ähnlich ausgeprägt, zum Teil haben sie sich aber auch unterschieden. Ähnlich ausgeprägt war z.B. die starke Rolle lokaler persönlicher und sozialer Beziehungen in den frühen Phasen der Unternehmens- und Clusterentwicklung. Auch gab es in diesen frühen Phasen in allen Fällen eine starke Rolle der Nachfrage bzw. der Kunden, sowie der Qualifikationen und des Arbeitsmarktes auf regionaler und nationaler Ebene. Das stimmt zum großen Teil mit der vorhandenen Literatur überein. Anders als in der Literatur oft behauptet zeigte sich bei unseren Analysen, dass regionale Firmenbeziehungen und Netzwerke in der Frühphase noch nicht so bedeutend sind, z.T. auch deswegen, weil die Entwicklung solcher Beziehungen eine gewisse kritische Masse und auch Zeit benötigt. In späteren Phasen der Clusterentwicklung konnten wir eine deutliche Verlagerung der treibenden Faktoren auf höhere räumliche Ebenen beobachten. So erlangten in allen drei Clustern internationale (oft Europäische) Märkte und Kunden, sowie großräumige Beziehungen zu Lieferanten und Dienstleistern eine zunehmende Bedeutung. Auch die Wissensbeziehungen und Innovationsnetzwerke haben sich geographisch ausgeweitet und mehr auf die Europäische und globale Ebene verlagert. Im Gegensatz zur Globalisierungsliteratur haben wir jedoch keinen starken Bedeutungsverlust oder ein Aushöhlen des regionalen und nationalen Umfeldes beobachtet, sondern die Entwicklung hin zu multi-skalaren (also regionalen, nationalen, und internationalen) Faktoren und Beziehungen. Die untersuchten Cluster unterscheiden sich z.T. auch diesbezüglich. So erlangten für den Umwelttechnikcluster Oberösterreich Umweltschutzbestimmungen und Regulierungen auf der Internationalen (insbesondere Europäischen) Ebene eine zentrale Bedeutung, während für die Neuen Medien in Wien die Nachfrage und Kunden sowie Wissensquellen auf internationaler Ebene in späteren Phasen eine wichtige Rolle spielten. Im Unterschied dazu bleiben die Unternehmen des Medizintechnik Clusters in hohem Maße auf Kunden der Region und des Landes (oft Spitäler und medizinische Einrichtungen) orientiert und sie bleiben von den Regulierungen des nationalen Gesundheitssystems abhängig. In Bezug auf die Cluster-Politik zeigten unsere Ergebnisse, dass Strategien und Maßnahmen in hohem Maße auf die jeweiligen sektoralen und regionalen Erfordernisse abgestimmt werden müssen. Auch sollten sie die jeweiligen Clusterphasen berücksichtigen, die jeweils unterschiedliche Problemlagen und Engpässe aufweisen. Vorhandene Clustertheorien und -Ansätze haben diesen Umstand bisher nicht ausreichend berücksichtigt. In unseren Fallstudienregionen hat die Politik die spezifischen Problemlagen aber durchaus in pragmatischer Weise aufgegriffen. So spielte im Umwelttechnik-Cluster Oberösterreich die Politik in der Wachstumsphase durch finanzielle Zuschüsse und Netzwerk-Initiativen eine direkte Rolle, während sie im Medizintechnik-Cluster Wien eher indirekt Einfluss genommen hat, und zwar über die Gesundheitspolitik, Regulationen und die Nachfrage der Spitäler. Im Falle der Neuen Medien in Wien schließlich, hat die Cluster-Politik aus Sicht der Firmen eine geringe Rolle gespielt. Dieser Cluster wurde in höherem Maße durch globale Veränderungen des Sektors und der Konvergenz der zu Grunde liegenden Technologiefelder (Kunst und Informationstechnologie) beeinflusst.

Forschungsstätte(n)
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Robert Hassink, Universität Kiel - Deutschland
  • Arne Isaksen, University of Agder - Norwegen
  • Björn Asheim, Lund University - Schweden
  • Matthias Kiese, Fachhochschule Nordwestschweiz - Schweiz
  • Jiri Blazek, Charles University Prague - Tschechien
  • Daniel F. Mackinnon, University of Glasgow - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 121 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Perspectives on Cluster Evolution: Critical Review and Future Research Issues
    DOI 10.1080/09654313.2014.999450
    Typ Journal Article
    Autor Trippl M
    Journal European Planning Studies
    Seiten 2028-2044
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Adaptation and Change in Creative Clusters: Findings from Vienna's New Media Sector
    DOI 10.1080/09654313.2014.946641
    Typ Journal Article
    Autor Sinozic T
    Journal European Planning Studies
    Seiten 1975-1992
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Factors for the Emergence and Growth of Environmental Technology Industries in Upper Austria
    DOI 10.1553/moegg156s115
    Typ Journal Article
    Autor Tödtling F
    Journal Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft
    Seiten 115-140
    Link Publikation

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