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Wissenschaftskarrieren u. Geschlecht. Fallstudien zu Frankreich-Deutschland-Österreich

Academic careers and gender. Case studies from France - Germany - Austria

Johanna Hofbauer (ORCID: 0000-0002-0521-4257)
  • Grant-DOI 10.55776/I727
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2012
  • Projektende 30.09.2016
  • Bewilligungssumme 285.857 €

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Politikwissenschaften (30%); Soziologie (70%)

Keywords

    Academic careers, France, New Public Management, Germany, Gender, Austria

Abstract Endbericht

Das Forschungsvorhaben untersucht, wie sich die Konstitution von Wissenschaftskarrieren und Geschlecht durch die Umstellung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf unternehmerische Steuerungsformen des New Public Management in Frankreich, Deutschland und Österreich seit 2000 verändert. Erforscht wird, zu welchen geschlechterdifferenzierenden Aushandlungs- und Aneignungsprozessen die Implementierung von quantitativen Leistungsindikatoren und Kontrollregimen führen und in welcher Weise sich dadurch die Karrierebedingungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ab der Postdoc-Phase verändern. Im Zusammenspiel von strukturellen bzw. organisationellen Steuerungsvorgaben und individueller Aneignung (Subjektivierung) werden die erforderlichen Kapitalien, der akademische Habitus und Genderkonzeptionen restrukturiert. Die drei Länderstudien eignen sich für einen Vergleich der Ko-Konstitution von Wissenschaftskarrieren und Geschlechterarrangements in der Entrepreneurial University besonders gut, weil sie Ähnlichkeiten und Unterschiede in Bezug auf die universitäre Organisation, aber auch Ungleichzeitigkeiten bezüglich der akademischen Karrieregestaltung aufweisen. Das Forschungsvorhaben verspricht durch die kontrastierenden Fallstudien neue Erkenntnisse über karrierebezogene Subjektivierungsweisen im sich transformierenden akademischen Feld.

Neben der Internationalisierung der Wissenschaft und der Schaffung eines europäischen Hochschulraums hat vor allem die Umstellung der Universitäten auf managerielle Steuerungsformen die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft grundlegend verändert. Das Forschungsprojekt untersuchte die Bedeutung der politischen Debatte um eine reformierte Hochschulgovernance, der Implementierung von New Public Management sowie der Gestaltung des neuen Laufbahnstellensystems für Gleichstellungspolitik an verschiedenen Universitäten. Darüber hinaus wurden die geschlechterdifferenzierenden Auswirkungen der Reformen auf die Beschäftigungs-, Arbeits- und Aufstiegsbedingungen wissenschaftlicher Nachwuchskräfte analysiert. Zentrale Ergebnisse der Forschung sind: - In politischen Debatten um die österreichische Universitätsreform sollen Universitäten sowohl der Produktion wissenschaftlicher Erkenntnisse dienen als auch dem wissenschaftlichen Personal geistige Freiräume bieten. Dazu bedürfe es eines modernen Managements, das kostenbewusst arbeite, aber dennoch österreichische Universitäten zum globalen Exzellenzwettbewerb fit mache. - Diese Wettbewerbsorientierung zwischen Wissenschaftler_innen steht im Widerspruch zum universitären Ziel der Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern. Universitäre Leitungsorgane und Entscheidungsverantwortliche können Gleichstellungsziele argumentativ umgehen und damit die Karrierechancen von Frauen erschweren. Wir konnten zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den von uns untersuchten Universitäten herausarbeiten. Diese erklären wir dadurch, dass das Gleichstellungsgesetz und der Anspruch, transparente Entscheidungen zu treffen, die Handlungen der entscheidungsverantwortlichen Akteur_innen nicht wirksam lenken. Vielmehr sind diese Handlungen von der Gleichstellungskultur der Universität beeinflusst. Wo beispielsweise Institutionen der Gleichstellung und eine generelle Übereinkunft über die Bedeutung von Gleichstellung an einer Universität bereits vor der Reform existierten, können die neuen Strukturen des New Public Management im Sinne der Weiterentwicklung von Gleichstellung genutzt werden. Wo diese Strukturen fehlen und auch nach der Reform kein gleichstellungspolitisches Wissen der Leitungsorgane vorhanden ist, fehlen entscheidende Impulse für die Verbesserung der Karrierechancen von Frauen. - Die befragten Nachwuchskräfte nehmen die Herausforderungen der manageriellen Universität sehr differenziert an. Sie sehen sich konfrontiert mit den teils widersprüchlichen Anforderungen, ihre eigene Karriere unternehmerisch und geschickt voranzutreiben und dem Verlangen, dem Ideal des/der genialen WissenschaftlerIn zu entsprechen. Obwohl wir keine pauschalen Unterschiede zwischen den befragten Frauen und Männern feststellen konnten, hat die Notwendigkeit, in einem von Konkurrenzdruck und unternehmerischem Geist geprägten Wissenschaftsbetrieb mitspielen zu müssen, durchaus vergeschlechtlichte Effekte, die eher männlich konnotierte Entwürfe einer wissenschaftlichen Persönlichkeit begünstigen. Nur eine ganzheitliche Analyse und Miteinbeziehung relevanter Kontextbedingungen ermöglicht folglich eine Einschätzung der Bedeutung managerieller Hochschulreformen für Geschlechterdifferenzierungen bzw. Gleichstellungsbemühungen hinsichtlich wissenschaftlicher Karrierechancen.

Forschungsstätte(n)
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 51%
  • Universität Wien - 49%
Nationale Projektbeteiligte
  • Birgit Sauer, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Ilse Costas, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland

Research Output

  • 45 Zitationen
  • 9 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Feministische Gleichstellungsarbeit an unternehmerischen Hochschulen: Fallstricke und Gelegenheitsfenster
    DOI 10.1515/fs-2016-0103
    Typ Journal Article
    Autor Striedinger A
    Journal Feministische Studien
    Seiten 9-22
  • 2012
    Titel Behinderung und Hochschule: Ungleichheits- und interdependenztheoretische Ansätze zur Erklärung von Exklusionspraxis [Disability and University: Inequality and Interdependence Approaches to Explain Exclusion Practices].
    Typ Book Chapter
    Autor Dobusch L
  • 2012
    Titel Hard times despite radical reforms: Dilemmas of equal opportunity policy in Austrian higher education.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Hofbauer J
    Konferenz Dilemmas for Human Services. Papers from the 15th International Research Conference, Hrsg. Chandler, John, Barry, Jim, Berg, Elisabeth. London: University of East London
  • 2014
    Titel "Mit feiner Klinge". Geschlechterasymmetrien in Führungsetagen von Unternehmen.
    Typ Book Chapter
    Autor Hofbauer J
  • 2016
    Titel How organizational research can avoid the pitfalls of a co-optation perspective: analyzing gender equality work in Austrian universities with organizational institutionalism
    DOI 10.1080/14616742.2016.1189672
    Typ Journal Article
    Autor Striedinger A
    Journal International Feminist Journal of Politics
    Seiten 201-215
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Universitäre Personalpolitik: Laufbahnen mit Perspektive statt Kettenarbeitsverträge.
    Typ Other
    Autor Kreissl K
  • 2015
    Titel Of Trump Cards and Game Moves: Positioning Gender Equality as an Element of Power Struggles in Universities.
    Typ Book Chapter
    Autor Hofbauer J
  • 2015
    Titel Will gender equality ever fit in? Contested discursive spaces of university reform
    DOI 10.1080/09540253.2015.1028903
    Typ Journal Article
    Autor Kreissl K
    Journal Gender and Education
    Seiten 221-238
  • 2013
    Titel Gleichstellung in der unternehmerischen Hochschule? Diskursive Verschiebungen in der hochschulpolitischen Landschaft Österreichs.
    Typ Book Chapter
    Autor Die Unternehmerische Hochschule Aus Der Perspektive Der Geschlechterforschung: Zwischen Aufbruch Und Beharrung

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