Nach Bologna: Gender Studies in der unternehmerischen Hochschule
After Bologna: Gender Studies in Entrepreneurial Universities
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (100%)
Keywords
-
Entrepreneurial Universities,
Bologna Reform Process,
Gender Studies,
Interdisciplinarity,
Gender Knowledge,
Sociology Of Knowledge
Der gegenwärtige Umbau der Hochschulen zu "Entrepreneurial Universities" zielt über die grund-legende Restrukturierung der inneren Verfasstheit der Hochschulen und ihrer Außenbeziehungen hinaus auch auf Veränderungen des wissenschaftlichen Wissens und der Wissensproduktion. Das Projekt "Nach Bologna: Gender Studies in der unternehmerischen Hochschule" stellt diese Ebene des Wissens ins Zentrum. Es konzentriert sich exemplarisch auf die neuen Gender-Studies-Studiengänge, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1997, also im Wesentlichen zeitgleich mit der "Bologna"-Reform, eingerichtet wurden. Das Projekt geht davon aus, dass im Prozess der Implementierung der Gender Studies pfadabhängige, lokale "institutionelle Hybride" (Münch 2009) entstehen, die die "Bologna"-Anforderungen mit den Zielen der Gender Studies verknüpfen. Durch qualitative, akteurszentrierte, vergleichende Fallstudien zum Implementierungsprozess der Gender Studies will das Projekt Aufschluss darüber gewinnen, (1) welches Wissen, welche Themen und Fragestellungen, welche Theorien, Methoden und "Anwendungsbereiche" der Geschlechterforschung Eingang in die neuen Studiengänge finden und damit als relevantes wissenschaftliches Geschlechter-wisssen ausgewiesen werden, (2) welche Aushandlungsprozesse der Implementierung der Gender Studies vor Ort vorausgehen und sie begleiten, (3) welche AkteurInnen daran beteiligt sind, und (4) welchen Niederschlag die Reform-Imperative der unternehmerischen Hochschule und der "Bologna"-Reform in der aktuellen "Lehrgestalt" der Gender Studies finden.
In den letzten Jahrzehnten wurde mit der Autonomisierung der Universitäten sowie mit der Einführung der Bologna-Studienreform ein grundlegender Umbau der Universitäten im deutschsprachigen Raum eingeleitet. War das alte System geprägt vom Humboldtschen Bildungsideal, in dem Allgemeinbildung und ganzheitliche Ausbildung im Vordergrund standen, wird der Fokus in den neu eingerichteten Bachelor- und Masterstudien auf kompetenz-orientiertes Lehren und Lernen gelegt. Damit verbunden ist auch die Aufforderung, in den Studienplänen jene Kompetenzen auszuweisen, die sich die Studierenden im Laufe ihres Studiums aneignen sollten, wobei insbesondere arbeitsmarktrelevante bzw. anwendungsbezogene Kompetenzen an Bedeutung gewonnen haben. Am Beispiel der neuen Gender Studies-Studiengänge, die in Österreich und der Schweiz seit 2005, also im Wesentlichen zeitgleich mit der Bologna-Reform eingerichtet wurden, fragten wir in unserem Projekt darauf aufbauend, welche Themen und Anwendungsbereiche der Geschlechterforschung Eingang in die neuen Studiengänge fanden und wie sich die Studiengänge in offiziellen Texten präsentieren. Dabei wurde einerseits eine Orientierung an den neuen Forderungen nach Kompetenz deutlich, wird doch die Praxis- und Berufsrelevanz der Gender Studies häufig hervorgehoben. Außerdem sind Kurse zu Genderkompetenzen in den meisten Fällen Teil des verpflichtenden Lehrangebotes. Andererseits aber wird überall auch der gesellschafts- und wissenschaftskritische Auftrag der Gender Studies stark gemacht. Dies wird gleichzeitig zu einer wichtigen Legitimationsstrategie der Studiengänge: Praktische Verwertbarkeit und kritisches Hinterfragen werden nicht als widersprüchlich präsentiert, sondern in der Darstellung der Studiengänge auf charakteristische Weise miteinander verbunden. Ferner fragten wir danach, welche Aushandlungsprozesse, Organisationsstrukturen und finanziellen Rahmenbedingungen die Gender Studies pro Hochschule prägen und welche Rolle der aktuelle Umbau der Hochschule für die Einrichtung der Studiengänge spielt/e. Es zeigte sich, dass die Bologna-Reform in den 2000er Jahren ein Gelegenheitsfenster eröffnete, um neue, interdisziplinäre Studiengänge wie die Gender Studies einzurichten. Die Universitätsleitung versprach sich davon einen Beitrag zur Profilbildung der Universität, einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Ressourcen mit anderen Universitäten, der im Zuge der Autonomisierung eingeleitet wurde. Gleichzeitig wird mit Bologna aber auch eine Dynamik wahrgenommen, die die Weiterführung der vor Bologna bestehenden Studienangebote wie Wahlfachbündel oder Zertifikate gefährdete, weswegen die Studienreform sowohl als ermöglichendes Zeitfenster als auch als Zugzwang betrachtet werden kann.
- Universität Graz - 100%
- Sabine Hark, Technische Universität Berlin - Deutschland
Research Output
- 3 Publikationen
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0
Titel Wider die Gleichheitsrhetorik; Soziologische Analysen - theoretische Interventionen. Typ Other Autor Malli G -
2015
Titel Researching One's Own Field; Interaction Dynamics and Methodological Challenges in the Context of Higher Education Research. Typ Journal Article Autor Malli G -
2013
Titel Interaktionsdynamiken in Expertinneninterviews; Methodische Herausforderungen im Kontext der Hochschulforschung. Typ Book Chapter Autor K Binner