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Kognitive und emotionale Prozesse der Persuasion durch Narrationen

Cognitive and emotional processes underlying narrative persuasion

Markus Appel (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/I996
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2012
  • Projektende 30.06.2016
  • Bewilligungssumme 164.862 €

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Medien- und Kommunikationswissenschaften (40%); Psychologie (60%)

Keywords

    Media Psychology, Narratives, Transportation, Persuasion, Mediation, Epistemic Monitoring

Abstract Endbericht

Das Lesen, Anschauen oder Hören von medial vermittelten Narrationen (Geschichten) ist ein fester Bestandteil des Alltags. Seit langem gelten Geschichten bei Philosophen, Politikern und religiösen Führern als ein wirkungsvolles Mittel, die Realwelt-bezogenen Einstellungen und Überzeugungen von Menschen zu verändern. In der Tat sind Geschichten ein effizientes Mittel zur Einstellungsänderung, wie etliche psychologische und kommunikationswissenschaftliche Studien gezeigt haben. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Geschichten berühren und sich das Publikum in die Welt der Geschichte hineinversetzt fühlt (transportation). Diese Vermutung konnte insoweit bestätigt werden, als dass die Überzeugungen von denjenigen Personen besonders stark beeinflusst wurden, die angeben, sich vergleichsweise tief in die Geschichte hineinversetzt zu haben (hohe Transportation- Werte). Bisher ungeklärt bleiben allerdings die psychologischen Mechanismen, die für die verstärkte Überzeugungsänderung unter hoher Transportation verantwortlich sind. Das Ziel des beantragten Forschungsprojekts ist es, kognitive und emotionale Prozesse zu untersuchen, die an dem Transportation-Zustand beteiligt sind und die der Überzeugungsänderung durch Narrationen zugrunde liegen. Theoriegeleitet werden vier mögliche Wirkmechanismen vorgestellt, die mit Hilfe von sieben Experimenten überprüft werden. Bei den Wirkmechanismen handelt es sich erstens um die Reduzierung von kognitiv- elaborativen Aktivitäten, die mit Hilfe der Methode der Gedankenauflistung und der Pinocchio-Markierungs- Aufgabe (Experiment 1) sowie mit Hilfe der Methode des lauten Denkens (Experiment 2) untersucht wird. Zweitens vermuten wir, dass Transportation mit einer Reduzierung der automatischen Überprüfung von Informationen (epistemic monitoring) einhergeht, was sich wiederum auf die Einstellungsänderung auswirkt. Zur Überprüfung werden eine epistemische Stroop-Aufgabe (Experiment 3) sowie Blickbewegungsdaten (Experiment 4) eingesetzt. Drittens werden emotionale Wirkmechanismen untersucht. Dabei werden parallel zu den kognitiven Wirkmechanismen Daten zum arousal sowie zur emotionalen Valenz erhoben (Experimente 1-3). Emotionale Prozesse stellen ferner den Schwerpunkt von Experiment 5 dar. Viertens wird erwartet, dass das assoziative Informationsverarbeitungssystem an dem Einfluss von Geschichten auf explizit geäußerte Überzeugungen beteiligt ist. Diese Annahme wird mit Hilfe von impliziten Einstellungsmaßen untersucht (Experiment 6). Den Abschluss bildet ein Experiment, das den Einfluss von Geschichten auf Einstellungen und Verhalten über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten fokussiert (Experiment 7). Die Experimente zeichnen sich dadurch aus, dass mehrere objektive Prozessmaße für emotionale und kognitive Vorgänge einbezogen werden und wichtige Einflussfaktoren von Transportation experimentell variiert werden. Über die Psychologie und die Kommunikationswissenschaften hinaus besitzen die erwarteten Befunde Relevanz für andere Disziplinen wie Marketing und Public Health.

Geschichten sind nicht nur ein wunderbarer Zeitvertreib, mit Hilfe von Geschichten und Einzelfalldarstellungen lassen sich Einstellungen, Überzeugungen und das Verhalten von Menschen verändern. Im Rahmen des Projekts wurde untersucht, welche Mechanismen und Prozesse der Einstellungsänderung durch Geschichten (narrative Persuasion) zugrunde liegen. Die Wirkung von Geschichten auf unser Erleben und Verhalten wird darauf zurückgeführt, dass Geschichten berühren und sich das Publikum in die Welt der Geschichte hineinversetzt fühlt. Tatsächlich zeigten bereits zahlreiche Studien, dass die Überzeugungen von denjenigen Personen besonders stark beeinflusst werden, die angeben, sich vergleichsweise tief in die Geschichte hineinversetzt zu haben. Dieses Hineinversetzen oder Transportiertsein in die Welt der Geschichte wird in der Fachliteratur mit dem Fachbegriff Transportation beschrieben.Im Rahmen des Projekts wurden zahlreiche empirische Studien durchgeführt, in denen auf eine quantitative und experimentelle Methodik zurückgegriffen wurden. Im Rahmen des Projekts konnte gezeigt werden, dass nicht nur die Überzeugungen über die Welt um uns herum, sondern auch der Blick auf die eigene Person durch Geschichten verändert wird sofern sich die Rezipientinnen und Rezipienten im Zustand der Transportation befinden. In einer weiteren Studie zeigte sich, dass dieser spezielle Zustand auch dann eine Rolle spielt, wenn in einer fiktionalen Welt unterschiedlich glaubwürdige Figuren Thesen mit realweltlichem Gehalt vertreten. In einer weiteren Experimentalserie zeigte sich, dass Argumente, die in Geschichten eingebettet sind, die Einstellungsänderung verstärken, sofern Rezipientinnen und Rezipienten sich tief in die Geschichte hineinversetzt fühlen. Einen besonderer methodischer Beitrag des Projekts liegt in der Entwicklung einer Kurzform eines Fragebogens zur Erfassung von Transportation, der in einer englischsprachigen und einer deutschsprachigen Variante auf vorgestellt wurde. In einer weiteren Serie an Experimenten wurde das emotionale Erleben während einer Geschichte genauer betrachtet. Dabei zeigte sich, dass Personen, die emotional stärker auf die Wendungen einer Geschichte reagieren auch stärker durch die Geschichten beeinflusst werden. Um die Emotionen der Rezipientinnen und Rezipienten zu messen, wurde eine Software zur automatischen Analyse von Gesichtsausdrücken eingesetzt. Die Forschungsergebnisse stellen einen wichtigen Beitrag für die Grundlagenwissenschaft dar und sind zudem für angewandte Bereiche, wie den der Gesundheitskommunikation, von praktischem Wert.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Koblenz-Landau - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Tobias Richter, Universität Kassel - Deutschland

Research Output

  • 387 Zitationen
  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Argument Strength and the Persuasiveness of Stories
    DOI 10.1080/0163853x.2016.1257406
    Typ Journal Article
    Autor Schreiner C
    Journal Discourse Processes
    Seiten 371-386
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The Transportation Scale–Short Form (TS–SF)
    DOI 10.1080/15213269.2014.987400
    Typ Journal Article
    Autor Appel M
    Journal Media Psychology
    Seiten 243-266
  • 2013
    Titel Stories can influence the self-concept
    DOI 10.1080/15534510.2013.799099
    Typ Journal Article
    Autor Richter T
    Journal Social Influence
    Seiten 172-188
    Link Publikation
  • 2013
    Titel The Persuasive Influence of a Fictional Character's Trustworthiness
    DOI 10.1111/jcom.12053
    Typ Journal Article
    Autor Appel M
    Journal Journal of Communication
    Seiten 912-932
  • 2014
    Titel Experiencing narrative worlds: A latent state–trait analysis
    DOI 10.1016/j.paid.2014.05.034
    Typ Journal Article
    Autor Gnambs T
    Journal Personality and Individual Differences
    Seiten 187-192

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