Entfaltung des Kirchenjahres im Jerusalem der Spätantike
Development of the Liturgical Year in Late Antique Jerusalem
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Liturgy,
Jerusalem,
Patristics,
Feasts and Festivals,
Late Antiquity,
Homiletics
In der Entfaltung des Kirchenjahres kommt dem spätantiken Jerusalem eine Schlüsselstellung zu: zahlreiche Feiern und Feste nahmen in jenem Pilgerzentrum ihren Ursprung, in dem man biblischer Ereignisse passend zu Zeit und Ort gedenken konnte; zugleich hat der internationale Austausch einen beispiellosen Einfluß Jerusalemer Bräuche auf alle Kirchen und Riten des Ostens und Westens begründet. Die Jerusalemer Liturgie ist die bestdokumentierte der christlichen Frühzeit: zu liturgie-normativen Quellen (liturgischen Ordnungen und Texten in besonderer Dichte) treten nicht nur liturgie-deskriptive Zeugnisse (v. a. Pilgerberichte, aber auch Mönchsliteratur), sondern auch zahlreiche liturgie-interpretative Texte (Predigten aus der Feder Jerusalemer Priester und Bischöfe). Diese einzigartige Quellenlage ermöglicht es, ein Gesamtbild der Entfaltung des Kirchenjahres in dessen wichtigster formativer Phase vom 5. bis zum 8. Jahrhundert zu zeichnen. Konkret stellt sich das Forschungsprojekt die Aufgabe, die liturgiewissenschaftlich noch kaum untersuchten Predigten in dieses Gesamtbild einzufügen und so maßgebliche liturgietheologische Prinzipien (Formen liturgischen Gedenkens; Historisierung und Entfaltung in Raum und Zeit; historische, kulturelle und religiöse Kontextualisierung) zu veranschaulichen und kritisch zu reflektieren. Dabei soll nicht nur das Verständnis des christlichen Festkreises durch maßgebliche Vertreter des kirchlichen Lebens analysiert und vor dem Hintergrund der liturgischen Ordnung profiliert werden; es ist auch nach deren tatsächlicher Rezeption zu fragen und die Interaktion der religionssoziologischen Gruppen, welche das liturgische Leben bestimmten, zu beobachten. Neben der Ortskirche mit ihrem Klerus sind hier das blühende palästinische Mönchtum, das Pilgerwesen und nicht zuletzt die internationalen, vielsprachigen und zunehmend auch multikonfessionellen Kolonien zu nennen. Schließlich ist die liturgische Entfaltung in den Kontext der interreligiösen Spannungsfelder im Palästina der byzantinischen und frühislamischen Zeit zu stellen und in die Entwicklungen der Dogmen-, Kirchen- und politischen Geschichte einzuordnen.
- Ponteficio Ateneo S. Anselmo - 100%
- Universität Wien - 10%