Erweiterte Realität und zeitgenössische Fotografie
Augmented Reality and Contemporary Photography
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (70%)
Keywords
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Image Studies,
Representation,
Media Studies,
Photography Theory,
Contemporary Photographic Art,
Augmented Reality Technologies
Das Forschungsprojekt versteht sich als Beitrag zur Theorie der zeitgenössischen Fotografie unter dem Vorzeichen der durch aktuelle Entwicklung der Augmented Reality Technologien veränderten Relationen zwischen der Realität, den Bildern und der Realität der Bilder. Aufbauend auf meine früheren Studien zur fotografischen Indexikalität wird eine Neudefinition des fotografischen Bildes im Zeitalter der digitalen Verschmelzung indexikalischer und nicht-indexikalischer Bildelemente anhand von etablierten Positionen der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie unternommen. Die hierfür exemplarisch ausgewählten Werke von Jeff Wall und Andreas Gursky erscheinen in Form digitaler Fotomontagen und -collagen, die ich als erweiterte Dokumente (augmented documents) definiere: als hybride Bilder, die sich trotz ihrer multiplen Wirklichkeitsrelationen als singulär raumzeitliche Relationen, mithin als indexikalische Fotografien gerieren. Beide Künstler arbeiten vor dem Hintergrund der dokumentarischen und der piktorialistischen Fotografie, beide referieren auf realistische Malerei, und beide kombinieren digitale Montage- und Collagetechniken mit analogen Formen der Bildaufzeichnung und Präsentation. Das Projekt unterscheidet sich von früheren Studien zur Verwendung digitaler Bildbearbeitungstechnologien in drei wichtigen Punkten: Zum einen wird im Feld der zeitgenössischen Fotografie auf künstlerische Arbeiten fokussiert, welche ihre spezifischen Beziehungen zur Realität und ihre materielle Präsenz als Bild-Objekte hinterfragen und damit an das Realismusproblem der Malerei anknüpfen. Zum anderen eröffnet der Vergleich des "alten" neuen Mediums des fotografischen Abzugs mit jüngsten Entwicklungen der Augmented Reality eine transmediale und transhistorische Sicht auf das Problem des fotografischen Wirklichkeitsbezugs. Und zum dritten werden fotografische Bilder als das Resultat einer Licht-Projektion oder deren digitaler Simulation definiert, was die Integration von materiellen wie immateriellen, von indexikalischen wie nicht-indexikalischen Bildern erlaubt. Das wiederholt formulierte Desiderat einer Neudefinition des Fotografischen jenseits der Opposition analog/digital und der vermeintlichen Referenzlosigkeit digital(isiert)er Bilder aufgreifend, wird eine begriffliche Ausdifferenzierung verschiedener Modi fotografischer Referenzialität angestrebt. Auf diese Weise will das Projekt zu einer integrativen Theorie aktueller Bilder beitragen, die medien- und bildwissenschaftliche und spezifisch fototheoretische Aspekte der Problematik miteinander verschränkt.
- McGill University - 100%