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Liberale und Islamische Demokratietheorie

Liberal and Islamic Democratic Theory

Dunja Larise (ORCID: 0000-0002-4080-3719)
  • Grant-DOI 10.55776/J3393
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2013
  • Projektende 31.03.2016
  • Bewilligungssumme 146.030 €

Wissenschaftsdisziplinen

Politikwissenschaften (100%)

Keywords

    Democratic Theory, Inequality, Islamic Democracy, Social Movements

Abstract Endbericht

Die neuen sozialen Bewegungen wie Occupy, Indignados oder 99% entstanden als Reaktion auf die globale Finanzkrise und steigende Ungleichheit. Sie formulierten ihre Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit als die Suche nach echter Demokratie und zeigten erneut die Bedeutung sozialer Ungleichheit für demokratische Theorie und Institutionen. Das Konzept einer islamischen Demokratie, das durch die Ereignisse des Arabischen Frühlings erneut an Aktualität gewann, scheint in Bezug auf Legitimität, Repräsentation und die Frage sozialer Gerechtigkeit sowohl auf national-staatlicher als auch globaler Ebene eine mögliche Alternative zur liberalen Demokratie im Sinne einer authentischen demokratischen Lösung für die NONA (Naher Osten und Nord Afrika) Region zu sein. Im Westen wurde die islamische Demokratie vor allem als eine liberal islamische Alternative zum islamischen Fundamentalismus begriffen, während sie von ihren Verfechtern in der NONA Region als eine authentische islamische Alternative zu der, vom Westen dominierten, liberalen Demokratie aufgefasst wurde, die ihrerseits als ungeignet erachtet wurde die Probleme der ungleichen Entwicklung und der globalen Armut zu lösen. Das Konzept der islamischen Demokratie scheint glaubwürdige Narrative zur Frage der sozialen Gerechtigkeit zu bieten und gewinnt dadurch ein starkes Potenzial für eine Mobilisierung von unten. Die zweite Phase des Arabischen Frühlings (nach dem Sturz der autoritären säkularen Regierungen in Ägypten und Tunesien), in der sich die politischen Blöcke etablierten, die sich einer islamischen Demokratie zuschreiben (wie Ennahda in Tunesien und Muslimbruderschaft in Ägypten), stellte erneut, zur Überraschung vieler, klare Forderungen nach "wirklicher Demokratie" und sozialer Gerechtigkeit. Die Forderungen des Post- Arabischen Frühlings, wie die des Aufstands von Kasserine in Tunesien oder der neuen Welle der Tahrir Bewegungen in Ägypten, scheinen ähnlichen Agenden zu folgen wie die der neuen sozialen Bewegungen anderswo in der Welt Occupy, Democracia real! oder 99%. Sie fordern jenes sozial-ökonomische Regime heraus, in welches beide demokratischen Systeme, islamisches wie auch liberales, gleichermaßen eingebettet sind. So greift der Anspruch nach einer "wirklichen Demokratie" des Post-Arabischen Frühlings über die Grenzen des traditionellen liberal- ökonomischen Rahmen hinaus, der die gleichen strukturellen Schranken stellt für liberale wie auch islamische Demokratien. Das Ziel des Projekts ist die Auseinandersetzung mit den Fragen der sozialen Ungleichheit und der sozialen Gerechtigkeit im Rahmen der islamischen und liberalen Demokratietheorien und politischen Praxen. Dieses Ziel wird erreicht, erstens, durch eine komparative Analyse der normativen theoretischen Grundlagen gegenwärtiger liberaler und moderner islamischer Demokratie und zweitens, durch die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Globalisierung, institutionellen Veränderungen, Finanzkrise und Demokratietheorien; drittens, durch die Suche nach gemeinsamen Auffassungen arabischer und westlicher sozialer Bewegungen darüber, was eine "wirkliche Demokratie" auszeichnet.

Eine Folge von weitreichenden revolutionären Ereignissen erschütterte die Region des Mittleren Ostens und Nordafrika im Frühjahr 2011. Diese Ereignisse weckten Hoffnungen in eine schnelle Demokratisierung der ganzen Region. Wieder einmal wurden die revolutionären Aufstände enthusiastisch zu "Frühling" erklärt, ein Echo der überfrühten Hoffnungen von 1848 oder 1968 in Europa, in denen die politische Revolutionen als radikale Wendepunkte hin zu einer gerechteren und demokratischen Gesellschaft angesehen wurden. Mit Ägyptens gewaltsamen Konterrevolution von 3. Juli und 14. August 2013, die das Land zurück zu einer Militärdiktatur geführt haben und mit der tragischen Entwicklungen in Syrien ist es deutlich geworden, dass sich der "arabische Frühling" langsam zu einen Alptraum gewandelt hat. Der Aufstieg und der anschließende Sturz der Muslimbruderschaft in Ägypten waren Zeugnisse eines unverminderten Strebens nach einer "echten Demokratie" und sozialer Gerechtigkeit. Die politische und soziale Forderungen die auch nach der Machübernahme der Islamisch geprägten demokratischen Parteien virulent blieben, die andauernde Streiks der Gewerkschaften und Massendemonstrationen gegen Armut, zeugten von einem sich anbannenden Scheitern der Bruderschaft in ihrem Streben einen sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten. Der anschließende Militärputsch in Ägypten offenbarte unter anderem die Mängel des von der Muslimbruderschaft entwickelten Konzepts der islamischen Demokratie. Dieses Projekt bietet eine Auseinandersetzung mit den Fragen der sozialen Ungleichheit und der sozialen Gerechtigkeit im Rahmen der islamischen und liberalem Demokratietheorien und politischen Praxen. Dieses Ziel wird erreicht, erstens, durch eine komparative Analyse der normativen theoretischen Grundlagen gegenwärtiger liberaler und moderner islamischer Demokratie und zweitens, durch die Untersuchung der Ursachen für die mangelnde Fähigkeit der Muslimbruderschaft den Anforderungen der Arbeiter und der religiösen Minderheiten gerecht zu werden ; drittens, durch die Suche nach gemeinsamen Auffassungen arabischer und westlicher sozialer Bewegungen darüber, was eine "wirkliche Demokratie" auszeichnet.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für Höhere Studien - IHS - 100%
  • Yale University - 100%

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