Interessen am Westfälischen Friedenskongress (1643-49)
Interests at the Peace Congress of Westphalia (1643-49)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (70%); Philosophie, Ethik, Religion (10%)
Keywords
-
Diplomatic History,
Communication,
Holy Roman Empire,
Early Modern Period,
Peace Congress Of Westphalia
Auf dem Friedenskongress in Münster und Osnabrück war eine außergewöhnliche Vielzahl von Gesandten anwesend, die eine ebensolche Vielzahl an Herrschern, Staaten und Territorien vertraten. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass hier die unterschiedlichsten Interessen dynastische, territoriale, konfessionelle, militärische, finanzielle, individuelle etc. aufeinandertrafen und unter Umständen in Konflikt miteinander gerieten; dies gilt nicht nur für Interessenkonflikte zwischen den gegnerischen Parteien, sondern auch innerhalb der jeweiligen Delegationen. Beispielsweise war es eines der Hauptprobleme des kaiserlichen Prinzipalgesandten Maximilian von Trauttmansdorff die sich oft widersprechenden konfessionellen, territorialen und finanziellen Interessen des Kaisers in Einklang zu bringen und diese dann auch noch mit den kaiserlichen Verbündeten abzugleichen; und all dies bevor mit dem Gegner verhandelt wurde. Hinzu kamen die individuellen Interessen der Gesandten, die sich aus ihren verschiedenen Rollen als Klient, Patron, Adliger/Bürger und Paterfamilias ergaben. Vielfach klagten sie außerdem über finanzielle und/oder gesundheitliche Sorgen. Dieses Projekt, das explizit einen akteurszentrierten Ansatz vertritt, will anhand ausgewählter Gesandter der kaiserliche Prinzipalgesandte Maximilian Graf Trauttmansdorff, der brandenburgische Prinzipalgesandte Johann Graf Sayn-Wittgenstein sowie der Gesandte der Eidgenossenschaft Johann Rudolf Wettstein das Zusammenspiel der verschiedenen Interessen untersuchen. Welche Interessen vertraten die Gesandten? Wie kommunizierten sie diese? In welchem Sinne benutzten sie den Begriff ,Interesse? War er wertneutral oder negativ konnotiert? Wie verhielten sie sich in Fällen von Interessenkonflikten? Wie verschränkten sich die Mikro- und die Makroebene der Politik, d.h. welche Auswirkungen hatten die individuellen Interessen der Gesandten auf die Umsetzung der Interessen ihrer Dienstherren und umgekehrt? Ausgehend von einer begriffsgeschichtlichen Analyse des Interessenbegriffs soll weitergehend die Kommunikation über Interessen auch da untersucht werden, wo sie nicht explizit als solche benannt werden. Auf diese Weise soll nicht nur das Wissen über den Westfälischen Friedenskongress erweitert, sondern auch das Verständnis frühneuzeitlicher Diplomatie vertieft werden.
Das Projekt Interessen in diplomatischer Kommunikation. Der Westfälische Friedenskongress (1643-1649) betrachtet den Westfälischen Friedenskongress aus Perspektive der diplomatischen Akteure. In Münster und Osnabrück war eine außergewöhnliche Vielzahl von Gesandten anwesend, die eine eben- solche Vielzahl an Herrschern, Staaten und Territorien vertraten. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass hier die unterschiedlichsten Interessen dynastische, territoriale, konfessionelle, militärische, finanzielle etc. aufeinandertrafen und unter Umständen in Konflikt miteinander gerieten; dies gilt nicht nur für Interessenkonflikte zwischen den gegnerischen Parteien, sondern auch innerhalb der jeweiligen Delegationen. Beispielsweise war es eines der Hauptprobleme des kaiserlichen Prinzipalgesandten Maximilian von Trauttmansdorff die sich oft widersprechenden konfessionellen, territorialen und finanziellen Interessen des Kaisers in Einklang zu bringen und diese dann auch noch mit den kaiserlichen Verbündeten abzugleichen; und all dies bevor mit dem Gegner verhandelt wurde. Hinzu kamen die persönlichen Interessen der Gesandten, die sich aus ihren verschiedenen Rollen als Klient, Patron, Adliger/Bürger und Paterfamilias ergaben.Im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen der kaiserliche Prinzipalgesandte Maximilian Graf Trauttmansdorff sowie der kursächsische Gesandte Dr. Johann Leuber. Ergänzend werden verschiedene andere kaiserliche und reichsständische Gesandte herangezogen, um die Vielfalt der Interessenlagen zu veranschaulichen. Im Wesentlichen standen neben der Interessen der Dienstherren Finanzfragen, Gesundheitsprobleme und Fragen der Ehre im Fokus. An diesen Punkten tritt die Person des Gesandten, die meist in den Korrespondenzen hinter den Verhandlungsfragen versteckt bleibt, am stärksten hervor. Darüber hinaus wird deutlich, dass sie mitunter zu einer anderen Einschätzung der politischen Lage kamen als ihre Dienstherren, was zu Konflikten führen konnte. Zusätzlich zu den Interessen ihrer Dienstherren und den persönlichen Interessen traten insbesondere Trauttmansdorff und Leuber als Interessenvermittler auf, da andere Gesandte sie wiederholt um Vermittlung und Unterstützung baten. Dies zeigt, dass sich die Gesandten in einem komplexen Geflecht verschiedener Interessenlagen bewegten, die durchaus in Widerspruch zu einander stehen konnten. Teil ihrer Aufgabe war es, diese dennoch auszubalancieren.Die Komplexität des Friedenschließens wird damit aus Perspektive der Vorort handelnden Akteure, der Gesandten, beleuchtet. Sie waren es, die in Münster und Osnabrück fast sieben Jahre verhandelten und die mit ihren eigenen Interessen und Persönlichkeiten diese Verhandlungen mitprägten.
- Universität Bonn - 100%
Research Output
- 1 Zitationen
- 3 Publikationen
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2021
Titel Intertextualität diplomatischer Berichterstattung DOI 10.7788/9783412523695.107 Typ Book Chapter Autor Oetzel L Verlag Brill Deutschland Seiten 107-126 -
2016
Titel Review to: Goetze, Dorothée (Hg.), Die kaiserlichen Korrespondenzen 1648-1649. Münster 2015. Typ Journal Article Autor Oetzel L Journal H-Soz-Kult, 14.01.2016 -
2015
Titel Verständigung und Diplomatie auf dem Westfälischen Friedenskongress. Historische und sprachwissenschaftliche Zugänge, hg. von Annette Gerstenberg DOI 10.7767/miog-2015-0255 Typ Journal Article Autor Oetzel L Journal Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Seiten 532-534