Multistakeholder Initiativen und Zwangsausbeutung
Multistakeholder Initiatives and Forced Labour
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (25%); Politikwissenschaften (25%); Soziologie (25%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
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Forced Labour,
Corporate Governance,
Supply Chains,
Multistakeholder Initiatives
Dieses Forschungsprojekt versucht zu verstehen, ob die Art und Weise, in der Unternehmen geführt werden und ihre Gremien zusammengesetzt sind, Einfluss auf Versuche zur Bekämpfung von Zwangsarbeit haben oder nicht. Zwangsarbeit ist eine Menschenrechtsverletzung gemäß Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Der Prozess der Zwangsarbeit wird meistens mit Praktiken aus der Kolonialzeit verbunden; Schlagzeilen, Berichte sowie akademische Veröffentlichungen weisen allerdings darauf hin, dass dieser Prozess noch heute existiert. Jüngste Bemühungen konzentrierten sich darauf, diesen Prozess durch Rechtsvorschriften (siehe das Gesetz über die Transparenz in Lieferketten aus dem Jahr 2012 in Kalifornien, Vereinigte Staaten, und den Modern Slavery Act aus 2015 mit Wirkung in England und Wales) und freiwillige Regulierung (wie unternehmerische Sozialverantwortung) zu bewältigen. Dennoch machen Fälle von Zwangsarbeit immer noch Schlagzeilen. Daher stellt sich die Frage, welche anderen Alternativen zur Ausrottung von Zwangsarbeit führen könnten. Eine Alternative sind Multi-Stakeholder-Initiativen (MSI). Die vier Forschungsfragen, die dieses Projekt beantworten möchte, sind: 1) Warum haben die Mitarbeiter der Coalition of Immokalee Workers, der International Labour Organization und der International Finance Corporation, der Association of Labour Providers, der Gangmasters and Labour Abuse Authority und der Migrant Help das Fair Food Program, das Better Work Programme und die Stronger Together Initiative gegründet und mehrere Anbieter zur Unterstützung dieser Kampagnen eingeladen? 2) : Welche Motivationen sind der Auslöser für diese MSI und welchen Herausforderungen mussten sich diese MSI bisher stellen ? 3) Welchen Einfluss haben die MSI auf die Zwangsarbeit in den Lieferketten und inwieweit sind die Ziele erreicht worden? 4) Inwieweit sind diese MSI nachhaltig und skalierbar? Um diese Forschungsfragen zu beantworten, werden sowohl Sekundärforschung, 50 Experteninterviews als auch teilnehmende Beobachtungen durchgeführt. Die Ergebnisse der Sekundärforschung werden durch Daten ergänzt, die aus eingehenden Befragungen gewonnen wurden - ein Ansatz, der jedem Befragten die Möglichkeit geben wird, Punkte anzusprechen, die möglicherweise nicht vorhergesehen wurden; daher können bestehende Erklärungen für Phänomene durch neue Faktoren unterstützt, korrigiert oder ergänzt werden, die zuvor nicht anerkannt wurden. Die Teilnehmerbeobachtung ermöglicht, bessere Einsichten in folgende Bereiche zu gewinnen: i) Arbeitsmechanismen der MSI durch Teilnahme an Sitzungen; ii) die Rolle der verschiedenen Interessengruppen und wie sich diese Rollen im Laufe der Zeit verändern; und iii) Auswirkungen der MSI auf die Teilnehmer, indem man mit ihnen spricht und sie beobachtet. Die Neuheit dieses Projekts liegt in der Prüfung, ob MSI die beste Methode zur Bekämpfung von Zwangsarbeit sind und ob die Zusammensetzung von MSI ihre Ziele beeinflusst oder nicht.
Zertifizierungsprogramme von Multistakeholder-Initiativen (MSI) - einer Partnerschaft verschiedener Interessengruppen aus dem privaten Sektor, dem öffentlichen Sektor und/oder der Zivilgesellschaft - werden als Instrument zur Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen von Niedriglohnempfängern angepriesen, und zwar nicht nur im Hinblick auf das Lohnniveau, sondern auch auf Sicherheits- und Gesundheitsaspekte. Landarbeiter in den Vereinigten Staaten fallen in die Kategorie der Niedriglohnempfänger, und die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft wurden als schmutzig, erniedrigend und gefährlich beschrieben. Am Beispiel von zwei MSI (MSI A und MSI B) in Kalifornien sollte untersucht werden, ob Landarbeiter, die auf zertifizierten MSI-Farmen arbeiten, in Bezug auf das Lohnniveau sowie Sicherheits- und Gesundheitsaspekte besser abschneiden als Landarbeiter auf nicht zertifizierten Farmen. Die Daten, die durch Schreibtischforschung, teilnehmende Beobachtung und halbstrukturierte Interviews mit Landarbeitern, Farmbesitzern, Vertretern von gemeinnützigen Organisationen und Regierungsbeamten gesammelt wurden, zeigten, dass das Zertifizierungsprogramm von MSI A nicht der entscheidende Faktor war, um zu erklären, warum es den Landarbeitern besser ging als auf nicht zertifizierten Farmen. Im Fall von MSI B verbesserte das Zertifizierungsprogramm zwar einige Aspekte, wie z. B. die Räumung von Feldern, es schützte die Landarbeiter jedoch nicht vor nachteiligen Bedingungen, wie z. B. unrechtmäßiger Pestizidexposition und Tod. Im Fall von MSI B wurde also die bestehende Machtstruktur in gewisser Weise reproduziert. Beide Fallstudien wurden durch die Brille der Machtressourcentheorie analysiert.